@farhaven: Mal einen Bug-Report an ein vergleichbar großes Projekt wie Windows geschickt, z.B. mal an KDE oder das Gnome-Projekt oder gar auf die Kernel-Mailingliste von Linux? Die Bearbeitung dieser Bugreports dauert zumeist länger als die bei MS. Oft wird man sogar darum "gebeten", einen entsprechenden Patch einzureichen und nicht mit Bugreports zu nerven, wenn man eh keine Ahnung hat.
Wenn man natürlich Mini-Projekte wie Awesome-WM mit MS Windows vergleicht, wird Awesome-WM in Sachen Support sicher besser abschneiden, weil es ein 1-Mann-Projekt ist, wo keine Notwendigkeit für Zuständigkeiten besteht. Vergleicht man hingegen mal den Support beim Linux-Kernel z.B. mit dem von MacOSX (um mal bei unixoiden Systemen zu bleiben), wird man schnell feststellen, dass ClosedSource da weitaus besser abschneidet. Wieviele ACPI-Bugs gibt's z.B. im Linux-Kernel und wieviele im Kernel von MacOSX? Wie lange braucht Apple um Fehler, die in Verbindung mit neuer Hardware auftreten, zu fixen und wie lange braucht Linux dafür? Besserer Support? Direkter Entwicklerkontakt? Sicherlich nicht bei Projekten, an denen mehr als 100 Leute programmieren und das ist auch gut so, da erfahrungsgemäß eine zentrale Kommunikations/Customer-Schnittstelle eher den Überblick behält als wenn jeder Entwickler ständig von Usern genervt wird. Da aber OSS-Entwickler eben nur in ihrer Freizeit coden, investieren sie schon wesentlich weniger Zeit in die Software, als es im kommerziellen Umfeld möglich ist, wo Entwickler 8-12h am Tag dran arbeiten. Allein dadurch kann OSS nicht mit dem Support und der Entwicklungsgeschwindigkeit kommerzieller Programme mithalten, es sei denn man erschlägt dieses Defizit durch Manpower und da zeigt die Erfahrung, dass zuviele Köche den Brei eher verderben.
Ausserdem erlebe ich auch im kommerziellen Umfeld immer wieder Entwickler, die sich genauso in ihr Produkt reinknien wie irgendwelche OSS-Entwickler. Klar wollen die Leute auch davon leben und da liegt die nächste Schwachstelle von OpenSource. Man kann davon nicht leben, weil man die Software nicht verkaufen kann, sondern nur den Support und den braucht dank offenen Quellen kaum jemand. Es kommen also nur Firmen als Finanzier in Frage, die die Software an ihre Bedürfnisse anpassen lassen, womit dann wieder die Kommerzialisierung von OSS beginnt.
Dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, dass die OSS-Entwickler Software primär für sich selbst schreiben, habe ich bereits als Nachteil aufgeführt. Genau dadurch wird oft am Verbraucher vorbei entwickelt und oft genug hab ich schon erlebt, dass ich Patches eingereicht habe um Funktionalitäten zu ergänzen, die mit der Begründung abgelehnt wurden "Ich schreib die Software für mich. Wenn du eine gepatchte Version haben willst, dann musst du dir halt einen Fork machen. Ich will den Patch nicht." Ja super, tolle OSS-Entwickler.

Auf Egoismus baute der OSS-Gedanke jedenfalls ursprünglich eigentlich nicht auf. Mittlerweile tut er es aber bei den meisten Entwicklern und genau diese Denkweise "Ich schreibe die Software für mich" ist Schuld daran.