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Konzertreviews

Diskussion: Konzertreviews im Forum Music- & Filmbox, in der Kategorie Sonstiges; Anzeige IAMX [.uk] (Vorgruppe: Wedekind [.at]), 20.05.05, Arena So sieht also die legendäre Arena, die letztes Jahr umgebaut wurde. Nett, ...

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Alt 16.06.05, 11:46   #1 (permalink)
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IAMX [.uk] (Vorgruppe: Wedekind [.at]), 20.05.05, Arena

So sieht also die legendäre Arena, die letztes Jahr umgebaut wurde. Nett, doch hat sie etwas von diesem liebgewonnenen, versifften Punkflair ala EKH eingebüsst. (Trivia: Die Arena diente bis in die 70er-Jahre als Schlachthof in einem etwas heruntergekommenen Industrieviertel von Wien und wurde, als es Abgerissen werden sollte von linken Aktivisten besetzt, welche es Schrittweise zuerst zu einer Art Kommune und später zu einem alternativen Veranstaltungsort umfunktionierten. Das EKH ist Wiens letztes besetzte Haus, welches sich seit 15 Jahren selbst am Leben erhält.)
Die neue Halle ist wirklich geräumiger, hinten wurden noch oben versetzte Stufen installiert, welche sich für den gemütlicheren Konzertbesucher als gute Sitzgelegenheit mit freien Blick auf die Bühne anbieten.
Gegen 20:00 betraten die österreichischen Indirocker von Wedekind die Bühne. Der Sänger wies darauf hin die Grippe zu haben, macht aber nichts, die Vorstellung lief solide über die Bühne und nach etwas über einer halben Stunde gaben sie ihr letztes Lied zum besten und verliessen die Bühne.

Wie konnte es anders sein, die Roadies krempelten die Bühne um, eine Leinwand wurde aufgestellt und nach einer weiteren halben Stunde kam ein Schlagzeuger und begann einen bekannten Rythmus zu spielen. Eine junge Dame mit Zuckerwatteformatiger Frisur und einem roten Sommerkleidchen hüpfte auf die Bühne und intonierte den Opener "You stick it in me".

Als Herr Chris Corner, bekannt als die Diva der Sneaker Pimps mit seiner Gitarre die Bühne enterte hatten die Damen in den ersten fünf Reihen einen Orgasmus (zumindest hörte es sich so an). Enges, schwarzes Latexgewand, zerstrubbelte, halblange Haare, Klebeband über Arme und hände.

Im Hintergrund war ein Video zu sehen, in dem ein Finger ein Auge "streichelt", das ganze etwas "ruckelig" im Rythmus der Musik. Zugegeben, die Tanzeinlagen Corners sahen verdammt gut aus (meine Frau hatte schon einen ziemlich glasigen Blick), die Kleidchentragende Keyboarderin und Backgroundsängern turnte wie ein Flummie über die Bühne; nach gut 20 Minuten tanzten die ersten Fangirls auf den den Verstärkerboxen neben der Bühne (harr!). Ein Leid folgten dem Anderen, auf der Leinwand gab es lustige Dinge zu sehen, bei "Missile" wurde man durch projezierten Text zum Mitsingen animiert und so fort. Die Setlist umfasste alle Lieder von Kiss + Swallow sowie zwei neue, unbekannte Stücke und eine alternative Version von "Missile", die als Zugabe gespielt wurde. Nach gut andernhalb Stunden fiel der Vorhang und man ging mit dem Gedanken an ein wirklich gutes Electropopkonzert nach Hause.

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Alt 16.06.05, 12:18   #2 (permalink)
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Nine Inch Nails [.us] (Vorgruppe: Dresden Dolls [.??]), 14.06.05, Arena

... und wieder ein Abend in der Arena, diesmal Open-Air! Am Weg von der UBahnstation zur Arena waren Unmengen von "Suche Karten" und "Verkaufe Karten"-Menschen postiert, natürlich genau so, dass sie sich gegenseitig verfehlen. 19:15 war der offizielle einlass, um 20:00 schaftte ich es mich mit meiner Frau und einigen Freunden hineinzuquetschen (gruppenweiser Einlass), gerade rechtzeitig zum Set der mir bis dahin unbekannten Dresden Dolls. Eine Dame und ein Herr, ein Keyboard und ein Schlagzeug, welches bei einem Lied durch eine Gitarre getauscht wurde. Irgendwie erinnerte mich ihr schaffen an die Akoustik-Tour von Deine Lakaien Ende der 90er. Eine grossartige Stimme, nette Lieder, doch meiner Meinung nach als Vorgruppe einer Band wie NIN völlig deplaziert.

Dann war es soweit! Trent "Hulk" Reznor betrat mit seinen Mannen nach dem Intro von "Pinion" die Bühne und stimmte mit "The Frail" den eigentlichen Opener "The Wretched" an. Die Menge (schätzomativ 800 - 1200 Besucher, restlos Ausverkauft) begann zu toben, die ersten Flaschen und Becher flogen ins Publikum (grösstenteils von den Besuchern auf den Balkonen, die Links und Rechts der "Pit" vor der Bühne sind). Der Gitarrist, Aaron North, neu an Bord, wirbelte teilweise mit seiner Gitarre herum, dass es einem daran zweifeln lies, ob sie überhaupt angesteckt sei. Spätestens mit "March of the Pigs" begann das Konzert seeeehr genial zu werden; Mikrophonständer flogen durch die Gegend und die erste Gitarre wurde zerstört. Mein persönlicher Höhepunkt war "Reptile", eines der maschinenartigen Stücke des legendären Albums "The Downward Spiral", welches Live einfach nur Wahnsinn ist. "Hurt" durfte natürlich auch nicht fehlen, lustigerwise kippte vor dem letzten Satz des Liedes das Mikrophon um, Herr Reznor brachte daraufhin auch das Keyboard zu fall. Die barcodstylishen Lichtinstallationen im Hintergrund blinkten wie verrückt und selbst ich konnte nicht mehr still stehen [she spreads herself wide open, to let the insects in ... *sing*]. Das sie "Dead Souls" spielten hat mich mehr als überrascht, da sie dieses Joy Division-Cover eigentlich nur extrem selten spielten. Als Trent während der Schlussnummer schliesslich meinte "A gread audience! We had two shitty concerts in Germany and really needing this!" war auch dieser Punkt geklärt *g*. Zum Finale kletterte der Gitarrist auf eine turmhohe Verstärkerbox, zerstörte seine Gitarre, warf sie ins Publikum. Rock'n'Roll, Baby!


Fazit: Eines der besten Konzerte, die ich je besucht habe. Ich glaube es zwar nicht, aber ich hoffe, dass NIN innerhalb der nächsten drei Jahre wieder auf Tour gehen, mein letztes ihrer Konzerte davor, 2001 war viel zu lange her.

Setlist:
Pinion
The Frail
The Wretched
Wish
Sin
The Line Begins To Blur
March Of The Pigs
Something I Can Never Have
Hand That Feeds
Terrible Lie
Closer
Love Is Not Enough
Home
Burn
Reptile
You Know What You Are?
Suck
Gave Up
Hurt
Dead Souls
Starfuckers Inc.
Head Like A Hole

Zerstörungsbillanz:
2x Gitarre
1x Bass
1x Keyboard
4x Mikrophon samt Ständer
Unzählige Drumsticks
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