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Der Terror richtet sich nicht nur gegen Menschen, sondern gegen die offene
und freie Gesellschaft der westlichen Demokratien. Was den Terroristen
nicht gelang, könnten nun unsere eigenen Poltiker fertigstellen: den
Anschlag auf die Freiheit des Individuums. Was sich hinter dem
unscheinbaren Wort 'Vorratsdatenspeicherung' verbirgt, beleuchtet
Internetjurist Franz Schmidbauer von i4j.at
-.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.-
"Vorratsdatenspeicherung" klingt nach einem sehr unbedeutenden Wort. Auf
Englisch hört es sich noch harmloser an: "Data retention". Welch banaler
Begriff für den Übergang zu einem totalitären Überwachungsstaat! Der
internationale Terrorismus scheint sein Ziel zu erreichen. Er trifft die
westlichen Demokratien an ihrer empfindlichsten Stelle - bei der Freiheit
des Individuums. Die Tendenzen hiezu gab es seitens gewisser Kreise schon
immer. Der 11. September hat ihnen weltweit Auftrieb verliehen. Der 8. Juli
2005 könnte ihnen endgültig zum Durchbruch verhelfen. Mögen besonnene
Politiker das noch verhindern.
[...]
Worum geht es bei der Vorratsdatenspeicherung überhaupt, wie wirkt sich das
aus? Stellen Sie sich vor, Sie müssten ständig mit einer Kamera auf der
Stirn herumlaufen, die Tag und Nacht alles aufzeichnet. Das Filmmaterial
wird in einer Datenbank nur unter der Kameranummer gespeichert; an anderer
Stelle werden die zur Kameranummer gehörigen Personendaten abgelegt. Ihr
gesamtes Tages- und Nachleben wird nachvollziehbar festgehalten, ohne dass
zunächst die Identität preisgegeben wird. Wer Zugang zu diesen Daten hat,
hat Zutritt zu Ihrem gesamten Leben. Bei einer Überprüfung wird einfach
Ihre Kamera zurückgespult, Leugnen ist zwecklos.
[...]
In der Praxis kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu unseligen
Allianzen zwischen Verbrechensbekämpfern, die mit den Gefahren des
internationalen Terrorismus argumentieren, und der internationalen Musik-
und Filmindustrie, die ihre wirtschaftlichen Interessen sichern will.
Erstere haben es auf die Kommunikationsnetzwerke des Terrors abgesehen,
letztere auf die Identität der Tauschbörsennutzer, denen sie die Schuld an
ihren Umsatzeinbrüchen geben. Erstere haben politische Macht, letztere viel
Geld, mit dem sie massiv Lobbying betreiben können. Beide haben dasselbe
Problem: Sie können zwar relativ leicht nachvollziehen, was im Internet
geschieht, aber die Spur endet meist bei einer anonymen IP-Adresse. Man
muss daher unbedingt an diese Daten kommen, und zwar möglichst lange. Daher
muss verhindert werden, dass diese Daten gelöscht werden. Die Löschpflicht
des Datenschutzgesetzes muss in eine Speicherpflicht zum Zweck der Straf-
und Rechteverfolgung umgewandelt werden.
[...]
Ich bin der Letzte, der die Notwendigkeit einer Telefonüberwachung oder
einer Erfassung von Telekommunikationsdaten leugnet. Aber von diesen, seit
vielen Jahren im einzelnen Verdachtsfall über individuelle Beschlussfassung
eines Gerichtes angewendeten strafprozessualen Mitteln zur Aufklärung von
Straftaten bis zur ausnahmslosen, vorbeugenden Speicherung aller Daten
aller Kommunikationsteilnehmer ist ein langer Weg. Auf diesem Weg werden
die in den Grundrechten der westlichen Rechtsstaaten anerkannten Prinzipien
der Verhältnismäßigkeit bei weitem verlassen.
mehr:
http://www.i4j.at/news/aktuell59a.htm
EDRI warnt vor übereilten Reaktionen:
http://www.quintessenz.at/cgi-bin/index?id=000100003289
Text & Quelle: q/depesche 2005-07-13T17:06:38
http://www.quintessenz.at/cgi-bin/index?funktion=subscribe
und freie Gesellschaft der westlichen Demokratien. Was den Terroristen
nicht gelang, könnten nun unsere eigenen Poltiker fertigstellen: den
Anschlag auf die Freiheit des Individuums. Was sich hinter dem
unscheinbaren Wort 'Vorratsdatenspeicherung' verbirgt, beleuchtet
Internetjurist Franz Schmidbauer von i4j.at
-.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.-
"Vorratsdatenspeicherung" klingt nach einem sehr unbedeutenden Wort. Auf
Englisch hört es sich noch harmloser an: "Data retention". Welch banaler
Begriff für den Übergang zu einem totalitären Überwachungsstaat! Der
internationale Terrorismus scheint sein Ziel zu erreichen. Er trifft die
westlichen Demokratien an ihrer empfindlichsten Stelle - bei der Freiheit
des Individuums. Die Tendenzen hiezu gab es seitens gewisser Kreise schon
immer. Der 11. September hat ihnen weltweit Auftrieb verliehen. Der 8. Juli
2005 könnte ihnen endgültig zum Durchbruch verhelfen. Mögen besonnene
Politiker das noch verhindern.
[...]
Worum geht es bei der Vorratsdatenspeicherung überhaupt, wie wirkt sich das
aus? Stellen Sie sich vor, Sie müssten ständig mit einer Kamera auf der
Stirn herumlaufen, die Tag und Nacht alles aufzeichnet. Das Filmmaterial
wird in einer Datenbank nur unter der Kameranummer gespeichert; an anderer
Stelle werden die zur Kameranummer gehörigen Personendaten abgelegt. Ihr
gesamtes Tages- und Nachleben wird nachvollziehbar festgehalten, ohne dass
zunächst die Identität preisgegeben wird. Wer Zugang zu diesen Daten hat,
hat Zutritt zu Ihrem gesamten Leben. Bei einer Überprüfung wird einfach
Ihre Kamera zurückgespult, Leugnen ist zwecklos.
[...]
In der Praxis kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu unseligen
Allianzen zwischen Verbrechensbekämpfern, die mit den Gefahren des
internationalen Terrorismus argumentieren, und der internationalen Musik-
und Filmindustrie, die ihre wirtschaftlichen Interessen sichern will.
Erstere haben es auf die Kommunikationsnetzwerke des Terrors abgesehen,
letztere auf die Identität der Tauschbörsennutzer, denen sie die Schuld an
ihren Umsatzeinbrüchen geben. Erstere haben politische Macht, letztere viel
Geld, mit dem sie massiv Lobbying betreiben können. Beide haben dasselbe
Problem: Sie können zwar relativ leicht nachvollziehen, was im Internet
geschieht, aber die Spur endet meist bei einer anonymen IP-Adresse. Man
muss daher unbedingt an diese Daten kommen, und zwar möglichst lange. Daher
muss verhindert werden, dass diese Daten gelöscht werden. Die Löschpflicht
des Datenschutzgesetzes muss in eine Speicherpflicht zum Zweck der Straf-
und Rechteverfolgung umgewandelt werden.
[...]
Ich bin der Letzte, der die Notwendigkeit einer Telefonüberwachung oder
einer Erfassung von Telekommunikationsdaten leugnet. Aber von diesen, seit
vielen Jahren im einzelnen Verdachtsfall über individuelle Beschlussfassung
eines Gerichtes angewendeten strafprozessualen Mitteln zur Aufklärung von
Straftaten bis zur ausnahmslosen, vorbeugenden Speicherung aller Daten
aller Kommunikationsteilnehmer ist ein langer Weg. Auf diesem Weg werden
die in den Grundrechten der westlichen Rechtsstaaten anerkannten Prinzipien
der Verhältnismäßigkeit bei weitem verlassen.
mehr:
http://www.i4j.at/news/aktuell59a.htm
EDRI warnt vor übereilten Reaktionen:
http://www.quintessenz.at/cgi-bin/index?id=000100003289
Text & Quelle: q/depesche 2005-07-13T17:06:38
http://www.quintessenz.at/cgi-bin/index?funktion=subscribe