Variable Realitäten

Chris

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Gedanken zum Bewusstsein

Mir stellt sich die zutiefst existentialistische Frage: Was ist das "ich"? Ist es die physische Gestalt des Menschen, die andere mit mir assoziieren und die ich in einem Spiegel sehe? Ist es ein "Geist", eine "Seele", die in diesem materiellen Körper "wohnt"? Ist es das pure Bewusstsein, unabhängig von meiner physischen Gestalt?
Ich persönlich glaube an das Letztere. Ich denke das Bewusstsein ist eine von den uns bekannten physikalischen Grundlagen unabhängige Sache. Darum ist die Frage nach einem wo sinnlos.
Wir empfinden nun aber eine Zeit und drei Raumdimensionen. Diese entstehen dadurch, dass das Bewusstsein, also das Ich, über Schnittstellen (die Sinne) mit einer Welt interagiert: Wir nehmen Inputs auf (eine Sinneswahrnehmung) - unser Bewusstsein reagiert darauf - und wir geben einen Output aus (eine Handlung).
Das ganze erinnert stark an die Funktionsweise eines Computerprogramms. Und in der Tat gibt es da eine Parallele, die mir weiter zu denken gibt: Was geschiet, wenn wir unsere Schnittstellen tauschen oder erweitern und uns somit andere Umgebungen verschaffen könnten? Andere Welten, mit denen wir interagieren könnten? In denen wir ein anderes Leben führen würden?
Moment! Tue ich das nicht gerade? Ich habe meine fünf menschlichen Sinne als Schnittstellen zur Welt temporär verändert: Ich nehme Inputs aus dem Bildschirm auf, verarbeite sie und gebe einen Output über die Tastatur zurück. Ich habe mein Bewusstsein im Moment aus der physischen in die elektronische Welt umgekoppelt. Sie haben miteinander nichts oder wenig gemein. Es gibt Überschneidungen: Andere, mit denen ich in beiden Welten interagiere. Wir kommunizieren also auf beiden Ebenen.
Diese Welten stellen sich dieser Logik folgend also einfach als Kommunikationsebene vor. Als Medien, die wir benutzen, um mit anderen Individuen zu kommunizieren.
Es gibt in unserem Alltag eine Reihe dieser unterschiedlichen Welten: Die phyische, die elektronische (in Form des Internets beispielsweise), das Fernsehen, in dem wir keine Handlungen durchführen können.
Es ist heutzutage möglich, sämtliche fünf Sinne mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln wir Monitoren, Lautsprechern und sogar Vorrichtungen zum Vortäuschung von Gerüchen und Geschmäckern zu täuschen. Wenn unsere Sinne nicht mehr mit der physischen Welt verbunden sind, und wir diesen Wechsel nicht bewusst erleben oder bemerken: Wissen wir dass die falschen Sinneseindrücke, die uns diese technischen Geräte vorspielen, nicht die Realität ist? Woher wollen wir wissen, dass die Realität real ist?
Es ergibt sich eine Variabilität von Realität. Real ist relativ. Es hängt davon ab, welches Bezugssystem wir als das Echte ansehen. In aller Regel wird das die phyische Welt sein. Doch warum? Eigentlich nur, weil wir mit dieser am häufigsten durch unsere Sinne "verbunden" sind. Doch wie würden wir das empfinden, wenn wir die meiste Zeit mit einer anderen Welt verbunden wären? Es ist wie mit den Bezugssystemen in der Mechanik. Das berühmte Beispiel mit dem Zug: Sitze ich drin, ist der Zug mein festes Bezugssystem, bin ich draussen auf dem Bahnsteig, sieht das ganz anders aus. Es erscheint sogleich logisch, dass keines der beiden Systeme sich durch irgendetwas als das absolute Bezugssystem auszeichnet. Ebenso könnte es mit den Welten sein, mit denen wir unser Bewusstsein verknüpfen.
 

blueflash

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Ich zitiere hier mal ganz frei Terry Prattchet: "Realität ist definiert als das, woran die meisten Menschen glauben. Die meisten glauben, sie würden nur an Dinge glauben, die real sind."

Diese (zugegebener Maßen rekursive) Definition muss nur noch um die Tatsache ergänzt werden, dass der Glaube vieler Menschen tatsächlich die Realität ändern kann und das auf sehr profane Weise. Was wäre z.B. wenn 90% aller Männer urplötzlich davon überzeugt wären, dass das menschliche Äquivalent zu weiblichen Pottwalen das perfekte Schönheitsideal abgibt?

Denkt mal drüber nach!
 

Chris

Active member
Original von blueflash
Was wäre z.B. wenn 90% aller Männer urplötzlich davon überzeugt wären, dass das menschliche Äquivalent zu weiblichen Pottwalen das perfekte Schönheitsideal abgibt?
Das hat zwar imo eher was mit Geschmack als mit Realität zu tun, aber die Antwort auf diese Frage lautet "Rubens". :)
 

blueflash

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Worauf ich hinaus will ist, dass fester Glaube wirklicher ist als Wirklichkeit. Im Mittelalter sind hunderttausende Menschen gestorben, wel sie daran glaubten, dass der Papst der vertreter Gottes auf erden sei. Heutzutage glaubt ein Großteil der Menschen, dass z.B. Robben kleine niedliche Tiere sind, obwohl die wenigsten jemals eine gesehen haben. Trotzdem werden Robben geschützt. Verstehst du was ich meine?
 

Prometheus

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Das hört sich alles so an, als hättest du zuviel Matrix geschaut. ;)
Spaß bei Seite.
Nehmen wir doch die Nervenzellen, sind sie nicht die Schnittstelle vom Input zum Gehirn. Vieles hängt ja von der Denkweiße ab des Menschen ab. Was z.B. am besten in den Input geht. Wie z.B. bei Bill Gates: Open Source, der Begriff kommt bei ihm nicht so gut an. Dagegen nehmen z.B. Tierschützer leidende Tiere besser im Gehirn auf und es wird etwas in Gang gesetzt.
Worauf ich hinaus will, ist das viele Menschen ihre Umwelt anders wahrnehmen und auch intensiver oder mal nicht so intensiv wie andere Menschen. Z.B.: jeder hat seinen individuellen Musikgeschmack, sein Lieblingsessen, sein Lieblingshobby.
Auch bei Menschen, die einmal ein Trauma gehabt haben z.B. Zugunglück miterlebt haben werden in Zukunft daran errinnert werden, wenn sie wieder mit einem Zug fahren.
Ganze Gedanken sind so miteinander Verknüpft, auch die großen Denker die in Shows auftreten und den Publikum beweißen, das sie sich leicht große Zahlenreihen merken können nutzen nur den Trick, das sie die Zahlen mit etwas verbinden und sich eine Geschichte darüber ausdenken, die sie besser im Kopf speichern können.
Was der Mensch hört, sieht, riecht, fühlt und schmeckt wird im Gehirn gespeichert ob im Langzeit oder Kurzzeitgedächtnis hängt ganz vom Menschen ab. Das würde ich mal Erfahrung bezeichnen, das bei dem Menschen als Input hereinkommt.
Diese Erfahrungen können aber auch wieder abgerufen werden. Z.B.: Der Mann der als Kind mal ins Feuer gefasst hat, weil er nicht wußte was das ist hat sich gemerkt das er heute auch nicht ins Feuer fassen darf weil es schmerzt.
Deswegen glaube ich eher daran das, dass Bewußtsein aus Erfahrungen in Zusammenspiel mit Aufnahmeempfänglichkeit und Aufbau des Gehirns(Gen bedingt) und des Nervensystems basiert. Ich glaube nicht an einen bestimmten Spiritualismus, der Computer wurde ja auch nicht von Gott erschaffen und die Menschen auch nicht. Die Menschen haben sich an die Natur angepasst, Erfahrungen gesammelt, gelernt und sich Weiterentwickelt. Wobei wir wieder beim Bewußtsein wären.
 

gucky

New member
als ich den thread gelesen habe ist mir ganz plötzlich eingefallen:

MATRIX =)

mfg gucky

nachtrag: mann prometheus warst etwas schneller ;)
 
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