Ich möchte allerdings nicht ausschließen dass wir gerade etwas aneinander vorbei reden. Deswegen die Frage, wie definierst du "erlernt" an dieser Stelle?
Da muss ich ausholen
Einzelne Individuen und ein Teil einer bestimmten Presse "banalisieren" eine solche Wissenschaftliche Arbeit oder eine gesamte Wissenschaft. Manches redlich und manches nicht - und letztlich ist Banalisierung auch mal nötig um zb aus einer Forschung mal ein Produkt zu machen, was von allen verstanden werden kann.
Die Banalisierung (oder Reduktion) ist nicht selten und findet sich in nahezu allen Bereichen.
Aber: Die "richtige" Anwendung vielerlei Sachen erfordert eine richtige Ausbildung und das kostet idR. Zeit und Energie. Das gilt für nahezu alles, was eine Leistung aus eigener Kraft betrifft. D.h. Dinge, die wir erlernen müssen.
Niemand lernt "C in 21 Tagen", kein 18 jähriger begreift Nietzsches Werk in einem Abi-Leistungskurs oder erlernt klassische Gitarre durch Bücher oder Lehrvideos und Wikipedia reicht auch eben für eine ausreichende Recherche in den meisten Fällen nicht aus.
Natürlich ist das alles erlernbar. Aber selten mit dem Aufwand oder dem Zeitaufwand, der einem suggeriert wird. Klar gibt's immer diese Ausnahmetypen, die es einem vormachen. Das ist aber eben sehr selten und nicht der korrekte Maßstab. Die allermeisten von uns haben nicht das Zeug zum großen Hacker, Forscher, Denker, Musiker, Sportler etc..
Aber trotzdem wird uns permanent suggeriert dass man es DOCH kann. Das ist irgendwie ein kollektives streben, welches fleißig bedient wird, völlig ungeachtet der eigenen Stärken oder Schwächen.
Tatsächlich wird das meiste davon jedoch eben banalisiert oder reduziert - d.h. das Ziel in seiner Anforderung herabgesetzt - aber am Ende halt immer noch mittelmäßig. Letzteres wird einem natürlich verschwiegen - das vermute ich zumindest. Anders kann ich mir die Fülle an schlechter und mittelmäßiger Arbeit über zB Youtube nicht erklären (wenn sich etwa dort Leute hinsetzen und grauenhaft Gitarre spielen).
Zum Microexpression kram: Wer sich genau damit befasst - also z.B. mit den Arbeiten von Singer oder Roth, die "historischen" Dokumente und Experimente, der wird schnell merken dass es 1. intensive Arbeit erfordert überhaupt zu verstehen, worum es tatsächlich geht. 2. wird er sehen dass die gesellschaftliche Kunde von dieser Technologie ein pro-Konsum/pro-Unterhaltung einigermaßen verzerrt ist. 3. ist die Aussage über universelle Emotionen nicht einfach so hinzunehmen (Singer und Roth darf man kritisieren und man bekommt auch Schützenhilfe anderer neurologischer Schwergewichte. Und man darf auch durchaus das gesamte Konzept kritisch hinterfragen).
In der Praxis erfolgt dann die Banalisierung. Jemand hört von Microexpressions, klickt in den verzerrten Wikipedia Artikel (man braucht nur mal Gottmans eigene Ausführungen zu recherchieren) und googlet dann herum. Man findet jede Menge Agenturen, die diverse "Trainings" anbieten, meistens von irgendwelchen Sales Buden, wenig sachliche Artikel in der Boulevardpresse und dann eben der ganze homemade Schrott.
Die wissenschaftliche Aussage ist völlig verdeckt.
Die wissenschaftliche und praxisbezogene Legitimation wird von Dritten herbeigeführt, die idR kaum fundiert ist. Bitmunchers Aussage bzgl. der Asperger ist wohl partiell korrekt. Aber das damit beabsichtigte Einhergehen einer Bestätigung ist ähnlich als wenn ich sagen würde "Schlagermusik IST GUTE Musik weil sie von so vielen gehört wird" oder "Rosamunde Pilcher ist GUTE Literatur, weil sie von so vielen gelesen wird".
Nochmal: Ich zweifle nicht an der wissenschaftlichen Seriositaet der Arbeit dahinter.
Dadurch fällt einem eher mal auf wenn der andere lügt, wann ihm etwas unangenehm ist etc.
Völlig richtige Ansätze - aber bevor ich jemandem so etwas anempfehlen würde - würde ich eine Grundsatzfrage aufwerfen. Nämlich warum wir heute scheinbar so ein Bedürfnis nach diesen (eigentlich) üblichen Fähigkeiten haben

Und wieso es kommt, dass wir diese Fähigkeiten immer weniger haben
