Microexpression

Hallo,
Kennt jemand eine gute Website zum üben des Sehen der Microexpressions ?
Oder kennt jemand eine andere gute Möglichkeit um dies zu üben?
 
Eine andere gute Möglichkeit um dies zu üben: die Leuten, mit denen du dich unterhält einfach mal anschauen. Im Ernst, ich hab keine Ahnung was du dir von solchen Webseiten versprichst.
 
Ich dachte es wäre ganz gut das mal bei solchen Seiten zu üben, weil diese Microexpressions ja nur 1/25 sek lang "da sind" und ich dachte das man diese deshalb, ohne sie vorher geübt zu haben, nicht erkennt bzw. das üben keinen Sinn macht.

Außerdem braucht man ja auch dabei Erfahrung, denn ich dacht zu erst auch das die Microexpressions viel stärker wären und nicht nur so ein winziges zucken.
 
Wenn du der Meinung bist, dass du die Wahrnehmung von Microexpressions üben musst, dann hast du imo einfach nur ein grundlegendes Aufmerksamkeitsproblem. Fange einfach damit an deine Umwelt und vor allem deine Gesprächspartner wieder aufmerksamer zu betrachten. Leider wird man in unserer Gesellschaft schon als Kind dafür geschult Gesprächspartnern in die Augen zu schauen. Man kann aber Menschen wesentlich besser einschätzen und verstehen, wenn man ihre gesamte Körperhaltung und ihre Mimik und Gestik betrachtet. Schau also deinen Gesprächspartnern nicht immer nur in die Augen oder auf's Handy sondern auch mal bewusst auf Stirn, Nase, Kinn, Schläfen oder Wangen. Du wirst in relativ kurzer Zeit feststellen, dass du dadurch bereits wesentlich mehr Muskelbewegungen im Gesicht deines Gegenübers wahrnehmen wirst, wenn du seine Mimik betrachtest. Und wenn dir das erstmal gelingt, musst du dich nur noch zusätzlich auf die Feinheiten konzentrieren. Wo ändert sich kurz die Reflektion der Haut oder wo "huscht ein Schatten" über das Gesicht? Dadurch sieht man Microexpressions am ehesten und das kann eine Website kaum bis gar nicht vermitteln. Dazu musst du lediglich deine eigene Aufmerksamkeit trainieren.

Tipp: Bei einigen (nicht allen) Kampfsportarten gehört sowas zum Standard-Training. Kann also nicht schaden sich mal in Richtung Ninjutsu/Nin-Taijutsu, To-Shin Do oder ähnliche Bushido-orientierten Kampfsportarten umzuschauen, wenn es dir schwer fällt solche Details bei Menschen wahrzunehmen. Die Einschätzung eines Gegners aufgrund kleinster Bewegungen gehört bei denen zur Grundausbildung. Sonst kann man nämlich nicht schnell genug reagieren.
 
Es gibt auch noch so altmodische Techniken wie zuhören und Intuition.

Das Auge ist in vielerlei Hinsicht viel zu fehleranfällig und man sollte sich bei der Betrachtung eines Gegenübers auch nicht auf einzelne Facetten reduzieren. Hinter einer Regung stecken stets Emotionen und Emotionen sind unglaublich komplex. Zwar kannst Du bei einer Aussage Deinerseits eine Regung Deines Gegenüber bemerken. Allerdings erhältst Du keinen Aufschluss darüber, was denn nun eigentlich diese Regung produziert hat. Z.b. kannst Du nicht erkennen welche tatsächlichen Gedanken und Eindrücke eben dafür sorgen, dass sich dieser oder jener Muskel bewegt, den Du dann als "belustigt" interpretierst. Auch ist solche Technik auch nicht universell, da in manchen Kulturkreisen aus reiner Höflichkeit gelacht wird, oder etwa bei Verlegenheit gelächelt wird.

Das erlernen und lesen von solchen "Microexpressions" reduziert deinen Spielraum als Betrachter. Es drängt Dir sogar einen gewissen Formalismus auf, der auch dein Gegenüber reduziert, indem er anhand von katalogisierten Mustern gemessen wird, die DU als Betrachter als Massstab anlegst. Diese Muster kommen aber nicht einmal von Dir. Im schlimmsten Fall entstammen sie nämlich tatsächlich irgendwelcher Videoclips.

Kurzum: Unter gewissen Gesichtspunkten ist das bewusste Wahrnehmen bestimmter Signale sicherlich hilfreich. Aber das funktioniert nur erschöpfend, indem Du das ganze Spektrum des Senders und dir selbst (als Empfänger) aktivierst.

Es gibt zB Menschen mit einem ganz ausgeprägtem "feeling" dafür. Das sind auch üblicherweise diejenigen, die in diversen Unterhaltungshows Wahrsagerei etc. betreiben und die Zuschauer (berechtigterweise) beeindrucken. In Büchern erklären sie dann, dass man nur auf dies und jenes achten müsse und dass das im Grunde von jedem erlernt werden könne, der blöd genug ist, sich durch (zB) Microexpression Tests zu klicken.

Don't get me wrong ;)
 
Da Microexpressions durch das Unterbewusstsein gesteuert werden sind sie weitaus aussagekräftiger als die bewusst vom Menschen eingebrachten Mimiken wie das in manchen Kulturen übliche Lächeln. Das, was du als "Intuition" bezeichnest, Chromatin, ist oft nichts anderes als eine unbewusste Wahrnehmung von Microexpressions. Ihre Bewusstmachung ist somit nichts anderes als das verlagern der intuitiven Wahrnehmung von Menschen/Lebewesen in das Bewusstsein, wodurch sie vom bewussten Denken ausgewertet werden können. Man kann dadurch wesentlich kontrollierter auf diese "Intuition" reagieren, was erfahrungsgemäss dazu führt, dass Leute, die das geübt haben, weniger anfällig für die Emotionen ihres Gegenübers sind und rationaler reagieren können. Wie bereits gesagt... ein Grundskill in der Kampfkunst.

Insofern sind die "Techniken" wie Intuition nichts anderes als unbewusste Wahrnehmung von Microexpressions. Ihr erlernen reduziert den Spielraum nicht sondern erweitert ihn durch die Möglichkeiten des Bewusstseins.
 
Vorweg - ich beziehe mich hier auf das was man geheinhin aktuell darunter versteht - den Ausdruck am Gesicht ablesen.


Da Microexpressions durch das Unterbewusstsein gesteuert werden sind sie weitaus aussagekräftiger als die bewusst vom Menschen eingebrachten Mimiken wie das in manchen Kulturen übliche Lächeln.

Verstehe ich.

Aber:

1. Kannst Du niemals sicher sein, ob die "Expression" "unbewusster" Natur ist.
2. Kannst Du trotzdem nicht die geistige Aktion erfassen, die zu der Expression führt, denn hier spielen Erlebnisse, erlerntes, Trauma, etc. weiterhin eine Rolle
3. Bleibt mein Argument der kulturellen Prägung weiterhin gültig, da zb der Ausdruck von Ekel oder entsetzen durchaus unbewusst ausgedrückt wird, aber trotzdem kulturell (Erziehung) bedingt sein kann.

Das, was du als "Intuition" bezeichnest, Chromatin, ist oft nichts anderes als eine unbewusste Wahrnehmung von Microexpressions.
Das bezweifle ich aber sehr, denn eine gute Intuition kann z.B. auch am Telefon gegeben sein - oder in Gruppengesprächen ohne direkte Fixierung eines anderen. Im direkten, leiblichen Kontakt, ist die Wahrnehmung einer optisch erkennbaren Expression also eher nur ein Teil. Die Hirnleistung beim Zuhörens wird ganz allgemein stark unterschätzt, ist sie doch ungleich "mächtiger" und differenzierter.


Man kann dadurch wesentlich kontrollierter auf diese "Intuition" reagieren, was erfahrungsgemäss dazu führt, dass Leute, die das geübt haben, weniger anfällig für die Emotionen ihres Gegenübers sind und rationaler reagieren können. Wie bereits gesagt... ein Grundskill in der Kampfkunst.

Das nicht anfällig sein für Emotionen ist eine Reduzierung des Gegenübers ;)
 
Das bezweifle ich aber sehr, denn eine gute Intuition kann z.B. auch am Telefon gegeben sein - oder in Gruppengesprächen ohne direkte Fixierung eines anderen. Im direkten, leiblichen Kontakt, ist die Wahrnehmung einer optisch erkennbaren Expression also eher nur ein Teil. Die Hirnleistung beim Zuhörens wird ganz allgemein stark unterschätzt, ist sie doch ungleich "mächtiger" und differenzierter.

Was daran liegen dürfte, dass Formen von Microexpressions auch in den Stimmlagen auftreten.

Das nicht anfällig sein für Emotionen ist eine Reduzierung des Gegenübers ;)

Nein, denn es geht nicht um das "nicht anfällig sein" sondern um das "sich nicht (negativ) beeinflussen lassen".
 
Vorweg - ich beziehe mich hier auf das was man geheinhin aktuell darunter versteht - den Ausdruck am Gesicht ablesen.

Was daran liegen dürfte, dass Formen von Microexpressions auch in den Stimmlagen auftreten.

Was denn nun? Gehen wir von DEN Microexpressions aus, so ist von visueller Aufnahme die Rede - insbesondere Geschichtsregungen. Das ist der Gegenstand der Erforschung und soweit ich weiß, ist das eine sog. spezielle Begabung, die eher selten auftritt - auch wenn man sie trainiert.

Ich bezweifle die Technik nicht - und auch nicht die Begebung mancher Leute das zu interpretieren.

Aber ich komme nicht umhin eine Art Hype darum zu erkennen und der führt, so meine Meinung, eher zu einer massiven Reduzierung der Eindrücke, eben durch diesen extrem niveaulosen Formalismus, mit dem diese Forschungen und Techniken kredenzt werden. Fakt ist: Die Möglichkeit, ausschließlich anhand der visuellen Eindrücke von Gesichtsregungen über das Gegenüber, in-the-wild, treffliche Aussagen zu machen, ist verschwindend gering.
 
Was denn nun? Gehen wir von DEN Microexpressions aus, so ist von visueller Aufnahme die Rede - insbesondere Geschichtsregungen. Das ist der Gegenstand der Erforschung und soweit ich weiß, ist das eine sog. spezielle Begabung, die eher selten auftritt - auch wenn man sie trainiert.
Ja, wenn man es genau nimmt, werden _die_ Microexpressions nur auf Muskelbewegungen bezogen. Dennoch lässt sich das Prinzip auf jegliche Möglichkeit der Kommunikation übertragen, die uns Menschen zur Verfügung steht, d.h. Stimme, Gestik, Mimik.

Fakt ist: Die Möglichkeit, ausschließlich anhand der visuellen Eindrücke von Gesichtsregungen über das Gegenüber, in-the-wild, treffliche Aussagen zu machen, ist verschwindend gering.

Nein, das ist kein Fakt. Schau dir mal an wie Asperger, die einfach von Geburt an kein Einfühlungsvermögen/keine Empathie haben, lernen Emotionen bei Menschen einzuschätzen. Das läuft bei denen fast nur über bewusste Interpretation bestimmter Muskel-Bewegungen, Gestiken und Stimmlagen. Nur weil du es nicht gelernt hast, heisst es nicht, dass es nicht möglich ist. ;)

Im Übrigen halte ich das keineswegs für eine spezielle Begabung sondern für eine trainierbare Fähigkeit. Wie bereits erwähnt, lernt man diese vermeintliche Begabung nämlich in guten Kampfkunstschulen und das wäre kaum möglich, wenn man dazu eine spezielle Begabung bräuchte.
 
Hallo zusammen,

ich mische mich an der Stelle einfach mal mit ein.

In erster Linie möchte ich bitmuncher recht geben, durch das Bewusste Wahrnehmen der Microexpressions (und allem was dazu gehört wie z.B.: Körpersprache, Augenzugangshinweise¹) kann man den Gegenüber deutlich besser Einschätzen lernen.
Dadurch fällt einem eher mal auf wenn der andere lügt, wann ihm etwas unangenehm ist etc.
Das sehe ich Persönlich als enormen Vorteil weil man sich dann nicht mehr auf sein "Gefühl" verlassen muss sondern mehr Hinweise (ganz wichtig, das alles sind nur Hinweise da die selbe Reaktion aus Unterschiedlichen Gründen erfolgen kann) darauf hat was wirklich los ist.

Andererseits möchte ich auch Chromatin recht geben.
Wenn man sich zu sehr darauf Konzentriert beschränkt man sich selber in der Kommunikation. Gerade in der Anfangsphase ist es sehr schwer sich auf diese Microexpressions zu Konzentrieren und trotzdem dem Gesprächsverlauf Aufmerksam zu verfolgen.
Zudem Gerät man sehr schnell in die Situation dass man sich selbst überschätzen kann und der Meinung ist man wisse genau was der andere gerade wirklich meint/denkt. (es bleiben weiterhin Interpretationen dessen was man Wahrgenommen hat womit wir wieder bei der "relativen Realität"² sind)


Um die Ausgangsfrage des Threads aufzugreifen...

Persönlich Interessiere ich mich für das selbe Thema und war Anfangs auch auf der Suche nach einer solchen Website. Am Anfang ist es (so meine Meinung) Interessant gezielt auf diese Microexpressions hingewiesen zu werden damit man weis worauf man überhaupt achten muss.
Nachdem ich keinerlei Videos dazu gefunden habe, habe ich Angefangen meine eigenen Videos zu machen. (Bisher zu schlechte Qualität aber es war nur die erste Test Runde).

Genauer habe ich mir das Buch "Der große Zauberlehrling"³ geholt und die dort Beschriebenen Übungen zum erkennen eben jener Microexpressions (auch wenn es in dem Buch nicht direkt so genannt wird) mit einer guten Freundin durchgeführt und das Aufgezeichnet.
Vielleicht hast du ja auch einen guten Kollegen/gute Kollegin die sich auf so ein Experiment einlassen würden.

Vorteil für mich Persönlich dabei ist dass ich diese Videos immer wieder und wieder ansehen kann und neue Eindrücke gewinnen kann.

Unter Umständen werde ich im kommenden Jahr das VideoProjekt neu starten und dann auch auf Youtube hochladen so dass diese Videos mehr Leuten zur Verfügung stehen. Dazu muss ich aber vorher klären wer aus meinem Freundeskreis kein Problem damit hat "Online" zu sein.

Gruß
Christian


¹Augenzugangshinweis
²Die Landkarte ist nicht das Gebiet
³Der große Zauberlehrling. Teil 1 & 2: Das NLP-Arbeitsbuch für Lernende und Anwender: 2 Bde.: Amazon.de: Alexa Mohl: Bücher
 
Ja, wenn man es genau nimmt, werden _die_ Microexpressions nur auf Muskelbewegungen bezogen. Dennoch lässt sich das Prinzip auf jegliche Möglichkeit der Kommunikation übertragen, die uns Menschen zur Verfügung steht, d.h. Stimme, Gestik, Mimik.

Dann müssen wir auch so verfahren :) ME als isolierte Technik - ist sehr selten.

Nein, das ist kein Fakt. Schau dir mal an wie Asperger, die einfach von Geburt an kein Einfühlungsvermögen/keine Empathie haben, lernen Emotionen bei Menschen einzuschätzen. Das läuft bei denen fast nur über bewusste Interpretation bestimmter Muskel-Bewegungen, Gestiken und Stimmlagen. Nur weil du es nicht gelernt hast, heisst es nicht, dass es nicht möglich ist.

Ich schrieb "selten - in-the-wild". Asperger sind keine Repräsentative Gruppe einer homogenen Menschenmasse und darüber hinaus ist auch der klassische Asperger nach wie auffällig unbegabt in Bezug auf die Interpretation von Emotionen anderer. Das der ein oder andere diese "Behinderung" durch solche Techniken zu kompensieren sucht und vielleicht sogar korrekt interpretiert, würde ich nicht abstreiten. Aber unterm Schnitt bleibt es dabei: Die Anwendung und das ziehen korrekter Schlüsse ist "in-the-wild" äußerst selten. Und da Du eine Analogie zur Kampfkunst geliefert hast: Im Dojo ist es nunmal anders als auf der Straße. Und was nützt eine Kampfkunst, die auf der Straße nichts taugt?


Ich reduziere meine Aussage nochmal: Die wissenschaftliche Analyse und Feststellung mag korrekt sein. Ebenso die Tatsache, dass solche Expressions existieren.
Die Annahme, man (jeder, alle) könne das anhand von (z.B.) Youtube Videos erlernen und zu einer "in-the-wild" nützlichen Technik machen, ist eben einfach Bullshit. Das ist krasseste Banalisierung (aka. "lernen Sie C in 21 Tagen!" oder "spielen Sie Liszt, trotz kleiner Hände").
 
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Die Annahme, man (jeder, alle) könne das anhand von (z.B.) Youtube Videos erlernen und zu einer "in-the-wild" nützlichen Technik machen, ist eben einfach Bullshit. Das ist krasseste Banalisierung (aka. "lernen Sie C in 21 Tagen!" oder "spielen Sie Liszt, trotz kleiner Hände").

Dem möchte ich bedingt widersprechen.
Natürlich kann es nicht jeder (Kinder/Geistig eingeschränkte etc.) lernen, allerdings behaupte ich dass es mit der Notwendigen Motivation durchaus möglich ist.
Natürlich darf man keine Wunder in 21 Tagen erwarten :wink: , allerdings glaube ich dass mit Konsequenten lernen ein Jahr reichen sollte um es im täglichen gebrauch Anwenden zu können. Auch hier nicht im vollen Umfang wie es ein Profi könnte, aber gut genug um daraus Nutzen zu ziehen.

Ich möchte allerdings nicht ausschließen dass wir gerade etwas aneinander vorbei reden. Deswegen die Frage, wie definierst du "erlernt" an dieser Stelle?

gruß
Chris
 
Ich möchte allerdings nicht ausschließen dass wir gerade etwas aneinander vorbei reden. Deswegen die Frage, wie definierst du "erlernt" an dieser Stelle?

Da muss ich ausholen :D

Einzelne Individuen und ein Teil einer bestimmten Presse "banalisieren" eine solche Wissenschaftliche Arbeit oder eine gesamte Wissenschaft. Manches redlich und manches nicht - und letztlich ist Banalisierung auch mal nötig um zb aus einer Forschung mal ein Produkt zu machen, was von allen verstanden werden kann.

Die Banalisierung (oder Reduktion) ist nicht selten und findet sich in nahezu allen Bereichen.

Aber: Die "richtige" Anwendung vielerlei Sachen erfordert eine richtige Ausbildung und das kostet idR. Zeit und Energie. Das gilt für nahezu alles, was eine Leistung aus eigener Kraft betrifft. D.h. Dinge, die wir erlernen müssen.

Niemand lernt "C in 21 Tagen", kein 18 jähriger begreift Nietzsches Werk in einem Abi-Leistungskurs oder erlernt klassische Gitarre durch Bücher oder Lehrvideos und Wikipedia reicht auch eben für eine ausreichende Recherche in den meisten Fällen nicht aus.

Natürlich ist das alles erlernbar. Aber selten mit dem Aufwand oder dem Zeitaufwand, der einem suggeriert wird. Klar gibt's immer diese Ausnahmetypen, die es einem vormachen. Das ist aber eben sehr selten und nicht der korrekte Maßstab. Die allermeisten von uns haben nicht das Zeug zum großen Hacker, Forscher, Denker, Musiker, Sportler etc..

Aber trotzdem wird uns permanent suggeriert dass man es DOCH kann. Das ist irgendwie ein kollektives streben, welches fleißig bedient wird, völlig ungeachtet der eigenen Stärken oder Schwächen.

Tatsächlich wird das meiste davon jedoch eben banalisiert oder reduziert - d.h. das Ziel in seiner Anforderung herabgesetzt - aber am Ende halt immer noch mittelmäßig. Letzteres wird einem natürlich verschwiegen - das vermute ich zumindest. Anders kann ich mir die Fülle an schlechter und mittelmäßiger Arbeit über zB Youtube nicht erklären (wenn sich etwa dort Leute hinsetzen und grauenhaft Gitarre spielen).

Zum Microexpression kram: Wer sich genau damit befasst - also z.B. mit den Arbeiten von Singer oder Roth, die "historischen" Dokumente und Experimente, der wird schnell merken dass es 1. intensive Arbeit erfordert überhaupt zu verstehen, worum es tatsächlich geht. 2. wird er sehen dass die gesellschaftliche Kunde von dieser Technologie ein pro-Konsum/pro-Unterhaltung einigermaßen verzerrt ist. 3. ist die Aussage über universelle Emotionen nicht einfach so hinzunehmen (Singer und Roth darf man kritisieren und man bekommt auch Schützenhilfe anderer neurologischer Schwergewichte. Und man darf auch durchaus das gesamte Konzept kritisch hinterfragen).

In der Praxis erfolgt dann die Banalisierung. Jemand hört von Microexpressions, klickt in den verzerrten Wikipedia Artikel (man braucht nur mal Gottmans eigene Ausführungen zu recherchieren) und googlet dann herum. Man findet jede Menge Agenturen, die diverse "Trainings" anbieten, meistens von irgendwelchen Sales Buden, wenig sachliche Artikel in der Boulevardpresse und dann eben der ganze homemade Schrott.

Die wissenschaftliche Aussage ist völlig verdeckt.
Die wissenschaftliche und praxisbezogene Legitimation wird von Dritten herbeigeführt, die idR kaum fundiert ist. Bitmunchers Aussage bzgl. der Asperger ist wohl partiell korrekt. Aber das damit beabsichtigte Einhergehen einer Bestätigung ist ähnlich als wenn ich sagen würde "Schlagermusik IST GUTE Musik weil sie von so vielen gehört wird" oder "Rosamunde Pilcher ist GUTE Literatur, weil sie von so vielen gelesen wird".

Nochmal: Ich zweifle nicht an der wissenschaftlichen Seriositaet der Arbeit dahinter.


Dadurch fällt einem eher mal auf wenn der andere lügt, wann ihm etwas unangenehm ist etc.

Völlig richtige Ansätze - aber bevor ich jemandem so etwas anempfehlen würde - würde ich eine Grundsatzfrage aufwerfen. Nämlich warum wir heute scheinbar so ein Bedürfnis nach diesen (eigentlich) üblichen Fähigkeiten haben :) Und wieso es kommt, dass wir diese Fähigkeiten immer weniger haben ;)
 
Völlig richtige Ansätze - aber bevor ich jemandem so etwas anempfehlen würde - würde ich eine Grundsatzfrage aufwerfen. Nämlich warum wir heute scheinbar so ein Bedürfnis nach diesen (eigentlich) üblichen Fähigkeiten haben :) Und wieso es kommt, dass wir diese Fähigkeiten immer weniger haben ;)

Da spielen vermutlich diverse Faktoren eine Rolle. Reizüberflutung, Erziehung, Konditionierung etc.
 
Ich denke, dass es bei vielen auch die eigene Unsicherheit ist.

Wenn man dann durch Serien wie "Lie To Me" suggeriert bekommt damit übermäßig viel über den Gegenüber zu erfahren, weckt das vermutlich bei einigen den Machthunger.

Die meisten wollen zu schnell zu viel.
Ich glaube Chromatins Vergleiche sind da ganz gut.

Man läd sich nicht einfach zwei Tools runter und nennt sich Hacker.
Genauso wenig klimpert man ein paar Monate auf seiner Gitarre und wird danach auf Youtube entdeckt.
Es dauert lange solche Emotionen mit hoher Gewissheit lesen zu können und eine Menge Erfahrung diese dann auch einigermaßen deuten zu können.

Ich erlebe immer wieder Leute die meinen ein Buch über Körpersprache reicht um Menschen durchschauen zu können.
Selbst wenn man eine Karte hat, ist das Gebiet in der Realität anders, das Wetter spielt eine Rolle und natürlich auch die eigene Einstellung (emotional, physisch, etc.).

Den Meisten fehlt da das Durchhaltevermögen sich stetig zu verbessern und neue Erfahrungen zu sammeln.
Manche finden aber ihre Passion in der sie dieses Durchhaltevermögen besitzen und werden dann Hacker, Rocklegenden oder renommierte Wissenschaftler.

Ich denke das Durchhaltevermögen ist der Grund aus dem es nicht jeder lernen kann, auch wenn wir ansonsten vielleicht alle dazu in der Lage wären.
 
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