Wo ist "Cosmos 1"? Nach dem Start der Raumsonde am Dienstagabend haben Meldungen über einen Fehler der Trägerrakete für lange Gesichter bei den Wissenschaftlern der US-amerikanischen Planetary Society gesorgt. "Cosmos 1" war Dienstagabend von der russischen Barentssee aus in Richtung All geschossen worden. Danach fehlte von ihr jedoch jede Spur. Kurz nach dem Start sei ein Fehler an der Rakete, die den Flugkörper in den Orbit hätte befördern sollen, aufgetreten, hieß es aus Moskau. Bei der Rakete "Wolna" habe demnach 83 Sekunden nach dem Start der Antrieb der ersten Stufe ausgesetzt, sagte ein Vertreter der Herstellers Makejew am Mittwoch. Der vier Millionen US-Dollar (3,3 Mio. Euro) teure Raumsegler sei daraufhin wahrscheinlich in der Nähe von Neuseeland abgestürzt.
"Cosmos 1" war um 21.46 MESZ vom russischen Atom-U-Boot "Borisoglebsk" in der Barentssee gestartet. Der Start der Rakete sei normal verlaufen, teilte die Marine mit. Kontakt zu dem Raumsegler bestand allerdings nur für knappe fünf Minuten. Danach verschwand er über der russischen Kamtschatka-Halbinsel von allen Schirmen. "Wir können keinen erfolgreichen Start bestätigen", hieß es danach. Seither hält die Suche nach dem Solar-Segelschiff an.
Mittwochfrüh hieß es dann allerdings, dass die Sonde nach ihrem Verschwinden möglicherweise doch noch Signale an die Bodenstationen gesendet habe. "Wir sind sehr wahrscheinlich in der Erdumlaufbahn", so Bruce Murray von der Planetary Society. "Wir scheinen eine funktionstüchtige Raumsonde zu haben." Allerdings musste die Planetary Society, die den Sonnensegler finanziert hatte, eingestehen, dass sie nicht wisse, wo die Sonde ist. "Wir wissen nicht, wo sich die Raumsonde befindet. Wir haben nichts gehört, und wir wissen nichts", so die Wissenschaftler voller Enttäuschung. Möglicherweise habe "Cosmos 1" auf eine falsche Umlaufbahn im Weltall eingeschwenkt. Da die Bodenkontrolle nicht weiß, wo sich die Raumsonde befindet, kann sie nicht die Antennen für eine Ortung von Signalen positionieren. Die US-Spezialisten hätten wohl "irgendein anderes Geräusch" gehört, vermutete dagegen ein Experte der russischen Raketentruppen in Moskau. "Ausgehend von den jetzt vorliegenden Daten müssen wir zu fast 100 Prozent davon ausgehen, dass der Satellit verloren ist", so der Offizier nach Angaben der Agentur Interfax.
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