Deutsche hadern mit dem Kapitalismus

Hallo,
wie es scheint hat die Wirtschaftskrise tiefgreifende Auswirkungen auf die politische Weltsicht der Bundesbürger. In seiner Online Ausgabe berichtet der Spiegel über eine aktuelle Emnid Umfrage, die belegt das 88% der Bundesbürger eine neue Wirtschaftsordnung wünschen, da sie dem Kapitalismus weder sozialen Ausgleich, Schutz der Umwelt oder verantwortlichen Umgang mit Ressourcen zutrauen. Allerdings sehen die Befragten nicht nur die Verantwortlichen aus Politik & Wirtschaft, sondern auch sich selbst mit kritischen Augen - vier von fünf sind der Ansicht "das jeder seine eigene Lebensweise dahingehend überdenken sollte ob wirtschaftliches Wachstum für ihn alles ist". Freunde, Familie, Gesundheit und Umwelt sind einer großen Mehrheit wichtiger als Geld & Karriere. In dieser neuen Werteordnung sind sich die Deutschen übrigens quer durch alle Schichten einig...
Allerdings müssen unsere Politik & Wirtschaftsbonzen keine Angst vor einer Revolution haben - die Menschen sind eher nachdenklich, als wütend und durchaus der Meinung das sich das bestehende System in die richtige Richtung verändern lässt...

Was soll man dazu noch sagen? Solche Artikel, bzw. Umfragen, bringen meine Ansicht, dass der Durchschnitts-Deutsche egoistisch, denkfaul & träge ist und sich nur für die BILD (ich weigere mich dieses Machwerk als Zeitung zu bezeichnen) und das TV Programm interessiert, nachhaltig ins Wanken...:rolleyes:

Wenn man vor diesem Hintergrund noch an die alte Volksweisheit Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg denkt - so könnte man gleich etwas optimistischer in die Zukunft sehen...:thumb_up:

Was denkt ihr?

Hier der Link zum vollständigen Artikel:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712524,00.html
 
Naja, Nachdenklichkeit ist in diesem Falle eigentlich Apathie.
Sich hinzusetzen und zu sagen, dass man es zwar momentan schlecht findet aber es würde sich schon irgendwie verbessern lassen, interpretiere ich als "Ändern könnte man's, ich lass mich überraschen.".
Das schaut für mich schon nach Denkfäule aus, immerhin habe ich noch keinen neuen Ansatz gesehen obwohl die Meinung vermutlich nicht erst seit der letzten Wirtschaftskrise besteht ;-)
Was ich auch nicht ganz verstehe ist, warum fast alle Deutschen die Mehrung von Geld/Besitz als unwichtig betrachten aber trotzdem extrem viele Deutsche Lotto spielen und grundsätzlich nach höheren Löhnen geifern. Familie und Freunde kann man schließlich auch als Geringverdiener gründen und finden.
 
Klingt, als hätten die Teilnehmer nicht angekreuzt, was sie wirklich denken, sondern was sie meinen, was moralisch richtig wäre zu denken :)

lG
 
Das schaut für mich schon nach Denkfäule aus, immerhin habe ich noch keinen neuen Ansatz gesehen obwohl die Meinung vermutlich nicht erst seit der letzten Wirtschaftskrise besteht ;-)
Das Problem dabei ist, das real umsetzbare neue Ansätze sehr umfangreiche Kenntnisse in Ökonomie, Politik, Finanzwirtschaft, Diplomatie u.a. benötigen. Dieses Wissen haben die wenigsten Menschen. Und es sich in einem vertretbaren Zeitraum anzueignen ist ein Mammutprojekt, wie ich selbst gerade feststellen muss. Dabei bleibt das Privatleben dann ziemlich auf der Strecke. Es sind so viele Zusammenhänge zu bedenken, auf die man bei nur grober Betrachtung der weltwirtschaftlichen Situation kaum kommen würde, dass es für einen Bürger mit durchschnittlichem Bildungsniveau kaum zu erfassen ist.

Familie und Freunde kann man schließlich auch als Geringverdiener gründen und finden.

Bei den Freunden stimme ich dir da sicherlich zu. Eine Familie als Geringverdiener zu gründen bedeutet aber auch, seinen Kindern evtl. diverse Möglichkeiten in der Zukunft zu verwehren. Was macht ein Geringverdiener, der ein hochintelligentes Kind hat und sich keine Privatschulen/Förderschulen leisten kann? Welcher Geringverdiener würde Bildungskredite in Anspruch nehmen, wenn er nicht sicherstellen kann, dass er diese auch zurückzahlen kann? Wie ermöglicht ein Geringverdiener einem technisch interessierten Kind Zugang zu moderner Technik? usw. usf. Eine Familiengründung als Geringverdiener benachteiligt daher in den meisten Fällen die Kinder, wenn man es mit dem Mittelstand oder der Finanzelite vergleicht.

@Brabax: Ja, das denke ich auch. Die Realität zeigt nämlich sehr deutlich, dass den Deutschen an echten Änderungen nichts gelegen ist. Sonst würden sie sich nicht durch Nichtigkeiten wie StreetView-Debatten von den wirklich wichtigen Themen ablenken lassen, sondern sich wesentlich mehr auf relevante Themen fokussieren. Ausserdem unterstelle ich dem Großteil der Bevölkerung einfach mal, dass er die Auswirkungen des Kapitalismus gar nicht richtig erfassen kann, da der Denkrahmen vieler Bürger ausserhalb ihres persönlichen Umfelds endet.
 
Das Problem dabei ist, das real umsetzbare neue Ansätze sehr umfangreiche Kenntnisse in Ökonomie, Politik, Finanzwirtschaft, Diplomatie u.a. benötigen. Dieses Wissen haben die wenigsten Menschen. Und es sich in einem vertretbaren Zeitraum anzueignen ist ein Mammutprojekt, wie ich selbst gerade feststellen muss. Dabei bleibt das Privatleben dann ziemlich auf der Strecke. Es sind so viele Zusammenhänge zu bedenken, auf die man bei nur grober Betrachtung der weltwirtschaftlichen Situation kaum kommen würde, dass es für einen Bürger mit durchschnittlichem Bildungsniveau kaum zu erfassen ist.

Dazu kommt das bestimmte Schlüsselpositionen von Leuten besetzt werden, die gar kein Interesse an Veraenderungen haben. Eine logische Konsequenz von Top-down Systemen.

Allen Anschein nach brauchen wir wohl ein grosses Unglueck, welches viel Zerstoert, was einen "Neuanfang" moeglich macht.

Wenn ich jetzt so nachdenke wird mir die Sache mit der Sintflut ploetzlich viel klarer ;)
 
AcoQ:
Nachdenklichkeit ist in diesem Falle eigentlich Apathie.
Nicht unbedingt. Mir persönlich ist Nachdenklichkeit in jedem Fall deutlich lieber, als blinder Aktionismus. Aber Du hast natürlich insofern recht, dass es nicht beim Nachdenken bleiben darf, sondern das das Denken zu bedachten Handeln führen muss.

AcoQ:
Sich hinzusetzen und zu sagen, dass man es zwar momentan schlecht findet aber es würde sich schon irgendwie verbessern lassen, interpretiere ich als "Ändern könnte man's, ich lass mich überraschen."
Natürlich muss man die weitere Entwicklung abwarten, doch ich denke das es nicht beim sitzenbleiben bleiben wird - immerhin hat sich bereits viel verändert. Man denke nur an die Politik: Das Parteien-System mit zwei großen "Volksparteien" und zwei kleinen "Mehrheitsbeschaffern" ist nach 50 Jahren (die meiste Zeit über waren es sogar nur 3 etablierte Parteien) überholt. Neue Parteien sind entstanden, neue Mehrheiten werden möglich. Nimmt man z. B. die Piratenpartei kommt man nicht umhin zu bemerken das sie für den Wunsch nach einer neuen Politik steht, bei der die Bürger über ein hohes Maß an Mitbestimmung verfügen. Zugegeben, die Piraten kämpfen noch mit sich selbst und werden von vielen belächelt, doch das war bei den Grünen nicht anders. Ich kann mich gut erinnern das sie als "Turnschuh-Partei" verspottet und allgemein für regierungsunfähig gehalten wurden - heute gehören sie jedoch zu den etablierten Parteien, haben bereits einen Vizekanzler gestellt und sind gerade dabei die Liberalen als drittstärkste Kraft zu beerben...

AcoQ:
Das schaut für mich schon nach Denkfäule aus...
Igitt! Ich hoffe die ist nicht ansteckend...:D

AcoQ:
Was ich auch nicht ganz verstehe ist, warum fast alle Deutschen die Mehrung von Geld/Besitz als unwichtig betrachten aber trotzdem extrem viele Deutsche Lotto spielen und grundsätzlich nach höheren Löhnen geifern.
Zum Lotto: Man wird doch wohl noch träumen dürfen. Zu den Löhnen: Das liegt vielleicht daran das unsere Wirtschaft trotz Rekordgewinne (vor der Krise) die Arbeitnehmer kaum am Kuchen beteiligt hat. Afaik ist Deutschland das europäische Land, bei dem die Löhne in den letzten zehn Jahren am wenigsten gewachsen sind...

AcoQ:
Familie und Freunde kann man schließlich auch als Geringverdiener gründen und finden.
Jein. Freunde klar - aber eine Familie gründen ist teuer. Ich habe im Familienkreis den Fall eines jungen Mannes der ausgebildeter Lagerist ist, schon von Natur aus kein besonders gut bezahlter Job, doch nach der Ausbildung wurde er nicht übernommen und arbeitet jetzt seit geraumer Zeit bei einer Zeitarbeitsfirma... Er arbeitet zwar in Vollzeit, aber bei dem was er verdient würden die meisten hier vermutlich in Tränen ausbrechen. Eine "traditionelle" Familie mit Kindern und einer Mutter die sich ganz auf die Erziehung konzentriert (sprich nicht arbeiten geht) kann er sich gar nicht leisten.

Brabax
Klingt, als hätten die Teilnehmer nicht angekreuzt, was sie wirklich denken, sondern was sie meinen, was moralisch richtig wäre zu denken :)
Das ist natürlich immer ein Problem bei Umfragen - man kann den Leuten leider nicht in die Köpfe gucken...

bitmuncher:
Das Problem dabei ist, das real umsetzbare neue Ansätze sehr umfangreiche Kenntnisse in Ökonomie, Politik, Finanzwirtschaft, Diplomatie u.a. benötigen. Dieses Wissen haben die wenigsten Menschen.
Das ist natürlich richtig, doch wenn die Zahlen der Umfrage auch nur annähernd stimmen (und ja, ich weiss das statistische Erhebungen so eine Sache sind), dann hat sich diese Denkweise auch bei vielen Entscheidungsträgern in den Köpfen festgesetzt. Wenn die dann noch Druck von unten kriegen, sei es durch Wahlen oder Protestaktionen, könnte das die Wirtschaftspolitik nachhaltig beeinflussen.

bitmuncher:
Die Realität zeigt nämlich sehr deutlich, dass den Deutschen an echten Änderungen nichts gelegen ist. Sonst würden sie sich nicht durch Nichtigkeiten wie StreetView-Debatten von den wirklich wichtigen Themen ablenken lassen, sondern sich wesentlich mehr auf relevante Themen fokussieren.
Immerhin machen sie sich, trotzt zahlreicher Ablenkungen, Gedanken über unser Wirtschaftssystem. Es gab eine Zeit, gerade nach dem sogenannten Wirtschaftswunder, da waren die Deutschen extrem Kapitalismusgläubig - wenn sie jetzt tatsächlich nicht mehr an die unfehlbaren, selbstheilenden Kräfte des Marktes glauben, sondern sich mehr Kontrolle über die Märkte im allgemeinen & die Wirtschaft im speziellen wünschen, ist das meiner Meinung nach ein bemerkenswerter Wandel.

bitmuncher:
Ausserdem unterstelle ich dem Großteil der Bevölkerung einfach mal, dass er die Auswirkungen des Kapitalismus gar nicht richtig erfassen kann, da der Denkrahmen vieler Bürger ausserhalb ihres persönlichen Umfelds endet.
Immerhin haben die Bürger erkannt das die Wirtschaftskrise eine Folge des zügellosen Kapitalismus war: Liberalisierung der Märkte - also immer weniger staatliche Aufsicht - und skrupellose Profitgier haben in die Krise ausgelöst. Die Menschen haben das durchaus zur Kenntnis genommen, das zeigt sich nicht nur in Umfragen wie dieser, sondern z. B. auch in den Umfragewerten der FDP, die unter Westerwelle ja genau für diese Politik steht: Momentan ist nicht einmal sicher ob sie die 5% Hürde schaffen könnten...

Chromatin:
Dazu kommt das bestimmte Schlüsselpositionen von Leuten besetzt werden, die gar kein Interesse an Veraenderungen haben. Eine logische Konsequenz von Top-down Systemen.
Das ist natürlich wahr - warum sollte man auch etwas verändern, wenn man bereits ganz oben ist? Doch wenn es an der Basis rumort, wackelt immer auch die Spitze...:wink:

Chromatin:
Allen Anschein nach brauchen wir wohl ein grosses Unglueck, welches viel Zerstoert, was einen "Neuanfang" moeglich macht.
Das wäre für radikale Veränderungen nötig, eine völlig andere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung wird es ohne Krisis wohl tatsächlich nicht geben. Doch darum geht es den Leuten laut der Umfrage ja auch gar nicht - sie wollen lediglich das bestehende System zum besseren verändern. Wenn man nicht alle Entwicklungen dem brutalstmöglichen Wettbewerb überlässt, sondern der Wirtschaft klare Rahmenbedingungen setzt, wenn man Fehler der jüngsten Vergangenheit (Stichwort Privatisierung) korrigiert und ganz allgemein mehr Wert auf soziale Politik, als auf Profit legt - dann wird das ein großer Schritt in eine gerechtere, lebenswertere Zukunft sein...

Chromatin:
Wenn ich jetzt so nachdenke wird mir die Sache mit der Sintflut ploetzlich viel klarer ;)
Das blöde mit Unglücken wie der Sintflut ist, das man nicht sicher sein kann das man sie überlebt. Irgendwie doof wenn man die schöne, neue Welt nicht erlebt, weil man zu der großen Masse der Toten gehört...:rolleyes:
 
Man kann die Weltwirtschaft nicht von oben ändern.
Schaut gefälligst in den Spiegel und ändert die Dinge welche ihr selbst und
sofort ändern könnt.
Wenn euch nicht gefällt wie die Energiekonzerne ihren Strom produzieren
dann schaut euch nach Alternativen um.
Schaut mal nach in welche Aktien eure Fonds investieren bevor ihr euch über
das Geschäftsgebaren der Konzerne aufregt. Unter Umständen ist es euer Geld welches
Streubomben produziert und sich "vermehrt", weil irgendwo ein Bürgerkrieg
tobt oder die Umwelt zerstört wird.
Wenn euch die Massentierhaltung nicht zusagt, dann müsst ihr eben mehr
für Nahrungsmittel ausgeben und eventuell sogar euren Konsum einschränken.
Informiert euch wie die Produkte produziert werden, die ihr kauft und wenn
ihr nicht darauf verzichten könnt, dann findet ihr bestimmt eine Organisation,
die den Menschen hilft, die ihr durch euren Kauf ausbeutet.

wichtiger als "Geld und Besitz zu mehren"
Dies ist der Schlüsselsatz in dem ganzen Artikel. Man kann nicht den Status Quo erhalten,
wenn man etwas ändern will. Man wird auf Dinge bewusst verzichten müssen,
damit sich die Produktionsbedingungen ändern. Damit muss jeder bei sich
anfangen.
Die da oben sind eben vorallem wir, die täglich auf Schnäppchenjagd gehen und
unser wohlverdientes Geld zu den besten Konditionen anlegen.

Gruss
 
Man kann die Weltwirtschaft nicht von oben ändern.
Schaut gefälligst in den Spiegel und ändert die Dinge welche ihr selbst und
sofort ändern könnt.
Wenn euch nicht gefällt wie die Energiekonzerne ihren Strom produzieren
dann schaut euch nach Alternativen um.
Schaut mal nach in welche Aktien eure Fonds investieren bevor ihr euch über
das Geschäftsgebaren der Konzerne aufregt. Unter Umständen ist es euer Geld welches
Streubomben produziert und sich "vermehrt", weil irgendwo ein Bürgerkrieg
tobt oder die Umwelt zerstört wird.
Wenn euch die Massentierhaltung nicht zusagt, dann müsst ihr eben mehr
für Nahrungsmittel ausgeben und eventuell sogar euren Konsum einschränken.
Informiert euch wie die Produkte produziert werden, die ihr kauft und wenn
ihr nicht darauf verzichten könnt, dann findet ihr bestimmt eine Organisation,
die den Menschen hilft, die ihr durch euren Kauf ausbeutet.

Word!
Jeder meckert rum, weil das gerade in ist. Aber mal nachdenken, wie er selber durch sein Handeln zu dem Ganzen beiträgt tut keiner.
Massentierhaltung? Nee da bin ich total dagegen! Aber ich kauf trotzdem die Eier die am Billigsten sind. Wo die dann herkommen ist egal - Hauptsache 20ct gespart.
Oder man hat Mitleid mit den armen Kindern die in irgendwelchen Sweatshops ausgebeutet werden und den ganzen Tag nähen müssen für 4 Reiskörner. Aber meine Schuhe müssen trotzdem von Nike sein.
...
 
Man kann die Weltwirtschaft nicht von oben ändern.
Schaut gefälligst in den Spiegel und ändert die Dinge welche ihr selbst und
sofort ändern könnt.

Leider Funktioniert unsere wirtschaftliche Welt nach dem Top-Down Prinzip.

Die Leute hoeren eher mit Rauchen auf, wenn die Preise ins unermessliche steigen.

Die Leute kaufen sich effizientere Autos und fahren weniger weil der Sprit teurer wird.

u.s.w.

Die Leute sind einfach zu traege und zu bloed. Es gibt viele verschiedene, weitaus gerechtere Wirtschaftsmodelle. Darueber gibts tonnenweise Buecher. Deutschland ratifiziert sein Anti-Korruptionsblabla nicht und und und.

Du ueberschaetzt das Volk als Einheit um ein vielfaches. Es ist und bleibt nichts weiter als dummes Konsumvieh.
Der Einzelne nicht - auch nicht in kleinen Gruppen. Aber je mehr es werden .....
 
In Deutschland ist es aber vorallem der Staat welcher die Nanny spielt, und das ist ganz sicher nicht wünschenswert.
Die Benzinpreise sind hier so hoch weil der Großteil daran Steuern sind, die Zigaretten kosten vergleichsweise viel weil 70% des Preises an den Staat gehen - das kann's doch nicht sein.
Gerade bei einer Sucht (und machen wir uns nichts vor, Nikotinsucht begleitet einen durchs Leben und kann nach dem ersten mal immer wieder ausgelöst werden) find ich es moralisch etwas verwerflich wenn der Staat daran kräftig verdient.
Vorallem weil es als Kontrollsteuer gedacht ist welche den Deutschen das Aufhören aufdrängt, was aber heuchlerisch ist wenn man bedenkt dass das Tabakgeld wichtig für den Staatshaushalt ist und deswegen das angebliche Ziel, welches die hohen Steuern haben, eigentlich ein riesiges Loch in den Haushalt reißt und deswegen gar nicht gewünscht werden kann.
 
AcoQ:
In Deutschland ist es aber vorallem der Staat welcher die Nanny spielt, und das ist ganz sicher nicht wünschenswert.
Hm, klingt als würdest Du Dich für eine stärkere Liberalisierung der Wirtschaft aussprechen. Meinst Du wirklich es wäre vorteilhaft für den Verbraucher wenn die Regierung auf Aufsicht, Kontrolle und notfalls auf Intervention in die Märkte verzichtet? Denkst Du eine Liberalisierung der Märkte führt zwangsläufig, gemäß der alten Mär von der unsichtbaren Hand, zu Preissenkungen? Das ist leider falsch.

Beispiel: Liberalisierung der Strommärkte
Im Jahr 1998 wurde der Markt für die Strom- und Gasversorgung in Deutschland liberalisiert. Nachdem zuvor der Telefonmarkt liberalisiert wurde und es zu beachtlichen Preissenkungen kam, erwartete man sich ähnliche Ergebnisse bei den Strompreisen - im Gegensatz zum Telefonmarkt verzichtete die Regierung allerdings auf die Schaffung einer überwachenden Regulierungsbehörde. In den ersten zwei Jahren sanken die Preise tatsächlich in Folge eines drastischen Preiskampfes der verschieden Stromanbieter. Eine weitere Folge des Preiskampfes war das Aus für die vielen kleinen Stromanbieter - es kam zu einer beispiellosen Marktkonsolidierung, mit dem bekannten Ergebnis das der deutsche Strommarkt heute von den vier Giganten Aeon, Vattenfall, RWE und EnBW beherrscht wird.
Nach den anfänglichen Preissenkungen stieg der Strompreis ab dem Jahr 2000 beständig an, im Jahr 2008 hatten wir eine Preissteigerung von 72% seit dem Jahr 1999!
Für diese unglaubliche Kostenexplosion machen die Konzerne übrigens staatliche Abgaben & steigende Ölpreise verantwortlich - Verbraucherverbände, Politiker & Experten sehen das jedoch ganz anders:

Quelle: Stromkosten.de:
Verbraucherverbände und Politiker sehen in den Energieriesen die Hauptpreistreiber, die stets nur die Maximierung des Unternehmensergebnisses vor Augen hätten. Sie führen die jährlich steigenden Rekordgewinne der großen Energieversorger an und vermuten, dass die Preise an der Strombörse manipuliert werden. Künstliche Erhöhungen der Strompreise an der Energiebörse seien aufgrund der geringen Zahl von Marktteilnehmern sehr einfach durchzuführen. Eine entsprechende Untersuchung des Bundeskartellamtes läuft seit Ende letzten Jahres.
Und:
Quelle: Stromkosten.de:
Die EU sieht die Verflechtung von Stromproduktion und –vertrieb, die von den großen Energiekonzernen zwar jeweils in Tochterfirmen ausgelagert wurden, aber dennoch deren Kontrolle unterliegen, als größten Hemmschuh für einen offenen Wettbewerb mit sinkenden Preisen. Nach dem Willen der EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sollen daher die Geschäftsbereiche Produktion und Vertrieb zwangsweise voneinander unabhängig gemacht werden („Unbundling“). Nur wenn das natürliche Monopol der Stromübertragungsnetze in einer Hand ruhe, die nicht am privilegierten Netzzugang einiger Anbieter und an höheren Zugangsschwellen für andere Versorger interessiert sei, werde es einen wirklichen offenen Wettbewerb geben, so die Argumentation.
Vollständiger Artikel:
http://www.stromkosten.de/recht.php5?id_kategorie=30

Der Stand dieses Artikels ist übrigens das Jahr 2008, doch auch jetzt - zwei Jahre später - konnte die Macht der Stromkonzerne noch nicht gebrochen werden, erst vor wenigen Tagen wurde verkündet das das Kartellamt stärkere Waffen brauche um gegen die Preistreiberei auf dem Strommarkt anzukämpfen:
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,711840,00.html

Tja, so ist das mit liberalisierten Märkten - die selbstregulierenden Kräfte der unsichtbaren Hand sind ein Mythos, die Realität dagegen zeigt uns das unregulierte Märkte zur Entstehung von Quasi-Monopolisten führen, die dann mittels Preisabsprachen den Verbraucher, also ihre eigenen Kunden, nach Strich und Faden ausnehmen... Die Bosse der Energie-Konzerne die ihre Kunden mit künstlich erhöhten Strompreisen abzocken, sind übrigens die gleichen Bosse die der Regierung gerade vorschreiben wollen welche Steuern man ihnen auferlegen dürfe und welche nicht... Wirklich zum kotzen.X(

Auch die aktuelle, hoffentlich überstandene, Wirtschaftskrise war eine Folge unkontrollierter Spekulationen auf dem Banken- und Immobilienmarkt. So lange es gut (also profitabel) läuft, schimpfen alle über staatliche Kontrolle & Einmischungen - doch sobald ihre kurzsichtige, von skrupelloser Profitgier getriebene, Firmenpolitik in einer Katastrophe endet, jammern sie nach staatlicher Hilfe... Wie z. B. Josef Ackermann:

Quelle: welt.de
„Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montag und forderte eine Beteiligung des Staates an einer gemeinsamen Rettungsaktion mit Banken und Notenbanken.
Tja, der hat den Aufruf der Energie-Bosse übrigens auch mit unterzeichnet...
 
Die Leute hoeren eher mit Rauchen auf, wenn die Preise ins unermessliche steigen.

Die Leute kaufen sich effizientere Autos und fahren weniger weil der Sprit teurer wird.

u.s.w.

Die Leute sind einfach zu traege und zu bloed. Es gibt viele verschiedene, weitaus gerechtere Wirtschaftsmodelle. Darueber gibts tonnenweise Buecher. Deutschland ratifiziert sein Anti-Korruptionsblabla nicht und und und.

Du ueberschaetzt das Volk als Einheit um ein vielfaches. Es ist und bleibt nichts weiter als dummes Konsumvieh.
Der Einzelne nicht - auch nicht in kleinen Gruppen. Aber je mehr es werden .....

FACK

Leider Funktioniert unsere wirtschaftliche Welt nach dem Top-Down Prinzip.

Nein.
Der Markt wird sich immer auf den Konsumenten einrichten.
Weigern die sich bestimmte Produkte zu kaufen, werden diese nicht mehr
produziert.
Sicher ist dies kein Prozess, der von Heute auf Morgen von statten geht,
aber er ist der einzig umsetzbare. Eine Verordnung von oben würde doch
nur als Angriff auf die freie Marktwirtschaft und als Planwirtschaft angesehen
werden und die entsprechende Regierung wäre keine Legislaturperiode an der
Macht. Denn in den meisten Köpfen lebt immer noch der Gedanke mitmachen
würde ich, aber anfangen müssen die Anderen.
Jede Revolution fängt unten an und wird nicht von oben verordnet, wenn sie
Bestand haben soll. Also betretet den Rasen und ändert die Voraussetzungen
für die Weltwirtschaft. Es ist eure einzige Chance, den einigen werden sich unsere
Politiker nicht können, weil sie wieder gewählt werden wollen und müssen, um
überhaupt etwas zu ändern (siehe Atomausstieg).
Wir, das Volk, sind diejenigen die etwas ändern können
ohne auf Kompromisse angewiesen zu sein, den wir sind nach einem Regierungswechsel
immer noch das Volk. Wir müssen nur mit uns selbst im Reinen sein.

Gruss
 
Nein.
Der Markt wird sich immer auf den Konsumenten einrichten.
Weigern die sich bestimmte Produkte zu kaufen, werden diese nicht mehr
produziert.

Du hast ein ziemlich veraltetes Bild vom "Markt". Wenn dem so wäre, bräuchte es nicht hunderte (oder tausende? hab da den Überblick verloren) subventionierte Produkte. Wenn die Konsumenten etwas nicht mehr kaufen, und es hängen Arbeitsplätze an der Produktion, wird es halt mit Subventionen aus Steuergeldern finanziert.

Jede Revolution fängt unten an und wird nicht von oben verordnet, wenn sie
Bestand haben soll. Also betretet den Rasen und ändert die Voraussetzungen
für die Weltwirtschaft. Es ist eure einzige Chance, den einigen werden sich unsere Politiker nicht können, weil sie wieder gewählt werden wollen und müssen, um überhaupt etwas zu ändern (siehe Atomausstieg).
Der Atomausstieg, der immer weiter nach hinten verschoben wird? Die Machthaber und die diese steuernde Wirtschaft, hat bereits Mittel und Wege gefunden fast alle Formen der Revolution von unten zu unterbinden. Diese Mittel nennen sich Subventionen, Parteiendemokratie, Euro, EU, Lissabon-Vertrag usw.

Wir, das Volk, sind diejenigen die etwas ändern können
ohne auf Kompromisse angewiesen zu sein, den wir sind nach einem Regierungswechsel immer noch das Volk. Wir müssen nur mit uns selbst im Reinen sein.

Wäre schön, wenn das so wäre. Leider sieht die Realität mittlerweile anders aus.
 
Jede Revolution fängt unten an und wird nicht von oben verordnet, wenn sie
Bestand haben soll.

Im Grunde bin ich durchaus geneigt die Recht zu geben. Allerdings trifft eine solche Revolution nicht mehr auf Hau-Ruck Aktionen zu wo alle auf die Strasse gehen.

Eine solche Revolution ginge vermutlich schleichend voran. Neue Werte innerhalb der Familie und des Freundeskreises. Eigene Kinder und damit die Entwicklung neuer Werte. Das wäre eine durchaus fundamentale und moeglicherweise nachhaltige Revolution.
Allerdings habe ich das (un)vergnuegen, das heranwachsen von kleinen Kindern aus naechster Naehe zu sehen. Und es grenzt schon fast an Noetigung wie kleine Kinder von aussen mit SCHEISSE bombardiert werden. Als Elternteil muss man zB nun versuchen eine zarte Pflanze mit neuen Wertigkeiten und anderen Prioritaeten zu saeen und sie hueten und Pflegen. Man ahnt gar nicht wie schnell der mediale Bulldozer das alles zunichte machen kann und die Kinder systematisch verbloedet.
Ich habe alle Muehe selbst im engsten Freundeskreis sowas wie *Lust*
am Hinterfragen der bestehenden Strukturen zu erzeugen.

Leider gilt das utopiche Motto: Werdet bessere Menschen und Ihr kriegt ne bessere Welt.

Realistisch betrachtet erhaelt man vom heutigen Gymnasiasten: Es (X) enthaelt Elektrolyte ;)
 
@Chromatin

Ich gebe dir vollkommen Recht.
Nur sehe ich keinen anderen Weg, um dieses Ziel überhaupt zu erreichen,
denn hier hat Bitmuncher recht, die Weltwirtschaft ist viel zu versponnen
um sich noch durch nationale Gesetze steuern zu lassen.
International sind die Regierungen viel zu sehr darauf bedacht keinem anderen einen
Standortvorteil zu lassen, um national die Legislaturperiode zu überstehen.

So bleibt uns leider nur die Hoffnung, dass der einzelne Mensch nicht verzweifelt
und wenigstens versucht sich wie ein vernunftfähiges Wesen zu verhalten.
Zur Vernunft muss man selbst kommen, die kann nicht per Gesetz verordnet
werden.
Zumindest kann man sagen ich habe es wenigstens versucht.

Gruss
 
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