Dutzende Tote bei Amoklauf

f100d

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16. April 2007
Erst war von einem Toten die Rede. Dann meldete die Polizei, dass mehr als zwanzig Tote zu beklagen seien. Und als es Nachmittag wurde in Amerika, meldete der Fernsehsender Fox, dass mehr als 30 Professoren und Studenten beim schlimmsten Amoklauf in der Geschichte der Vereinigten Staaten am Montag an der Virginia Tech University in Blacksburg im Westen des Bundesstaates Virginia erschossen worden seien.


Weitere mindestens 29 Menschen erlitten Schussverletzungen und wurden in die Krankenhäuser der Umgebung gebracht. Vier der Verletzten befanden sich nach Angaben der Polizei am Abend in kritischem Zustand. Wegen stürmischen Wetters konnten bei der Bergung der Verletzten keine Helikopter eingesetzt werden: Sie mussten in Krankenwagen transportiert werden.


Auch der Amokläufer ist unter den Toten



Nach den bis zum Abend vorliegenden Angaben ist auch der Amokläufer, bei dem es sich nach Angaben von Augenzeugen um einen Studenten asiatischer Herkunft gehandelt haben soll, unter den Toten. Der Täter, der sich nach der Bluttat erschoss, war nach Angaben amerikanischer Fernsehsender mit zwei Handfeuerwaffen des Kalibers neun Millimeter bewaffnet. Zudem führte er mehrere Magazine zusätzlicher Munition mit sich. Ob es sich bei dem Täter um den jungen Mann handelt, der zwischenzeitlich auf dem Rasen vor einem Universitätsgebäude festgenommen und in Handschellen gelegt wurde, blieb unklar. Ungewiss war auch, ob es sich bei dem Täter um einen Studenten handelte.


Wie die Polizei der Technischen Universität berichtete, erschoss der Einzeltäter am Morgen um kurz nach sieben Uhr zunächst in dem Wohnheim ?West Ambler Johnson Hall? einen Studenten und verletzte mehrere weitere Kommilitonen. Knapp drei Stunden später, gegen zehn Uhr, richtete der gleiche Täter, der nach Angaben von Augenzeugen nach seiner Freundin gesucht haben soll, in dem Unterrichtsgebäude ?Norris Hall? der Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät ein Blutbad beispiellosen Ausmaßes an. Die meisten der Opfer wurden in Hörsälen der ?Norris Hall? erschossen. Auf Videofilmen, die Studenten mit ihren Mobiltelefonen vor dem Gebäude aufnahmen und die später von amerikanischen Fernsehsendern ausgestrahlt wurden, waren in kurzen Abständen mehrere Schüsse nacheinander zu hören.


Offenbar unerkannt zum zweiten Tatort gelangt

Polizeibeamte im Einsatz auf dem Campus der Virginia Tech University


Die Hochschule im Westen des Bundesstaates Virginia hatte nach dem ersten Zwischenfall zunächst auf ihrer Website gemeldet, in einem Wohnheim seien Schüsse gefallen. Die Studenten wurden angewiesen, in den Gebäuden zu bleiben und sich von den Fenstern fernzuhalten. Der Campus wurde von der universitätseigenen Polizei und Beamten der Polizei des Bundesstaates abgeriegelt.


Unklar blieb, warum nach dem ersten Zwischenfall nicht alle Vorlesungen und Seminare abgesagt wurden, um dem flüchtigen Amokläufer nicht die Möglichkeit zu geben, mehrere potentielle Opfer in abgeschlossenen Räumen anzutreffen. Dem Täter, der seine Handfeuerwaffen und die zusätzlichen Munitionsmagazine in den Taschen seiner schwarzen Lederjacke verborgen haben soll, gelang es offenbar, unerkannt vom ersten Tatort mehrere hundert Meter über den ausgedehnten Campus zum zweiten Tatort zu gelangen und dort das Feuer auf die in den Hörsälen versammelten Studenten und Professoren zu eröffnen.


?Tragödie monumentalen Ausmaßes?

Ein Verletzter wurde in Sicherheit gebracht


Universitätspräsident Charles Steger bezeichnete das Verbrechen in einer ersten Stellungsnahme als ?Tragödie monumentalen Ausmaßes?. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. Auf der Website der Universität teilte Steger am Abend Einzelheiten mit: ?Gegen 7.15 Uhr ging bei der Universitätspolizei ein 911-Notruf ein, dass etwas in der West Ambler Johnston Hall passiert sei. Es habe mehrere Opfer mit Schusswunden gegeben. Zwei Stunden später - die Ermittlungen liefen - kamen Berichte über Schüsse in Norris Hall. Die Polizei reagierte sofort und barg Verletzte, die in Krankenhäuser gebracht wurden.?


Steger kündigte für diesen Dienstagnachmittag eine erste Zusammenkunft der Universitätsangehörigen im Cassell Coliseum auf dem Gelände der Virginia Tech an: ?Wir müssen zusammenkommmen und sehen, wie wir mit dieser Tragödie fertig werden können.?


Bush spricht Angehörigen sein Beileid aus

Ein Mann wird auf dem Gelände der Universität von der Polizei zu Boden gedrückt. Ob er einer der Täter ist, ist nicht bekannt


Präsident George W. Bush zeigte sich in einer ersten Stellungnahme tief bestürzt über die Tat, sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus und schloss sie in seine Gebete ein. Der Gouverneur des Bundesstaates Virginia, Tim Kaine, brach eine Reise in Japan ab und flog in der Nacht zu Dienstag in die Vereinigten Staaten zurück. Kaine sagte, das Ausmaß der Tragödie sei ?unmöglich zu begreifen?.


In der vergangenen Woche war es auf dem Campus der renommierten Universität, die acht Fakultäten und mehr als 25.000 Studenten hat, mehrfach zu Bombendrohungen gekommen. Ob die Bombendrohungen mit dem Massaker vom Montag in Verbindung standen, war zunächst nicht klar. Schon im August 2006 war die ?VT?-Universität Tatort eines Gewaltverbrechens. Seinerzeit hatte sich ein entflohener Sträfling auf das ausladende Gelände der Universität geflüchtet, auf dem sich auch ein Flugplatz befindet. Der Täter hatte zunächst einen Krankenwärter getötet und bei der Verfolgung auf dem Campus zudem einen Polizisten erschossen.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, AP
Quelle
 

Mackz

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Mal sehen wie lange es dauert bis die Medien wieder die Killerspiel-Argumentation zur Begründung der Tat mißbrauchen. :rolleyes:

Aber mal was anderes, wie kommt es eigentlich, das Tragödien/Unfälle/etc., die in den USA passiert sind, international in den Medien Wellen schlägt, Regierungschefs ihr Mitgefühl bekunden, ausländische Nachrichtensender Sondersendungen bringen usw. aber wenn soetwas in anderen Ländern geschieht (Stichwort: Erfurt) international niemanden so recht kümmert und nur in den nationalen Medien eine Rolle spielt? Sind die Amis was besseres? Sind wir Menschen 2. Klasse? Ich finde diese 2 Maßstäbe, da ständig angelegt werden einfach absolut unangebracht.
 
G

Gulliver

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Ich werde mir schonmal die Rechte an der formulierung "radikaler asiatismus" sichern.

Bald bin ich reich.
 

bitmuncher

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@Mackz: Auch Erfurt war in der internationalen Presse vertreten und auch da kamen z.B. aus den USA diverse Beileidsbekundungen.
 

Voodoo

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Ist eigentlich schon das Motiv für den Amoklauf (ich meine außer den bösen Killerspielen) bekannt? Ich habe da bisher weder in den Nachrichten noch im Netz etwas darüber gehört.

Grundsätzlich wundert es mich aber nicht, dass so etwas gerade in Amerika immer wieder passiert. Was soll man schon erwarten was passiert, wenn die Menschen schon daran gewöhnt sind, im täglichen Leben mit Waffen umzugehen? Ich weiß noch ein Freund hatte mal Besuch aus Amerika, eine Familie mit einem vierzehnjährigen Jungen, der berichtete, wie cool es doch sei, mit den Waffen der Väter in der Gegend rumzuballern.

Von da ist es natürlich auch nicht mehr weit, bis man die Hemmschwelle, auf einen Menschen zu schießen, überwunden hat. Klar ist das jetzt ein wenig pauschalisiert, aber die andauernden Vorfälle in Amerika sprechen ja ihre eigene Sprache darüber.

[Ironie]
Am besten verkauft man dort noch in jedem Supermarkt Handgranaten, dann schafft es der nächste Amokläufer vielleicht, seine Ausbeute zu maximieren, bevor er sich selbst richtet.
[/Ironie]
 
G

Gulliver

Guest
@Voodoo

Ich trainiere auch noch mit schwert und messern..aber deswegen senkt sich meine Hemmschwelle dahingehend nicht leute zu zerhacken ;) Im uebrigen haben auch die computerspielgegner in aehnlicher weise argumentiert.

Abgesehen davon gabs doch solche Typen immer und ueberall. Immer gab es irgendwo nen Typen der ausklingt- das ist kein Privileg der Amis. Geaendert hat sich wohl nur die Tatsache dasz man danach in aller munde ist und die hoehere effizienz der waffen ;)
 

LX

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Original von Gulliver
und die hoehere effizienz der waffen
Genau diese höhere Effizienz ist ja der Punkt, weswegen der Vergleich von Handfeuerwaffen zu Schwertern und Messern hinkt. Wenn du mal den Rappel kriegst, bekommst du mit einem Messer nicht in kurzer Zeit 30 Leute um die Ecke gebracht bevor du mitbekommst, was du da gerade tust und besser deiner Existenz gleich ein Ende setzt, bevor's der Staat tut ;)
 

Serial2305

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Was ich nicht verstehe, ist daß diejenigen immer in Schulen und Universitäten Amok laufen! Es wird ja kaum der Fall sein, daß es jedes seiner Opfer aus seiner Sicht verdient hat.

Also wenn ich das irgendwann mal machen wollen sollte, gehe ich in den Reichstag oder so... ?( :rolleyes:
 

Voodoo

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@ Gulliver:

LX hat ja schon angesprochen, wo der Unterschied zwischen Handfeuerwaffen und Schwertern liegt. Darüber hinaus behaupte ich jetzt einfach mal, dass du Schwert- oder Messerkampf in den meisten Fällen im Rahmen einer Sportart machen wirst, und dort wird einem sehr wohl beigebracht, wie man mit dem Erlernten umzugehen hat, d.h. auch das moralische Gewissen wird mittrainiert.

Und Amerika ist einfach ein Sonderfall, was die Waffengewalt angeht. Klar passiert so etwas auch in anderen Ländern, aber nur dort in diesem Ausmaße, was durch die Gesetzgebung in vielen Staaten auch noch unterstützt wird. Ich habe mal gelesen (keine Ahnung ob die Quelle jetzt wirklich zuverlässig war oder nicht) dass in einem Bundesstatt einmal ein Briefträger von einem Kerl mit einem Schrotgewehr niedergeschossen wurde - wegen unerlaubten Betreten des Grundstücks -, während der Arbeit. Danach gab es dann eine Gerichtsverhandlung, in der der Schütze freigesprochen wurde, weil er ja nur sein Heim verteidigt hat. Wie absurd ist das denn bitte?

Gerade in Amerika herrscht da immer eine gewisse "Cowboy-Mentalität" vor, ob jetzt im privaten Rahmen oder in der Politik.
 

Voodoo

New member
Hier das Gleiche in grün:
http://www.handelsblatt.com/news/Po...fault.aspx/gewehre-toeten-keine-menschen.html

Mein Lieblingssatz aus dem Artikel ist ja folgender:
Alle Schießereien an Schulen, die in den vergangenen zehn Jahren gestoppt werden konnten, wurden dadurch gestoppt, dass jemand eine Waffe hatte.?
Aber wie die Schießereien denn entstanden sind, ist wahrscheinlich etwas völlig anderes. Da handelt es sich nicht um Waffen, sondern um "Waffen, die für einen illegalen Zweck benutzt werden".

Genau das habe ich mit der Cowboy-Mentalität oben gemeint. Davon kommt man wahrscheinlich erst runter, wenn man selber Angehörige durch so einen sinnlosen Mist verloren hat.
 
F

fetzer

Guest
Hmm ich denke, der Fall ist hier ziehmlich eindeutig. Das Waffengesetz in Virginia sagt sogar, dass es die Pflicht jedes Bürgers ist, eine Waffe zu besitzen. Ab 18 ist der Waffenbesitz ohne Schein für Revolver, Shutguns und Kleinkalibrige Gewehre erlaubt und sogar erwünscht. Wenn mal einer austickt ( und ich denke, da reicht bei manchen Studenten oft einfach nur Frustration... ), dann wird das eben so ausarten. Was soll man sagen: Selbst Schuld und Glück, dass nicht noch schlimmeres passiert ist. Solange sich keiner dagegen wirklich wehrt und solche Gesetze nicht in den Müll wandern habe ich kein Mitleid mit den Leuten. Michael Moore hat es öffentlich vorgemacht, das hätte gut zu Größerem führen können. Aber wer hat mitgemacht? Kaum einer.... und jetzt hat man den Schaden.

Wer jetzt anfängt mit Killerspielen zeigt meiner Meinung nach nur seine Inkompetenz in der Politik.

Ich bin mal auf weitere Aktivitäten gespannt. Vor allem von amerikanischen Politikern...

/edit:
?weau:
Ich habs schon innem IRC Chan gesagt:
Man sollte die Leute an die Wand stellen und mit ihren eigenen Waffen erschiessen, bevor diese verschrottet werden. Ich weiss, das is ne krasse Meinung.
/
 

Voodoo

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Original von fetzer
Ich bin mal auf weitere Aktivitäten gespannt. Vor allem von amerikanischen Politikern...
Es wurde ja bereits von der amerikanischen Regierung deutlich gemacht, dass am bestehenden Waffengesetz nichts geändert wird. Zumindest war das heute in den Abendnachrichten noch Stand der Dinge.

Original von fetzer
Man sollte die Leute an die Wand stellen und mit ihren eigenen Waffen erschiessen, bevor diese verschrottet werden. Ich weiss, das is ne krasse Meinung.
/
Und mit solchen "krassen Meinungen" bitte ein wenig Vorsicht walten lassen. Ein wenig provokativ gerne, aber das schießt jetzt doch ein wenig über ein gesundes Maß hinaus, finde ich.
 
F

fetzer

Guest
Original von Voodoo
Es wurde ja bereits von der amerikanischen Regierung deutlich gemacht, dass am bestehenden Waffengesetz nichts geändert wird. Zumindest war das heute in den Abendnachrichten noch Stand der Dinge.
Schon klar. Allerdings gibt es ja auch andere Punkte, die diskussionswürdig sind, beispielsweise warum der Schüler diese Tat begangen hat. Voreilige Meinungen wie die von Bush würde ich jetzt mal beiseite lassen, in 2 Wochen hat die jeder wieder vergessen. Das ist nur Medienrummel um den Präsidenten, der unbedingt ein Statement abgeben muss.

Original von fetzer
Und mit solchen "krassen Meinungen" bitte ein wenig Vorsicht walten lassen. Ein wenig provokativ gerne, aber das schießt jetzt doch ein wenig über ein gesundes Maß hinaus, finde ich.
Ok.. hast Recht. Ich halte mich da mal etwas zurück. Bei solchen Beiträgen von Leuten, die sich Volksvertreter schimpfen platzt mir manchmal der Kragen.
 

t3rr0r.bYt3

New member
zu dem gedanken, jeder solle eine waffe tragen, um sich wehren zu können:

ich hab letztens einen netten artikel darüber gelesen, und da wurden auch quer durch alle alters- & sozial-schichten durch leute interviewt. alle, die dafür waren, dass jeder ständig ne waffe bei sich trägt, haben das mit folgender begründung getan: "die bad guys haben ja sowieso waffen, egal ob gesetzlich erlaubt, oder nicht".

das sagt doch schonmal einiges über die sichtweise auf die (potentiellen) amokläufer aus - die laufen amok, um des amoklaufens willen !!1!

ich denke, das bedarf keines weiteren kommentars..
 

Upuaut

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Das Ganze erinnert mich doch sehr an den Amoklauf an der Columbine... Sowohl die Sache an sich als auch die Reaktionen.

(Insbesondere natürlich 2Bios' Aussage)
 

LX

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Original von 2Bios
Er hörte Marilyn Manson
Prinzipiell ist die Aussage ja nicht so wild, hier wurde nur Ursache und Wirkung vertauscht. Wer Manson hört, hatte auch vorher schon einen Knall :D

</provokation>
 
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