open Hardware (Diskussion)

Hallo Leute!

Ich habe heute einen Artikel gelesen auf heise.de/newsticker/meldung/Chumby-Entwickler-baut-Open-Source-Laptop-1770642.html

und ich muss sagen, dass ich ausgesprochen fasziniert bin von dem Gedanken open Hardware.

Jetzt wollte ich mal eine kleine Diskussion starten und euch fragen was ihr davon haltet, hat jemand von euch sowas? oder beabsichtigt sich sowas zu holen ?
 
Halte es für eine klasse Idee, die sich auf dem Markt nicht durchsetzen wird, da soetwas so gut wie niemand braucht.

Man könnte es über den Preis platzieren, aber das ist ja ausdrücklich nicht beabsichtigt. Wer soll sich also sowas kaufen? Nur leute die sich ernsthaft für Experimente mit der Hardware interessieren, es aber nicht beruflich machen und nicht studieren. Die ganzen beschriebenen Gimmicks findet man sicherlich billiger als Einzelgerät. Da finden sich vielleicht drölfzig Menschen auf der Welt, die sich ein völlig überteuertes, realtiv Leistungsschwaches Netbook dieser Art kaufen würden.
 
Dass sich Open-Hardware auf dem Markt nicht platzieren kann, sollte spätestens seit OpenMoko & Co. klar sein. Sicherlich gibt es ausreichend Freaks um Stückzahlen von 10.000 Stück über den Ladentisch gehen zu lassen, aber mit vergleichbarer kommerzieller Hardware kann sie sich nicht messen. Die Entwicklungszeiten sind einfach zu lang und da nur Bastler daran rumschrauben, die (wie im OpenSource-Bereich üblich) nur ihre eignen Anforderungen bei der Entwicklung im Kopf haben, entstehen daraus zumeist nur Bastel-Systeme. Was anständiges wird erfahrungsgemäss erst draus, wenn ein user-orientiertes, kommerzielles Unternehmen die Sache übernimmt.

Insofern: Ja, Open-Hardware ist faszinierend für Leute, die gern basteln oder sehr spezielle Anforderungen an ihre Geräte haben und diese selbst umsetzen wollen. Sie ist aber für den Markt total irrelevant.
 
Mir gehts hier eher um die Tatsache, dass Hardware Hersteller nicht nur ein mal Backdoors eingebaut hatten in ihre Sachen und mit open Hardware, hätte man eine gute Option.
 
Mir gehts hier eher um die Tatsache, dass Hardware Hersteller nicht nur ein mal Backdoors eingebaut hatten in ihre Sachen und mit open Hardware, hätte man eine gute Option.

Die Backdoors waren nie in der Hardware, sondern in zugehörigen Treibern und Steuerungssoftware. Backdoors in Hardware sind viel zu leicht zu finden. Daher wird dir Open-Hardware da keine Vorteile bringen und bei der Qualität von OSS bringen dir nicht einmal offene Treiber Vorteile, wie man an den ständigen Sicherheitsproblemen im Linux-Kernel sehen kann (wo in der Vergangenheit auch bereits Backdoors eingeschleust wurden). Open != Secure.
 
Das Problem ist, dass einfach unfassbar viel Entwicklungsarbeit in jedem Chip, jedem Board, ja jedem Bauteil steckt. Selbst Kondensatoren sind komplizierter in der Umsetzung als man denken mag. Ich durfte mir einmal ein integriertes Hochfrequenz-Bauteil auf Softwareebene zusammenklicken. Allein der theoretische Entwurf der Schaltung findet auf verschiedenen Ebenen, von denen ich nur eine gesehen habe, statt. Als "Halblaie" habe ich >12std für eine sehr sehr einfache Schaltung unter vereinfachten Bedingungen (z.b. Zimmertemperatur, schwankungsfreie Energiequelle, konstante, wohldefinierte Frequenz etc.) gebraucht. Völlig unvorstellbar was da erst an Arbeit für einen kompletten Chip drinstecken wird. Und mit jeder Neuentwicklung werden die Schaltpläne komplexer.

Welcher Irre legt seine, über viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte, gewachsene Arbeit offen? Vorallem, wenn ihm diese Arbeit einen Marktanteil sichert, da die Anderen andere Konzepte verfolgen. Der tatsächliche physikalische Bau ist eher schon eine Routineangelegenheit, die standartisiert und automatisiert abläuft. In der Entwicklung steckt die Arbeit und wenn die erstmal offengelegt ist, kann jeder es problemlos kopieren. Deshalb würde nur minderwertige Ware quelloffen auf den Markt kommen. Die kauft man dann wirklich nur, wenn sie halbwegs günstig ist.

Ich hätte ja auch gerne mal Schaltpläne zu meinen Elektrogeräten. Es ist ärgerlich, wenn du ein kaputtes Gerät reparieren könntest, aber der Schaltplan fehlt. Natürlich kann ich aber die Firmen verstehen, wenn sie gerade sowas nicht rausgeben.

Ich wäre übrigens tatsächlich einer der 10.000 Freaks die sich sowas kaufen würden - aber maximal zum üblichen 350€ Preis eines Netbooks.
 
Welcher Irre legt seine, über viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte, gewachsene Arbeit offen?

Ohne solche Irre haetten wir kein Internet...

Ich kenne diese Haltung, die wird auch von der WIPO vertreten und ist der Meinung, dass der Wettbewerb - also auch Kreativitaet - gerade durch geschlossene Bereiche - also Patente - gefördert wird. Die Idee des Schutzes geistigen Eigentums ist nicht neu, aber die Industriealisierung der Wissenschaft hat für viele Bereiche völlig unrealistische Markteintrittsbarrieren geschaffen.

Jedenfalls.. das ist nicht die einzige Möglichkeit, mit Technik Geld zu verdienen...
 
Das ist eine ganz andere Diskussion. Schutz von geistigem Eigentum ist etwas leicht anderes. Hier geht es nicht um Patente. Man kann nur etwas grundsätzlich Neues patentieren. Aber man kann eine Schaltung auf unterschiedliche Arten aufbauen. Wir wissen z.B. alle, wie ein Prozessor funktioniert. Dennoch gibt es verschiedene praktische Umsetzungen gleicher Konzepte - mit sehr unterschiedlicher Qualität.
Z.B. spielt es eine große Rolle, dass jede Leitung in der hochintegrierten Schaltung gewisse Streukapazitäten hat, die sich bei diesen Größenordnungen fatal auswirken. Man muss schon ganz gut überlegen, wie man die Leitungen verlegt um Platz zu sparen und gleichzeitig Verluste in Qualität und Quantität zu vermeiden. Wenn du einen Durchbruchstrom verhindern willst und einen guten Isolator einsetzt, dann hast du plötzlich ein sehr starkes Feld. Andere Themen wären etwa Abwärme, Integration von Analogen Bauelementen oder integrierte Hardware-Algorithmen. Das sind alles Dinge deren Lösungen mehr oder weniger bekannt sind. Wie gut man es dann aber in der Praxis umsetzt entscheidet darüber, welche Qualität deine Hardware hinterher hat. Das offenzulegen führt nicht etwa zu besserer Hardware, neuen Konzepten o.Ä., sondern schlicht zu exakten Nachbauten, die nichts weiter tun, als den Preis extrem zu drücken und Neuentwicklungen unattraktiv zu machen, da diese, wie gesagt, mit enorm viel Aufwand, und damit auch Kosten, verbunden sind.
 
Man kann nur etwas grundsätzlich Neues patentieren.

Die populären Beispiele zeigen leider, dass es, zumindest bei der Abteilung Geschmacksmuster, doch anders geht und letztlich ist es eine Frage der Formulierung und der Geschicklichkeit des einreichenden Anwalts und ob eine Technologie schonmal dem Patentamt vorgelegt worden ist.

Whatever... ganz so simpel ists jedenfalls (leider) nicht.

Ich spreche auch nicht unbedingt von Patenten, sondern von der grundlegenden Offenlegung von Technologie. Patent hin oder her, die Herstellung einer CPU ist mit Kosten verbunden und setzt ein hohes Mass eines sehr speziellen Know-Hows voraus.

Aber unabhängig davon ist durch eine Offenlegung mehrer Komponenten - und vor allen durch offene Schnittstellen und freie Dokumentation eine modulare Entwicklung denkbar, wo Dritte aus einer Fülle offener Hardwareteile Boards entwickeln können und bei der Wahl der Komponenten frei wären von Lizenzkosten und Knebelverträgen. Daraus könnten sehr günstige Laptops/Tablets für einen bestimmten Markt realisiert werden. Oder es könnten sich, gerade in den Entwicklungsländern, eigene kleine Märkte für die Herstellung günstiger Geräte entwickeln -> 100 $ Laptops.

Bisher haben etablierte Hersteller wenig Interesse daran, dass sich solche Märkte entwickeln.
 
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