Wirklich große Demos habe ich zu dem Thema noch nicht erlebt, mit Ausnahme vom letzten September in Berlin mit ~15k Teilnehmern (war allerdings nicht dabei). Aber das ist eine Ausnahme, die meisten Demos jenseits von Berlin kommen kaum über die 1000er-Marke. Eine Demo mit ein paar Hundert Leuten findet fast jede Woche in größeren Städten statt, weswegen es auch kein besonders großes Spektakel für die Medien ist. Das wird dann irgendwo im Lokalteil mal erwähnt, zwischen dem Bericht von der jährlichen Sitzung des Karnickelzüchtervereins und einem Artikel über die peinliche Tanzdarbietung einer Grundschulklasse. Was auf der Titelseite landet, sind natürlich nur Demos mit richtig vielen Teilnehmern (da müssen es schon mehrere Zehntausend sein) und solche, bei denen es zu Ausschreitungen kommt.Original von detrexer
Ich glaube wenn wir Erfolg haben wollen müssen wir das tun was die Regierung nicht tut: Informieren!
Große Demos, Hasstriaden auf die Verursacher, etc... brignen uns nichts wenn die Bild Lesende Maße und Technischen Voll Noobs an den AntiTerrorStaat glauben.
Wenn wir es schaffen diesen Menschen die Situation zu vermitteln, ist die Warscheinlichkeit das die Gesetzt umgesetzt werden viel geringer und es wird vielmehr ins Bewusstsein der Leute gerückt sien was weiteres Fortschreiten verhindert.
Wie könnten wir das erreichen? Die CCC_Datenschleuder versucht dies schon, erreicht aber leider nur solche Leute die es eh schon wissen.
Wenn wir die Mainstream Medien erreichen würden wäre dies ein wirklicher Fortschritt!
Die Massenmedien erreichen wir ja, aber nur punktuell. Da gibt es mal einen Bericht über die Sache mit Schäubles Fingerabdrücken oder den Wahlcomputer-Hack. Und das war es dann auch. Da muss mehr passieren, viel mehr.
Deine Idee, zu informieren, ist gut und wichtig. Ich denke allerdings, dass wir ein großes Problem haben: Die Überalterung der Gesellschaft. Allein die Altersgruppe 45+ macht 38 Mio Einwohner aus (laut destatis 2006).
Worin unterscheiden sich in diesem Land Menschen, die vor 45+ Jahren geboren sind, von den jüngeren Einwohnern?
1. Sie sind Zeitzeugen des RAF-Terrorismus. Das heißt: Sie sind aufgewachsen mit dem Gefühl, dass ein repressiver Staat ein sicherer, ein guter Staat sei. Sie haben Angst vor Terrorismus, weil sie ihn selbst noch erlebt haben. Und das veranlasst mE viele, neue "Sicherheits"-Gesetze gutzuheißen, denn "damals hat das ja auch was gebracht".
2. Sie sind Zeitzeugen des Kalten Krieges. Bei äußerer Bedrohung kann es sich ein Staat nicht leisten, auch noch gegen Subversive im eigenen Land vorzugehen, und übt sich deshalb in Repression und Medienmanipulation. Wer damit aufgewachsen ist, ist schlichtweg daran gewöhnt.
3. Sie sind in einem Land aufgewachsen, das zwar schon vor der Wende massive Probleme mit Immigration und Integration von Ausländern hatte, aber diese Probleme immer hübsch totgeschwiegen hat. Heute geht das nicht mehr, zumal die ganze Ära Kohl über schlichtweg gar keine Integrationspolitik betrieben wurde und das rächt sich heute. Die meisten älteren Menschen wissen nix vom Islam, kommen viel zu wenig mit Ausländern in Berührung und wenn, dann wissen sie mit ihnen nicht umzugehen und sagen dann bequemerweise: Sollen DIE sich doch integrieren. Das Problem, das daraus resultiert, ist nicht nur ein rassistisches. Diese Angst vor fremden Kulturen macht es auch möglich, dass viele Menschen von dem Feinbild des "bombenlegenden Muselmanns aus Nahost" überzeugt sind. Und solange die Menschen vor diesem Feindbild Angst haben, kann die Regierung auch ohne großen Widerstand neue "Sicherheits"-Gesetze einführen.
4. Sie sind erst recht spät mit IT in Berührung gekommen. Der PC eroberte ja erst in den 80ern, 90ern Alltag und Beruf. Die meisten älteren Menschen wissen deshalb gar nicht, was in dem Bereich so alles möglich und wie sensibel ihre eigene Privatsphäre da ist. Und es interessiert sie auch nicht - sie wollen nicht wissen, wie etwas funktioniert, solange es funktioniert.
Ich will damit nicht sagen, dass alle älteren Menschen dumme, desinteressierte Mitläufer wären. Das stimmt keineswegs, zumal es in dieser Altersgruppe ja auch so einige aktive Bürgerrechtler und Datenschützer gibt. Aber ich denke, die meisten dieser Altersgruppe sind einfach zu bequem, sich in Neues hineinzudenken. Die Welt nach dem Fall der Sowjetunion hat sich ganz schön verändert, und ich glaube, die meisten älteren Menschen kommen damit nicht klar, sie verlieren ihre Identitäten und halten deshalb lieber an dem fest, was sie kennen: einem repressiven, starken Staat, der der aktuellen Politik schädlichen Meinungen nicht zulässt und alles unter Kontrolle haben will.
Und deshalb wird es verdammt schwer, diese Leute zu erreichen.
Allerdings hat diese Altersgruppe das nicht für sich gepachtet, ich beobachte solche Tendenzen auch in meiner Altersgruppe (20-30 Jahre). Für diese Gruppe trifft allerdings 4. nicht zu, 1. nur so halb (11. September). Und sie hat andere Beweggründe, sich für unsere Sache nicht zu interessieren. Es ist zum Beispiel relativ schwer geworden, heute noch eine ausreichend gut bezahlte, sichere Anstellung zu bekommen. Da ist dann auch ein Job in Ordnung, wo der Chef einem hinterherspitzelt. Wie sagte Brecht? Erst das Fressen, dann die Moral.
Ob man diese Leute belehren kann? Ich weiß es nicht. Bei den Älteren wird es auf jeden Fall schwerer sein als bei den Jüngeren. Es mag sein, dass manche auf unsere Informationsversuche anspringen, zumal es ja diesen Sommer leider so einige große Datenschutzskandale gab, die auch Desinteressierten die Augen hätten öffnen müssen.
Ich denke aber, dass unsere Bewegung aus Datenschützern und Bürgerrechtlern niemals eine große Bewegung sein wird. Das ist für mich kein Problem, weil ich weiß, dass auch Minderheiten etwas bewegen können, wenn sie ihr Ziel nur hartnäckig genug verfolgen. Ich bin einer der wenigen Studenten in Hessen, die gegen Studiengebühren auf die Straße gegangen sind. Den meisten Kommilitonen (ich schätze mal über 90%) war es egal oder sie hatten Angst. Nicht mal eine Partei stand anfangs hinter uns. Aber wir haben mächtig Dampf gemacht, damit wir Medienpräsenz kriegen, damit die Sache Wahlkampfthema wird. Und so haben wir unser Ziel erreicht =)
Leider legt die Anti-Überwachungsstaat-Bewegung diese Hartnäckigkeit noch nicht an den Tag. Die meisten Aktivisten verkriechen sich IMHO zu viel vor dem Computer, aber wenn man Politik machen will, muss man auf die Straße gehen und in die Parlamente. Die Gründung der Piratenpartei ist zu letzterem ja schonmal ein guter Schritt, aber allein dabei darf es nicht bleiben.