Brabax
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Der Softwareriese Microsoft hat in den USA sechs weitere Kartellklagen wegen überhöhter Windows-Preise außergerichtlich regeln können. Die juristischen Querelen sind für die Redmonder damit jedoch noch längst nicht vorbei.
Nun also auch Kansas, North Carolina, North Dakota, South Dakota, Tennessee und Washington, D.C. Nachdem sich der Software-Riese Microsoft bereits aus Kartell-Streitigkeiten in zahlreichen anderen US-Bundesstaaten freikaufen konnte, darf Bill Gates' Ober-Justitiar Brad Smith sechs weitere Antitrust-Sammelklagen von Microsoft-Kunden ad acta legen. Der Vorwurf war wie gehabt: Microsoft habe seine Quasi-Monopolstellung ausgenutzt, um Kunden zu viel für sein Betriebssystem Windows abzuknöpfen.
200 Millionen US-Dollar sollen Microsoft die neuesten außergerichtlichen Einigungen kosten - für ein Unternehmen, das einen Quartalsgewinn von 2,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet, sind das nur Peanuts. Nach Kansas etwa wird man 32 Millionen US-Dollar in Form von Soft- und Hardware-Gutscheinen überweisen, nach North Dakota neun Millionen. Damit ist Microsoft noch glimpflich davongekommen. Außergerichtliche Beilegungen ähnlicher Sammelklagen Anfang des Jahres in Florida und Kalifornien sollten Microsoft deutlich teurer zu stehen kommen: Alleine in Florida muss man über 200 Millionen Dollar für Software-Coupons aufwenden; in Kalifornien erklärten sich die Redmonder im Januar zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar an insgesamt rund 13 Millionen Unternehmen und Privatkunden bereit.
Kaum verwunderlich, feiert man in Redmond die letzten sechs Einigungen als großen Erfolg. "Wir machen wichtige Fortschritte dabei, die zahlreichen gegen uns vorgebrachten Klagen aus der Welt zu schaffen", freute sich Smith am Dienstag in einer Telefonkonferenz.
Microsoft schließt Vergleich um Vergleich
In der Tat sieht es für das Unternehmen immer besser aus. Seit US-Bundesrichter Thomas Penfield Jackson im Laufe des Kartellverfahrens der US-Regierung und 19 US-Bundesstaaten 1999 festgestellt hatte, dass die Redmonder in diversen Punkten gegen Antitrust-Gesetze verstoßen haben, sind Microsoft-Justitiar Tom Burt zufolge über 200 Sammelklagen von privaten Windows-Nutzern und Unternehmen wegen "Overcharging" erhoben worden. Davon sind zwischenzeitlich bis auf fünf Klagen in den Bundesstaaten Arizona, Iowa, Minnesota, New Mexico und Wisonsin und zwei Kartellklagen von Erzrivale Sun Microsystems und der Multimedia-Softwareschmiede Burst.com alle getilgt.
Über 100 "Overcharge"-Klagen sind gemäß Burt vor US-Bundesrichter Frederick Motz in Baltimore - bei dem zahlreiche dieser Fälle zusammengefasst wurden - beigelegt worden. Gut 50 Sammelklagen waren von US-Gerichten abgeschmettert und zahlreiche Klagen eingeschränkt worden, vor allem da die Kunden die Software nicht direkt von Microsoft, sondern von Zwischenhändlern erworben hatten. 21 Klagen sollen freiwillig zurückgezogen worden sein. In "State Courts" konnten mit den zurückliegenden sechs Fällen insgesamt 17 Sammelklagen wegen überhöhten Windows-Preisen beigelegt werden - diese Einigungen dürften Microsoft insgesamt 1,55 Milliarden US-Dollar kosten.
Auch wenn es Microsoft-Sprecherin Stacy Drake "beeindruckend" findet, in so kurzer Zeit nahezu 200 Antitrust-Klagen beigelegt zu haben, halten die kartellrechtlichen Querelen für Microsoft an. Am 4. November beginnt in Washington die Berufungsverhandlung gegen den fast genau vor einem Jahr von Bundesrichterin Colleen Kollar-Kotelly genehmigten Vergleich im über vier Jahre andauernden Microsoft-Antitrust-Prozess des US-Justizministerium und 19 US-Bundesstaaten.
Kaum eine Chance, gegen den Giganten zu gewinnen
Von den neun Staaten, die den von der US-Regierung als "historischen Kompromiss" gepriesenen Vergleich noch vergangenes Jahr anfechten wollten und schärfere Auflagen gegen Microsoft forderten, ist allerdings nur noch Massachusetts übrig geblieben. Zuletzt hatte West Virginia im Juni nach einer außergerichtlichen Einigung mit Microsoft entschieden, sich nicht mehr an der Berufung zu beteiligen. "So ein jahrelanger Prozess ist sehr teuer und zermürbend, zudem sind die Erfolgsaussichten mager, gleichzeitig juristisch gegen den Giganten Microsoft und das Justizministeriums anzutreten", erklärt Bob Lande, Direktor des American Antitrust Institute in Washington.
Immerhin gewähren die beiden Interessenverbände Software and Information Industry Association (SIIA) und die Computer and Communications Industry Association (CCIA) - denen vor allem Microsoft-Konkurrenten angehören - dem US-Ostküstenstaat juristische Schützenhilfe und beteiligen sich an der Berufungsverhandlung. Kartellrechtsexperten wie Lande sehen jedoch nur minimale Chancen, dass dadurch der Vergleich noch einmal ins Wanken geraten könnte.
[QUELLE]
Nun also auch Kansas, North Carolina, North Dakota, South Dakota, Tennessee und Washington, D.C. Nachdem sich der Software-Riese Microsoft bereits aus Kartell-Streitigkeiten in zahlreichen anderen US-Bundesstaaten freikaufen konnte, darf Bill Gates' Ober-Justitiar Brad Smith sechs weitere Antitrust-Sammelklagen von Microsoft-Kunden ad acta legen. Der Vorwurf war wie gehabt: Microsoft habe seine Quasi-Monopolstellung ausgenutzt, um Kunden zu viel für sein Betriebssystem Windows abzuknöpfen.
200 Millionen US-Dollar sollen Microsoft die neuesten außergerichtlichen Einigungen kosten - für ein Unternehmen, das einen Quartalsgewinn von 2,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet, sind das nur Peanuts. Nach Kansas etwa wird man 32 Millionen US-Dollar in Form von Soft- und Hardware-Gutscheinen überweisen, nach North Dakota neun Millionen. Damit ist Microsoft noch glimpflich davongekommen. Außergerichtliche Beilegungen ähnlicher Sammelklagen Anfang des Jahres in Florida und Kalifornien sollten Microsoft deutlich teurer zu stehen kommen: Alleine in Florida muss man über 200 Millionen Dollar für Software-Coupons aufwenden; in Kalifornien erklärten sich die Redmonder im Januar zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar an insgesamt rund 13 Millionen Unternehmen und Privatkunden bereit.
Kaum verwunderlich, feiert man in Redmond die letzten sechs Einigungen als großen Erfolg. "Wir machen wichtige Fortschritte dabei, die zahlreichen gegen uns vorgebrachten Klagen aus der Welt zu schaffen", freute sich Smith am Dienstag in einer Telefonkonferenz.
Microsoft schließt Vergleich um Vergleich
In der Tat sieht es für das Unternehmen immer besser aus. Seit US-Bundesrichter Thomas Penfield Jackson im Laufe des Kartellverfahrens der US-Regierung und 19 US-Bundesstaaten 1999 festgestellt hatte, dass die Redmonder in diversen Punkten gegen Antitrust-Gesetze verstoßen haben, sind Microsoft-Justitiar Tom Burt zufolge über 200 Sammelklagen von privaten Windows-Nutzern und Unternehmen wegen "Overcharging" erhoben worden. Davon sind zwischenzeitlich bis auf fünf Klagen in den Bundesstaaten Arizona, Iowa, Minnesota, New Mexico und Wisonsin und zwei Kartellklagen von Erzrivale Sun Microsystems und der Multimedia-Softwareschmiede Burst.com alle getilgt.
Über 100 "Overcharge"-Klagen sind gemäß Burt vor US-Bundesrichter Frederick Motz in Baltimore - bei dem zahlreiche dieser Fälle zusammengefasst wurden - beigelegt worden. Gut 50 Sammelklagen waren von US-Gerichten abgeschmettert und zahlreiche Klagen eingeschränkt worden, vor allem da die Kunden die Software nicht direkt von Microsoft, sondern von Zwischenhändlern erworben hatten. 21 Klagen sollen freiwillig zurückgezogen worden sein. In "State Courts" konnten mit den zurückliegenden sechs Fällen insgesamt 17 Sammelklagen wegen überhöhten Windows-Preisen beigelegt werden - diese Einigungen dürften Microsoft insgesamt 1,55 Milliarden US-Dollar kosten.
Auch wenn es Microsoft-Sprecherin Stacy Drake "beeindruckend" findet, in so kurzer Zeit nahezu 200 Antitrust-Klagen beigelegt zu haben, halten die kartellrechtlichen Querelen für Microsoft an. Am 4. November beginnt in Washington die Berufungsverhandlung gegen den fast genau vor einem Jahr von Bundesrichterin Colleen Kollar-Kotelly genehmigten Vergleich im über vier Jahre andauernden Microsoft-Antitrust-Prozess des US-Justizministerium und 19 US-Bundesstaaten.
Kaum eine Chance, gegen den Giganten zu gewinnen
Von den neun Staaten, die den von der US-Regierung als "historischen Kompromiss" gepriesenen Vergleich noch vergangenes Jahr anfechten wollten und schärfere Auflagen gegen Microsoft forderten, ist allerdings nur noch Massachusetts übrig geblieben. Zuletzt hatte West Virginia im Juni nach einer außergerichtlichen Einigung mit Microsoft entschieden, sich nicht mehr an der Berufung zu beteiligen. "So ein jahrelanger Prozess ist sehr teuer und zermürbend, zudem sind die Erfolgsaussichten mager, gleichzeitig juristisch gegen den Giganten Microsoft und das Justizministeriums anzutreten", erklärt Bob Lande, Direktor des American Antitrust Institute in Washington.
Immerhin gewähren die beiden Interessenverbände Software and Information Industry Association (SIIA) und die Computer and Communications Industry Association (CCIA) - denen vor allem Microsoft-Konkurrenten angehören - dem US-Ostküstenstaat juristische Schützenhilfe und beteiligen sich an der Berufungsverhandlung. Kartellrechtsexperten wie Lande sehen jedoch nur minimale Chancen, dass dadurch der Vergleich noch einmal ins Wanken geraten könnte.
[QUELLE]