Smartphone-Wahl... how about FairPhone?!

beavisbee

Member of Honour
Hi,

bin gerade auf der Suche nach einem neuen Smartphone, da mein jetziges HTC-Gerät langsam aufgibt (Lautstärketasten gehen so gut wie gar nicht mehr, Power-Knopf nur noch mit gut zureden... und da alles aus einem Guss ist, kann man auch nicht mehr so einfach mal rein gucken, ob man nur eine etwas korrodierte Kontaktfläche sauber bekommen müsste...)

Auf der Suche bin ich dank eines Kollegen auf das Fairphone aufmerksam geworden, welches ich euch nicht vorenthalten möchte:
Fairphone | A seriously cool smartphone. Putting social values first.

Ziel dieses Projektes:
In der Lieferkette eines jeden Smartphones (und so ziemlich jedem anderen elektronischen Gerät) gibt es einige Produktions-Schritte, in denen unter menschenunwürdigen Bedingungen gearbeitet wird (Stichwort Apple-Zulieferer Foxconn... oder auch bei Samsung gab es glaube ich schon solche Skandale) und beim Abbau vieler benötigter Metalle sind oft die einzigen, die was dran verdienen, Warlords, die damit ihre Bürgerkriege finanzieren.

Fairphone versucht durch bewusste Auswahl der Minen und Kooperationen mit den Herstellern für fairst-mögliche Bedingungen bei jedem Schritt bis zum fertigen Gerät zu sorgen.
Außerdem wird versucht, das Gerät möglichst nachhaltig zu bauen, so dass es möglichst gut reparierbar sein soll (das fängt ja bei aktuellen Geräten schon damit an, dass man heutzutage oft nicht mal mehr den Akku wechseln kann...).
Headset und Ladegerät werden bewusst NICHT mit ausgeliefert, da viele mittlerweile mehr als genug Headsets mit Klinkestecker und MicroUSB-Ladekabel daheim liegen haben, sodass man die Umwelt auch hier nicht unbedingt mit weiterem Elektroschrott belasten muss und wertvolle Metalle nicht ungenutzt zu Ladegeräten verarbeitet.

Die Ausstattung des Telefons hört sich nach solider Mittelklasse an:
MTK6589 (quad-core) 1.2 Ghz, 16GB interner Speicher, 1GB RAM, microSD, UMTS, WLAN, Bluetooth, GPS, 8 Megapixel Kamera, 1.3MP Zweitkamera zum Skypen,...
http://buy-a-phone-start-a-movement.fairphone.com/en/specs/

klar: es hat kleine Mankos: es unterstützt noch kein LTE und die Auflösung des Displays beträgt "nur" 960x540 Pixel... Aber für den Normal-Anwender reicht das vollkommen aus. Dafür kommt es mit Dual-SIM daher...

Einziger Knackpunkt zum fairer gehandelten Smartphone:
Es muss noch produziert werden... und damit es in Produktion geht, werden bis 14. Juni 5.000 Vorbestellungen benötigt...
Ausgeliefert werden soll dann ungefähr im September / Oktober.

Sollte an dem Stichtag das Ziel nur knapp verfehlt sein, wird trotzdem produziert - sollte es weit verfehlt sein, sollen alle ihr Geld zurück bekommen und der Traum vom ethisch etwas korrekteren Smartphone bleibt wohl ein Traum... aber bisher (Halbzeit und 3.070 Vorbestellungen) sieht es ganz gut aus.

Also ich spiel gerade ernsthaft mit dem Gedanken, mir so ein Smartphone vorzubestellen und zur Not (wenn mein Smartphone schon vorher aufgibt) noch ein paar Monate mit einem meiner alten Mobiltelefone aus der Pre-Smartphone-Ära auszukommen.

Habe bis jetzt noch keinen schwerwiegenden Punkt gefunden, der dagegen spricht, wollte es aber mal zur Diskussion stellen - und vielleicht gibt es ja hier auch noch den ein oder anderen Interessenten, der gerade vor der Wahl steht, welches Smartphone sein nächstes sein wird...
 

bitmuncher

Senior-Nerd
Mich hält bisher die kleine RAM-Menge vom FairPhone ab. 2GB sollte man bei einem aktuellen Android und aktuellen Anwendungen imo zur Verfügung haben. Und wenn ich mir die Preise für Amoleds anschaue (im Schnitt 30-50 Euro), denke ich, dass man dem Teil auch eine höhere Auflösung hätte spendieren können, selbst wenn dadurch der Preis um 10-20 Euro nach oben gegangen wäre.

Alles in allem ist die Idee wirklich gut, aber sie ist eben nur für den anspruchslosen Anwender geeignet. Anspruchsvollere Anwender werden mit dem FairPhone aktuell nicht glücklich.
 

Tarantoga

Moderator
Für mich kommt es derzeit nicht in Frage, da ich mir erst im Januar ein Nexus 4 zugelegt habe (das unterstützt aber übrigens auch kein LTE). Aber ich habe in den letzten Wochen die Berichterstattung verfolgt und kann mir, sollte das Projekt erfolgreich sein, gut vorstellen das mein nächstes Smartphone ein FairPhone wird.
Prinzipiell halte ich die Idee in jedem Fall für eine gute Sache - denn das bei der Produktion und natürlich der späteren Entsorgung von Smartphones (bzw. Elektro-Geräten allgemein) Umweltbelastungen entstehen, ist ja hinlänglich bekannt. Ebenso ist den meisten Menschen bekannt das die Arbeiter von den Herstellern und ihren Zulieferern häufig übel ausgebeutet werden. Spätestens die Selbstmordserie unter Foxconn Arbeitern vor ein paar Jahren, hat viele Menschen für die harten Bedingungen sensibilisiert, unter denen Arbeiter in der High-Tech-Produktion häufig schuften und leben müssen. Doch trotz aller vollmundigen Versprechen von Apple, Google, Amazon & Co und einigen kosmetischen Korrekturen an der Situation der Arbeiter, haben sich gerade wieder erst drei Foxconn Arbeiter das Leben genommen: Selbstmorde in China - : Drei Foxconn-Mitarbeiter stürzten sich in den Tod - Wirtschaft - FAZ.
Von daher halte ich es definitiv für gut, wenn bei der Produktion von Elektronik nicht nur niedrige Produktionskosten Priorität haben, sondern gerade auch ökologische und menschliche Aspekte eine Rolle spielen. Von nachhaltiger Produktion unter ökologischen Gesichtspunkten haben alle (Menschen & Umwelt) etwas, von der nachhaltigen Produktion unter menschlichen Gesichtspunkten haben zumindest die Arbeiter & deren Familien etwas - obwohl vielleicht kann dann auch der oder andere Konsument ein bisschen besser schlafen...;)
Auch wenn das FairPhone sicher nicht die Lösung aller Probleme ist, denn selbst die Initiatoren geben zu das eher ein "fairer Phone" ist und ein wirkliches FairPhone derzeit nicht produziert werden kann - es ist trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Und bekanntlich beginnt auch die längste Reise mit einem Schritt.

Quellen:
China: Selbstmordserie in der iPad-Fabrik - Unternehmen - FAZ
Selbstmorde in China - : Drei Foxconn-Mitarbeiter stürzten sich in den Tod - Wirtschaft - FAZ
FairPhone: Warum das fairer gehandelte Smartphone uns künftig in Entscheidungsnot bringen wird
 

Chakky

Member of Honour
Hi,

bin gerade auf der Suche nach einem neuen Smartphone, da mein jetziges HTC-Gerät langsam aufgibt (Lautstärketasten gehen so gut wie gar nicht mehr, Power-Knopf nur noch mit gut zureden... und da alles aus einem Guss ist, kann man auch nicht mehr so einfach mal rein gucken, ob man nur eine etwas korrodierte Kontaktfläche sauber bekommen müsste...)

TapTap App ( https://play.google.com/store/apps/details?id=net.maicas.android.wsleep&hl=de) spart dir die Handysuche. Funktioniert auch im Dunklen (sofern du nicht irgendwo in einen Bunker bist) und sehr zuverlässig. Hab ich mittlerweile 1 1/2 Jahre :)
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Ich bin nach einem Ausflug in die Android Welt (HTC) wieder bei Nokia gelandet und zwar bei dem Lumina 720.
Für mich zählt Laufzeit und Sprachqualitaet wesentlich mehr als App Vielzahl und da ist Nokia noch immer ganz weit vorne und das Navi ist ebenfalls 1a und das Gerät ist federleicht!

325 € sind ein stolzer Preis für ein "fair-use" Konzept welches besser funktionieren wuerde, wenn man einfach nichts dergleichen kauft...
 

bluez

Member of Honour
Was hast du denn erwartet? Das es billiger wird, wenn du deine Rohstoffe möglichst nachhaltig verwendest und deine Arbeiter besser bezahlst als üblich?

Es funktioniert übrigens eben nicht besser, wenn man nichts kauft. Womit sollen die Leute denn dann ihr Geld verdienen? Irgendwas muss produziert und verkauft werden - nur eben zum fairen Preis.

Ich bin gerne bereit deutlich mehr zu zahlen und auch noch weniger dafür zu bekommen, wenn davon auch die Arbeiter profitieren. Es sollte nur ein Produkt sein das ich brauche. Die sollen mal sowas mit Laptops und MP3-Playern machen. Als halber Steinzeitmensch, verwende ich keine Smart-Phones.
 

benediktibk

Standardgruppe für nicht aktivierte User
Als halber Steinzeitmensch, verwende ich keine Smart-Phones.

Scheinen Elektrotechnik-Studenten so an sich zu haben, ich komme mit meinem uralt-Nokia immer noch aus. Aber falls das mal den Geist aufgeben sollte würde ich gerne mehr ausgeben, wenn ich dafür ein reineres Gewissen habe.

Ich habe bei so etwas nur immer das Problem, inwiefern diese Gütesiegel (bio, Fair-Trade, umweltfreundliches Papier, ...) wirklich verlässlich sind. Das kann aber genauso mein innerer Schweinehund sein, der mich da verleiten möchte. Weil auch wenn das Fair-Phone doch nicht so fair sein sollte wie beworben, dann drücke ich durch meinen Kauf zumindest aus, dass ein Bedarf an fair produzierten Produkten besteht. Da kann sich dann die unsichtbare Hand des Marktes sputen diesen Bedarf zu decken. :D

mfg benediktibk
 

bluez

Member of Honour
Sehe ich ähnlich. Übrigens zahlen die Fair-Trade-Anbieter tatsächlich nur einpaar Cent mehr. Es geht defintiv NICHT alles was du, doch recht saftig, draufzahlst an die Arbeiter, wie es suggeriert wird. Aber ich finde, besser so als gar nicht, immerhin ist es kein (erniedrigendes) Almosen, sondern mein Ausdruck der Wertschätzung ihrer Arbeit, wenn ich Fair-Trade-Kram kaufe.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Was hast du denn erwartet? Das es billiger wird, wenn du deine Rohstoffe möglichst nachhaltig verwendest und deine Arbeiter besser bezahlst als üblich?

Nun ja - wenn ich bei aktuellen Unternehmen die Gewinnspannen betrachte, dann kann ich durchaus ein Produkt herstellen und günstiger anbieten, wenn mein Gedanke der ist, Güter so zur Verfügung zu stellen, dass niedriege Teile der Wertschöpfungskette auch was davon haben.

Also kann ich ein Produkt günstiger anbieten UND Zulieferer besser bezahlen, wenn ich den Spielraum der Gewinnspanne habe. Das ist bei Massenprodukten, die einem massiven Preiskampf unterliegen selten in relevanten Größen möglich.
 

TheEvilOne

Operator
Ich würde aktuell als Smartphone auch nur das Nexus 4 kaufen. Vom Preis-/Leistungsverhältnis unschlagbar.

Jetzt mal Systemupdates außer Acht gelassen. Wenn man sich aktuell für ein Modell für z.B. 200 Euro entscheidet, weil einem das Nexus 4 zu teuer ist, dann kauft man im Grunde veraltete Hardware zu einem überzogenen Preis. Man kann sich also schon zu dem Zeitpunkt in den hintern beißen, wenn man bei Amazon auf "Bestellung abschließen" klickt.

Das Samsung Galaxy S4 ist doppelt so teuer, hat aber einiges unter der Haube. Vom S4 gibt es Ende Juli (oder wars Juni?) auch eine "quasi" Nexus-Version von Google, die allerdings sogar etwas teurer ist als das normale S4 im Handel. Allerdings dauert es nicht lange, bis es diese Nexus-Rom als Custom gibt und dann kann man auch sein im normalen Handel gekauftes S4 zu einem Nexus machen.

Wobei ich sagen muß, das Samsung schon ein paar coole Funktionen integriert hat. Z.B. mehrere Apps parallel auf einem geteilten Display starten und verwenden. Oder bei einem Video beim Vorspulen den Finger einen halben Zentimeter über das Display halten um eine Vorschau zu erhalten. Leider sind diese Funktionen fest in die Samsung-Oberfläche integriert, was sie für mich dann wieder uninteressant macht.
 
Zuletzt bearbeitet:

beavisbee

Member of Honour
Das Nexus hört sich auch gut an - preislich ist es ähnlich dem FairPhone, technisch hat's natürlich noch ein bisschen mehr zu bieten... aber mit den leichten Abstrichen beim Fairphone kann ich leben...

ich habe am Wochenende so ziemlich genau das 4.000te vorbestellt, mittlerweile sind es weit über 5.000 Vorbestellungen (sogar schon knapp 6.000) - es wird also definitiv produziert und ich werde mich melden, wenn es im Herbst irgendwann ausgeliefert wird...
 

bitmuncher

Senior-Nerd
Der Beitrag der Süddeutschen - Gerechtes Smartphone - Das kann das Fairphone - Digital - Süddeutsche.de - ist zwar alles andere als objektiv (erwartet bei dieser Zeitung wohl auch niemand), aber er bietet einen guten Einblick in die Thematik Fairphone. Vielleicht hat der Autor aber auch einfach noch nicht mitbekommen, dass ein Galaxy 3 bereits als veraltet gilt und vielleicht weiss er euch nicht, was man für 325 Euro heutzutage an Ausstattung bekommen kann. Dass dies in einem halben Jahr auch nochmal ganz anders aussehen wird als jetzt auf dem Markt, wird auch kurzerhand verschwiegen. Dennoch kann man die Schwierigkeiten bei der Herstellung eines fairen Produkts recht gut herauslesen und sich dann evtl. auch mal fragen wie Kinderarbeit in Minen als fair definiert werden kann.
 
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