Stille SMS

Mich würde einmal interessieren, wie das mit der "Stillen SMS" genau funktioniert.

Auf der Seite vom Datenschutz Berlin wird über dieses Thema folgendes berichtet:

Auch wenn noch gar keine ausdrückliche Rechtsgrundlage vorhanden ist, verlocken verfügbare Techniken schon zum Gebrauch. Ein Beispiel ist die Nutzung der Möglichkeiten der Stealth-(Tarnkappen-)Technik (?Stille SMS?) beim Versenden von SMS-Nachrichten über Mobiltelefon.

Mit Hilfe (allgemein verfügbarer) Software können Nachrichten so an Handys geschickt werden, dass der Besitzer des Handys dies nicht bemerkt. Die Folge ist allerdings, dass beim Telekommunikationsunternehmen Verkehrsdaten insbesondere über den Standort des Handys entstehen. Im Berichtszeitraum wurde bekannt, dass sich die Polizei dieses Verfahren zunutze macht, um den Standort verdächtiger Personen, deren Handynummer sie kennt, zu ermitteln45. Eine ausdrückliche Rechtsgrundlage hierfür gibt es nicht, eine heftige dogmatische Diskussion darüber wurde ausgelöst, wie die vorhandenen Befugnisnormen (§§ 100 a, 100 g, 100 i Strafprozessordnung StPO) entsprechend zurechtgebogen werden könnten. So recht gelingt es in keinem Fall. Jedenfalls greift die vom Bundesministerium der Justiz im Rahmen einer Kleinen Anfrage vertretene Auffassung, die §§ 161 Abs. 1, 163 Abs. 1 StPO reichten als Rechtsgrundlage aus, zu kurz. Der kleinste gemeinsame Nenner muss zumindest sein, dass eine richterliche Anordnung zur Herausgabe der Standortdaten durch den Netzbetreiber nach § 100 g StPO vorliegen muss, bevor die stille SMS versandt wird.

Bei einer stichprobenartigen Prüfung der Retente von Verfahren des Landeskriminalamtes, in denen eine stille SMS versandt worden ist, haben wir festgestellt, dass dies in den meisten Fällen der Fall war.

Es bleibt das rechtsstaatlich bedenkliche Problem, dass sich bei dieser Vorgehensweise die Polizei überhaupt erst heimlich (nämlich durch Versenden der stillen SMS) die Voraussetzungen dafür schafft, dass die Rechtsgrundlagen für das weitere Vorgehen (nämlich das Herausverlangen der Standortdaten vom Netzbetreiber) vorliegen.

Ich habe mir die Funktionalität bisher nur so erklären können, dass bei einer Anwahl einer Mobilfunknummer vom Mobilfunkbetreiber der nächstmögliche Sende-/Empfangsturm gesucht wird der in nächster Nähe zum Handy steht. Sobald das Handy dann mit einem Signal die Anfrage beantwortet, würden dann alle Stationen (Mobilfunkmast-Standorte) beim Mobilfunkanbieter geloggt werden. Diese Daten wären dann für die Behörden greifbar.
Vielleicht in etwa zu vergleichen mit den Header-Informationen einer Email, die ebenfalls alle Adressen der einzelnen Stationen enthält, die sie auf ihrem weg zum empfänger genommen hat.

Soweit meine Vorstellung dazu. Aber wie funktioniert das ganze nun genau? Gibt es tatsächlich so eine Art Anfrage an das Handy und muß das Handy zunächst auf die Anfrage antworten bevor es verbunden werden kann?

Vielleicht kennt sich ja jemand von Euch dort draußen in der weiten Welt damit etwas genauer oder sogar sehr genau aus, dann postet Euer Wissen dazu. :)
 
Hallo,
du hast das schon gut Beschrieben.

Das Land ist in Sendezonen eingeteilt, und die Mobilfunkbetreiber können dann herrausfinden, in welcher Sendezone der Handybesitzer ist.
Das funktioniert so ähnlich wie GPS.

Hier eine kleine Skizze
Code:
         Mast

     Handy

Mast    
                    Mast

Über die 3 Masten kann man dann ausrechnen, wo sich das Handy genau befindet, je mehr Masten, um so genauer.
 
Positionierungsverfahren

Also Uwe meene Sonne,

da gibt es mehrere Möglichkeiten deiche Position zu bestimmen, die ungenauste (abhänge von der Versorgung) und meistverwende wäre Cell-ID. Funktionniert folgendendermassen:
GSM-Netz = wabenförmig (3,5.., n-eckig).
Subscriber in einer dieser Waben im Netz des jeweilige Betreibers eingebucht.
Operator kennt Id des Mastes an dem du angemeldet bist -> Position im Radius von 500 m bis 35 (theoretischer Wert für dünn besiedelte Gegenden) bekannt
Erweiterung dessen wäre E-OTD (Enhanced Observed Time Difference of Arrival), dabei wird dein standort mittels der Signallaufzeiten Handset <-> Sender trianguliert. Genauigkeit liegt dabei über der des CELL-ID Verfahrens, allerdings müssten Operator dazu ihre Netze aufrüsten, fällt flach!
Drittes demnächst auch wahrscheinlich hier in Europe zu habendes Verfahren A-GPS (assisted GPS) -> postionsbestimmung über CELL-ID und gezieltes abfragen angrenzender GPS satelliten. Einführung in USA nach Richtline der FCC sowie einige Dienste im Asiatischen Markte, von Child-tracking bis location based gaming....

desweiteren ist deine Position immer bekannt, Operator führen dazu mehrere Register, HLR (home location register) and VLR (visitor location register) wichtig fürs billing etc. man denke an die Homezone von O2 oder Roaming....

So genuch gekluchscheissert...
 
Jo, ich danke dir Jens,

das sind ja schonmal ein paar interessante Begriffe die ich mir mal genauer ansehen kann. Schön mal wieder was von dir gehört zu haben. ;)
Letztens hab ich Frank alias BieneMaja mal wieder getroffen. Der ist bald fertig.
Kannst Dich ja mal wieder per E-Mail melden. Odin lebt übrigens auch noch. ;)
 
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