[TdW 44] Explodiert das Pulverfass Nahost?

Tarantoga

Moderator
Diesmal beschäftigt sich das TdW, fast zwangsläufig, mit einem sehr ernsten Thema: Der Lage in Nahost. Die Hamas soll seit Mittwoch etwa 600 Raketen auf Israel abgefeuert haben, auch Tel Aviv und Jerusalem gehörten zu den Zielen. Nach eigenen Angaben hat Israel im gleichen Zeitraum etwa 800 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Gestern, nach dem Luftalarm in Jerusalem, hat Israel angekündigt 75.000 Reservisten einzuberufen - zusammen mit der Verlegung von Truppen und Panzern ins Grenzgebiet, scheint das ein ernsthafter Hinweis auf die Vorbereitung einer Bodenoffensive zu sein.
Nun ist es nichts neues, dass die Situation in Nahost angespannt ist - tatsächlich spricht man schon mein ganzes Leben lang (und wohl auch schon vorher) von der Region als einem Pulverfass. Und bei einem Pulverfass kann schon ein Funke die Explosion auslösen - da ist es schon fast erstaunlich das es, trotz emsiger Brandstifter auf allen Seiten, in den ganzen Jahren noch nicht geknallt hat.
Diesmal ist die Situation aus vielerlei Gründen jedoch noch unberechenbarer und angespannter als sonst. Da wäre zum einen der Umstand das in Israel Wahlen bevorstehen und israelische Regierungen schon fast traditionell versuchen sich vor Wahlen als hart durchgreifende Macher zu profilieren. Ministerpräsident Netanjahu steht diesmal aber besonders unter Druck, denn es ist erst wenige Monate her das es in Israel Massenproteste gegen Wuchermieten und explodierende Lebenshaltungskosten gab - gerade die Wuchermieten sind eine direkte Folge der radikal wirtschafts-liberalen Politik seiner Regierung. Dazu kommt das Netanjahu ganz offen auf einen Wahlsieg Romneys gesetzt hat und seine Position gegenüber den USA, den wichtigsten Verbündeten Israels, jetzt eher problematisch ist. Netanjahu hat also ein vitales Interesse vor den Wahlen von diesen Dingen abzulenken und den Fokus der Öffentlichkeit auf den Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu richten.
Bei der Hamas sieht das ganz ähnlich aus - der Konflikt kommt ihr sehr gelegen, denn so kann sie sich einerseits gegen Arafats Fatah als Beschützer der Palästinenser profilieren und andererseits interne Streitigkeiten überdecken - nichts eint so schön wie ein gemeinsamer Feind.
Dazu kommt das sich die politische Landkarte im nahen Osten durch den arabischen Frühling dramatisch verändert hat. Ägypten, unter Mubarak ein strategischer wichtiger Partner Israels in der Region, wird jetzt von Mohammed Mursi, einem Mitglied der Muslimbruderschaft, regiert. Auch wenn Mursi sich derzeit bemüht, dass seine Regierung als eher moderat wahrgenommen wird, kann niemand vorhersagen wie er reagieren wird, wenn israelische Panzer durch den Gaza-Streifen rollen...
Die Lage in Nahost ist also noch unübersichtlicher als normal und trotzdem zündeln Hardliner auf allen Seiten aus ganz unterschiedlichen, persönlichen Motiven an der Lunte herum. Daher stellt das TdW heute die Frage: Wird das Pulverfass Nahost diesmal wirklich explodieren? Und welche Folgen könnte das haben?
 

Chromatin

Moderator
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Ganz allgemein sehe ich wenig Unterschied zwischen den Nachrichten von 1975 und heute, was Palestina und Israel angeht.

Ich weiss nicht ob jemand die Kriegsandrohungen und Überfälle beider Seiten überhaupt noch zählt.

Ich weiss aber dass ich die Situation aufgrund unserer Medien überhaupt nicht beurteilen kann. Fakt ist, das kann ich verifizieren, dass das Gebiet der Palestinenser immer kleiner wird und das die Weltgemeinde offenbar ein Problem damit hat, den Menschen dort einen Staat zu gönnen.

Ob das Pulverfass diesmal (mal wieder) richtig explodiert kann ich nicht sagen. Und vor allem will ich auch nicht in Bildungsbürgerliche (Latour-sche) Dialektik verfallen (Hussein..der neue Hitler *lol*) und die östliche Welt mit meinem westlichen Geist be-urteilen.

Ich denke eher ganz grundsätzlich, dass ein globales Pulverfass am explodieren ist. Es kann ja wohl niemand davon ausgehen, dass es ewig so weitergeht, dass wir hier wie die Madem im Speck leben? Wobei ich mir sicher bin ist, dass wieder eimal eine ganze Menge Leute ihr Leben lassen werden.

Gottlosigkeit, Gier und Blindheit .. und die ganze Suppe kommt auf uns zurück..wahrscheinlich zu Recht.
 

end4win

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Ich finde es immer wieder erschreckend, wie sich die Palästinenser zum Spielball
zwischen Israel und den radikalen arabischen Kräften machen lassen.
Israel scheint offensichtlich eine Machtdemonstration planen, angesichts der
ungewissen bzw. negativen Entwicklung seiner Nachbarstaaten. Hier brechen momentan
die seither relativ berechenbaren Machtstrukturen weg, welche sich doch mehr
oder weniger mit der Existenz Israels abgefunden hatten. In Ägypten versuchen
meiner Meinung nach die Muslimbrüder auf lange Sicht einen Gottesstaat einzurichten,
auch wenn sie dies momentan noch sehr dezent machen. Ähnlich dürfte es nach
dem Ende von Assat in Syrien aussehen. Wenn es diesen Kräften gelingt eine wie
auch immer geartete Stabilität (siehe Iran) aufzubauen, stellen sie eine reale
Bedrohung für Israel dar. Da scheint es für manche isrealischen Kräfte an der Zeit
mal wieder seine militärische Stärke und die Unterstützung der westlichen Welt zu
demonstrieren.
Es grenzt in meinen Auge schon fast an Satire, dass die Gegenseite ähnliche
Ziele hat, um die eigenen gemässigten Kräfte zu schwächen wird ein blutiger
Einmarsch der Israelis in die Palästinensergebiete provoziert.
Schade das Israel es nie geschafft hat den gemässigten Palästinensern zu helfen eine vernünftige
Infrastruktur aufzubauen oder dies zuzulassen. Dies hätte der Region wirklich
geholfen.
Jetzt sind wir wieder an einem Punkt wo Stolz über Vernunft siegt und die
Palästinenser werden als Erste den Preis zahlen.

Gruss

PS: Ach ja, fast vergessen, der Westen wird natürlich nur zu sehen und die Waffen
liefern, er hat schliesslich kein Interesse an einem stabilen Nahen Osten.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Wie wäre es mit Sanktionen der UNO, wenn Israel mal wieder illegale Siedlungen
legalisiert?

lol.

Wie kann das illegal sein? Das Gebieht steht ihnen zu!!11


Israel scheint offensichtlich eine Machtdemonstration planen, angesichts der
ungewissen bzw. negativen Entwicklung seiner Nachbarstaaten.

Eine echte Machtdemonstration würde bedeuten den Palis ihr Gebiet zu lassen und sie anzuerkennen. Dann können die Palis zeigen, dass sie es "können".
Schaue ich nach Ägypten, Irak oder Tunesien, dann bleib ich zunächst erstmal skeptisch.

Die militärischen Machtspielchen sehe ich regelmässig, seit ich denken kann. Wer jenseits der 30 ist, wird mir insofern bestätigen, dass die Meldungen die gleichen sind - nur die Namen ändern sich hin und wieder. Und dem Frieden dort hat es nicht gedient. Ich denke man darf den Israelis durchaus unterstellen, dass sie keine Araber in "ihrem" Land haben wollen. Und man darf sich ruhig fragen warum die Weltengemeinschaft sich das Jahrelang mit ansieht.
 

end4win

Member of Honour
Eine echte Machtdemonstration würde bedeuten den Palis ihr Gebiet zu lassen und sie anzuerkennen. Dann können die Palis zeigen, dass sie es "können"..

Was bitte ist ihr Gebiet?

karte-israel-palc3a4stina-1946-2007.jpg


:wink:

Gruss
 

Brabax

New member
Krieg ist dumm.

Ist doch egal, wer hier welchen Machtanspruch stellt. Die sollen das am runden Tisch bei einer Runde Schach ausmachen, den Zivilisten das Ergebnis mitteilen und sie in Ruhe lassen.
Bei diesen kindlichem Ringelpietz kann doch wirklich keiner zusehen ... vielleicht überlegen wir uns das mit der bewusstseinsbewussten, intelligenten Rasse nochmal.

@der Westen:
Imho sollte die Produktion von Waffen weltweit verboten sein. Schlachten klärt man in meiner kleinen Welt am Tisch oder mit Mannesstärke ... nicht mit finanzieller Überlegenheit. Allet Doofköppe ... ehrlich.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Das was Israel da treibt, mag nicht ganz in Ordnung zu sein. Wenn aber nach einem Anschlag (s. Heute) auf Seiten der Hamas gefeiert wird, so kann ich mich einfach nicht dagegen wehren, diese Seite mit wesentlich größerer Skepsis zu betrachten.

Ich glaube fest daran, dass man überhaupt nicht in der Lage ist, die Situation dort objektiv zu beurteilen, insofern stimme ich dir auch zu.

Fakt ist aber, dass die Israelis mit ihrer Siedlungspolitik die Gaza Bewohner massiv bedrängen und dabei auch noch ihre eigenen Leute als "Feischgrenze" benutzen. Die Politiker könnten sich ja ihre Residenzen auch in Gaza errichten ;)

Wer oder was da rumbombt und mit welcher Intention ist doch mittlerweile völlig egal.

Der Konflikt ist erst gelöst wenn alle Palestinenser vertrieben oder getötet worden sind, oder die Welt den Leuten ihren Staat anerkennt und dessen Souveränität gegen Israel verteidigt.

Möglicherweise müssen wir uns irgendwann vorwerfen lassen, wir deutschen hätten den Israelis womöglich deshalb den Völkermord erlaubt um unser Gewissen reinzuwaschen?
 

Tarantoga

Moderator
Und jetzt instrumentalisieren schon als Fußball-Fans getarnte Faschisten den Palästina-Konflikt für ihre eigenen Zwecke: Vor dem Euro League Spiel zwischen Lazio Rom und Tottenham Hotspur in Rom, hatten 30 Vermummte ein Lokal mit feiernden Hotspur-Fans überfallen und mehrere englische Fans schwer verletzt. Laut den italienischen Ermittlungsbehörden handelte es sich bei dem Überfall um einen gezielt antisemitischen Gewaltakt (die Hotspurs haben überdurchschnittlich viele Fans jüdischen Glaubens) und bei den Angreifern um Angehörige der Ultras von Lazio Rom und AS Rom (die sich eigentlich spinnefeind sind, aber nichts eint halt so schön wie Hass auf ein gemeinsames Feindbild).
Auch während des Spiels enthüllten Ultras in der Nordkurve der Lazio Fans ein Plakat mit der Aufschrift "Free Palestine" und skandierten dazu auf deutsch "Juden Tottenham, Juden Tottenham". Hier wird der Palästina-Konflikt als Alibi benutzt, um Hass und Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens zu rechtfertigen.

Weiter oben hat Chromatin gesagt die Lage wäre auch der Gottlosigkeit geschuldet, eigentlich würde imho etwas mehr "Gottlosigkeit", bzw. weniger religiöser Fanatismus auf allen Seiten, vermutlich etwas Schärfe aus dem Konflikt nehmen. Tatsächlich wird der Palästina-Konflikt doch dadurch verschärft, dass es auch ein Konflikt zwischen Muslimen und Juden ist. Und die Scharfmacher auf beiden Seiten stützen sich auf eine Basis religiöser Fanatiker - so hat die Hamas ihre Wurzeln in der islamistischen Muslimbruderschaft und die militanten israelischen Siedler rekrutieren sich vornehmlich aus den Reihen der Ultraorthodoxen-Juden...:rolleyes:

Quellen:
Brutale Attacke auf Tottenham-Fans - Italien ist entsetzt über offenbar antisemitischen Überfall - Sport - sueddeutsche.de
Hamas
Gewalt jüdischer Siedler - "Gefahr für Demokratie und Sich.. - Politik - sueddeutsche.de
 
Zuletzt bearbeitet:

bluez

Member of Honour
Weiter oben hat Chromatin gesagt die Lage wäre auch der Gottlosigkeit geschuldet, eigentlich würde imho etwas mehr "Gottlosigkeit", bzw. weniger religiöser Fanatismus auf allen Seiten, vermutlich etwas Schärfe aus dem Konflikt nehmen. Tatsächlich wird der Palästina-Konflikt doch dadurch verschärft, dass es auch ein Konflikt zwischen Muslimen und Juden ist. Und die Scharfmacher auf beiden Seiten stützen sich auf eine Basis religiöser Fanatiker - so hat die Hamas ihre Wurzeln in der islamistischen Muslimbruderschaft und die militanten israelischen Siedler rekrutieren sich vornehmlich aus den Reihen der Ultraorthodoxen-Juden...:rolleyes:

Da muss ich mich doch als Christ glatt einklinken :)
Vielleicht guckst du hin und wieder Southpark. Sieh dir doch mal Staffel 10 - Episoden 12&13 (Gott ist tot) an. Es hat seltenst mit tiefgläubigkeit zu tun, wenn Menschen sich radikalisieren und dann Dummheiten begehen. Auch der Nationalsozialismus oder das faschistische sog. "kommunistische" Regime waren nicht religiös hinterlegt. Insbesondere letzteres sogar ausdrücklich Atheistisch.
Alle drei monotheistischen Weltreligionen basieren auf Liebe und Toleranz. Radikalität, Mord, Totschlag, Hass und Ähnliches wird in höchstem Maße verurteilt. Gerade Mord und Totschlag wird im Islam am stärksten verteufelt. Da heißt es in der Sure 5,32:
Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält
Ähnliches findet sich aber auch im Talmud oder der Bibel.
Islamische Selbstmordattentäter sind in etwa so repräsentativ für den muslimischen Glauben, wie es mittelalterliche Kreuzfahrer oder amerikanische Fundamentalisten für den Christlichen sind. Oder so repräsentativ, wie Maos Kulturrevolution für Atheisten.
Im übrigen verlangt gerade der Islam von seinen Gläubigen ein hohes Maß an Verehrung und Hochachtung gegenüber allen jüdischen Propheten, Jesus und Maria und deren Anhänger.

Übrigens ist die Hamas auch auf keinen Fall mit den Palestinänsern gleichzusetzen. Genauso wie etwa auch die Nazis nicht mit den Deutschen gleichzusetzen sind. Wir sehen immer nur die radikalsten Auswüchse, die auf keinen Fall repräsentativ sind!

Ich denke auch nicht, dass der Nah-Ost-Konflikt wirklich durch Religion befeuert wird - und verschärft wird er nur durch Radikalität, nicht aber durch Religiösität. Schließlich ist es gerade in Jerusalem besonders still.
 

Tarantoga

Moderator
killgenerals hat gesagt.:
Es hat seltenst mit tiefgläubigkeit zu tun, wenn Menschen sich radikalisieren und dann Dummheiten begehen.
Das ändert aber nichts daran, dass die Radikalen - die den Konflikt auf beiden Seiten immer wieder anstacheln - nun einmal zumeist einen religiös-fundamentalischen Hintergrund haben.

killgenerals hat gesagt.:
Übrigens ist die Hamas auch auf keinen Fall mit den Palestinänsern gleichzusetzen.
Das hat ja auch niemand getan - ebenso wie niemand behauptet hat, Selbstmordattentäter wären repräsentativ für den Islam...;)

killgenerals hat gesagt.:
Ich denke auch nicht, dass der Nah-Ost-Konflikt wirklich durch Religion befeuert wird - und verschärft wird er nur durch Radikalität, nicht aber durch Religiösität.
Die Radikalen auf beiden Seiten rekrutieren sich aber nun einmal aus den Reihen religiöser Fundamentalisten - das diese Fanaktiker nicht repräsentativ für ihre Religionen sind, ist allerdings klar.
Natürlich gibt in diesem Konflikt, wie in fast jedem Konflikt, viele Aspekte und es geht primär um politische, wirtschaftliche und militärische Interessen. Durch religiöse Aspekte wird der Konflikt aber definitiv verschärft - wenn z. B. Israel Palästinenser tötet, bringt das Muslime in aller Welt in Rage. Umgekehrt erzürnen sich Juden in aller Welt natürlich über tote Israelis. Und somit sorgt der Konflikt auch dafür, dass sich eine kleine Minderheit von Gläubigen auf beiden Seiten radikalisiert.

killgenerals hat gesagt.:
Schließlich ist es gerade in Jerusalem besonders still.
Aber gerade Jerusalem ist doch einer Gründe warum sich Israel & die Palästinenser auch aus religiösen Gründen niemals einigen können: Beide betrachten Jerusalem als heilige Stadt, beide haben für ihre Religionen immens bedeutsame Heiligtümer in der Stadt (Felsendom / Klagemauer) und daher begründen beide Seiten ihren Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt ebenso mit religiösen, wie historischen Argumenten.
Um die Sache noch komplizierter zumachen, betrachtet auch die dritte mosaische Religion, das Christentum, Jerusalem als heilige Stadt und verfügt mit der Grabeskirche ebenfalls über ein immens bedeutendes Heiligtum in der Stadt.
Tatsächlich mischen indirekt sogar radikale Christen im Nahostkonflikt mit, da es evangelikale Gruppen gibt (und ja: auch diese Gruppen sind nicht repräsentativ für Christen, Protestanten oder auch nur Evangelikale ;)), die eine aggressive Politik Israels finanziell unterstützen, da sie im Aufstieg (und späteren Fall) Israels einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum tausendjährigen Friedensreich sehen...:rolleyes:

Ich denke also schon das religiöse Aspekte den Konflikt verschärfen und eine Lösung erschweren (wenn nicht gar unmöglich machen).
 

bluez

Member of Honour
Erstmal zu deinen Rechtfertigungen a la "Das hat auch niemand gesagt": Mir gings erstmal nur darum das nicht unkommentiert zu lassen, weil ich viele Menschen kenne, die in dem ein oder anderen von mir postulierten Faktum nicht differenzieren.
Hauptsächlich hat dein, nicht unabsichtlich, etwas provozierender Beitrag mich verleitet doch noch meinen Senf dazuzugeben:
Weiter oben hat Chromatin gesagt die Lage wäre auch der Gottlosigkeit geschuldet, eigentlich würde imho etwas mehr "Gottlosigkeit", bzw. weniger religiöser Fanatismus auf allen Seiten, vermutlich etwas Schärfe aus dem Konflikt nehmen.
Es ging mir wirklich nur noch mal darum, dass man nicht Religion und Radikalität/Fanatismus/GEwalt durcheinanderwürfelt.
Und JA! Ich habe deinen Satz VERSTANDEN und weiß, dass DU das nicht tust :)

Zu den Dingen, die nicht auf Fakten basieren:
Wir sind offenbar derselben Meinung, dass nicht Religion, sondern die falsche, radikale Auslegung derselben in diesem Fall den Konflikt teilweise anstachelt.
Ich denke aber, dass man diesen Part eigentlich nur überschätzen kann. Vermutlich spielt eher der typisch arabische Stolz eine Rolle: Immerhin waren die muslimischen Völker in der Region lange Zeit geknechtet und unterdrückt. Zu allem Überfluss mussten sie dann auch noch dulden, dass Israelis auf ihrem Land siedeln. Dazu kommt die wirklich nicht besonders gerechte, aggressive Siedlungspoltik Israels (siehe Karte von end4win). Aus religiöser (in meinem Fall christlicher) Sicht, kann ich das Anspruchsdenken eines Juden (nicht Israelis!) durchaus verstehen. Aus säkularer/politischer/diplomatischer Sicht aber, ist die israelische Politik in diesem Punkt aber meiner Meinung nach, eine provozierende Katastrophe.
Zudem ist kaum ein Jahr vergangen indem Israel nicht mit irgendwem Krieg geführt hat.

Dass da dann noch religiöse Differenzen hinzukommen halte ich für einen untergeordneten Punkt, und hier muss ich wieder auf Jerusaelm zurückkommen: Ja, alle Drei haben dort ihr religiöses Zentrum. Aber: alle Drei leben dort mehr oder minder friedlich beeinander. Zumindest weit friedlicher als in den anderen Grenzgebieten, insbesondere am Gazastreifen.
Juden wurden weder von Muslimen noch von Christen je als religiöse Feinde gesehen. Vielmehr wurde die religiöse Unterschiedlichkeit nur politisch instrumentalisiert um Radikalität und Zwietracht zu sähen. Wie schon gesagt: Alle Drei haben eine tiefe Hochachtung voreinander.

Vor diesem Hintergrund halte ich daher die politischen Einflüsse für weit wichtiger als die der radikalen Fanatiker.

Ich glaube aber, dass wir beide ohnehin fast einer Meinung sind und uns nur um kleine Detailfragen herumdrehen :p
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
@Tara :)

Aber gerade Jerusalem ist doch einer Gründe warum sich Israel & die Palästinenser auch aus religiösen Gründen niemals einigen können: Beide betrachten Jerusalem als heilige Stadt, beide haben für ihre Religionen immens bedeutsame Heiligtümer in der Stadt (Felsendom / Klagemauer) und daher begründen beide Seiten ihren Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt ebenso mit religiösen, wie historischen Argumenten.

Der Konflikt existiert schon seit "Baal"s Zeiten ;) Damals hiessen die Völker nur eben anders.
 
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