Wieviel (korrekten) Inhalt hat "Hitlers Krieg? Was Guido Knopp verschweigt"

benediktibk

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Heute bin ich über eine interessante, sagen wir mal, Dokumentation, gestolpert:
Hitlers.Krieg.-.Was.Guido.Knopp.verschweigt.. - YouTube

Erstens einmal muss ich deutlich klar stellen: Der Film ist eine regelrechte Verherrlichung der Deutschen vor und während dem zweiten Weltkrieg, sie werden als absolute Opfer dargestellt. Das mag vielleicht daran liegen, dass der Film anscheinend im wesentlichen auf einem Buch von Gerd Schultze-Rhonhof basiert, der es ja mit exakten Recherchen und wissenschaftlichen Methoden wohl nicht so genau nimmt. Auf der anderen Seite muss man aber genauso einen sehr wichtigen Punkt der Geschichtsschreibung erwähnen: "Die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben". Von dem her gehe ich schon seit längerem davon aus, dass die geschichtliche Bildung in Schulen und Massenmedien nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Und genau da gibt es ein paar interessante Dinge, wie zum Beispiel die dutzenden Friedensangebote Hitlers, die in dem Film erwähnt werden. Auf der anderen Seite wiederum verschweigt der Film vollständig den Holocaust und ähnliches.
In dieser Thematik könnte ich zur Aufbesserung des wissentschaftlich korrekt recherchierten Wissens noch das Buch Bloodlands von Timothy Snyder empfehlen. Das ist zwar bei weitem keine so leichte Lektüre wie das Filmchen auf Youtube, aber es vergleicht sehr schön die Methoden beider Diktaturen und deren grausames Schaffen in Osteuropa. Von dem her bin ich auch ein bisschen vorbelastet was die Opferrolle der schlussendlichen Sieger angeht. Und den Siegern des zweiten Weltkrieges kann man auch andere Dinge zur Last legen, wie zum Beispiel die Besetzung des neutralen Islands, den Einsatz der Atombomben, ... . Ich will damit jetzt aber kein falsches Bild verursachen, ich befürworte das Hitler-Regime definitiv nicht. Nur eben die andere Seite auch nicht wirklich.

Was haltet ihr von dem Film? Wieviel davon kann man glauben, was ist absoluter Schwachsinn?

mfg benediktibk
 
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Tarantoga

Moderator
Das erste was Studenten der Geschichtsforschung lernen (wenn sie es nicht schon zuvor im Geschichts-LK gelernt haben), ist eine wissenschaftliche Quellenanalyse. Eine Quelle im Sinne der Geschichtswissenschaft kann übrigens alles von einer Hieroglyphen-Inschrift, einem mittelalterlichen Palimpsest, einem Zeitungsartikel, einem Zeitzeugenbericht oder auch einfach einem Aufsatz über ein historisches Thema sein. Direkt am Anfang einer solchen Analyse, noch bevor man sich mit dem Inhalt auseinandersetzt, betrachtet man die Quelle unter bestimmten Gesichtspunkten: Handelt es sich um eine Primär- oder Sekundärquelle? Wer ist der Autor? Welche Intention hat der Autor? In welchem zeitlichen Kontext ist die Quelle entstanden? Und vieles, vieles mehr...
Um nur ein kurzes Beispiel zu nennen: Das berühmte De bello Gallico, mit dem Lateinlehrer auch heute noch ihre Schüler quälen, ist eine Primärquelle, der Autor ist Gaius Julius Caesar (in Fällen wo der Autor namentlich bekannt oder gar eine historische Persönlichkeit ist, gehören auch biografische Angaben zu einer guten Analyse), seine Intention ist Propaganda in eigener Sache und ein stilistisches Mittel um diese Tatsache zu verschleiern ist die Erzählform in der dritten Person...:rolleyes:
Anhand einer solchen Analyse können Historiker z. B. die Glaubwürdigkeit einer Quelle ziemlich genau einschätzen, natürlich gilt das nicht nur für die Geschichtswissenschaft - man kann auf diese Art jede Form von Bericht analysieren. Wenn man die Methodik einmal verinnerlicht hat, fällt es einem sogar schwer das nicht ganz automatisch zu machen - ich kann nicht einmal einen Zeitungsartikel lesen, ohne mich zu fragen welche Intention der Autor hat und welche Auswirkung das auf dessen Objektivität und damit auf die Glaubwürdigkeit des Artikels hat.
Und da liegt der Hund begraben: Ich habe mir den Film nicht angesehen, da ich die Doku zuvor nach genannten Aspekten einordnen wollte. In Ermangelung eines Vorspanns habe ich direkt zu den Credits am Ende gespult und festgestellt, dass der Film von einem Mann namens Alphart Geyer stammt, der angeblich auch für die Recherchen zuständig war. Da der Name mir gar nichts sagte, habe ich versucht den Mann zu googeln - allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Die einzigen Treffer bezogen sich auf genau diesen Film. Wie wahrscheinlich ist es, dass es über einen seriösen Dokumentarfilmer gar nichts im Netz gibt? Keine Hinweise auf andere Dokumentationen, keine Webseite, nicht einmal ein Wikipedia Eintrag? Wesentlich wahrscheinlicher scheint mir zu sein, dass Alphart Geyer ein Pseudonym ist. Und warum sollte man bei einer seriös recherchierten Doku ein nom de guerre benutzen? Auch Quellenangaben sucht man im Abspann übrigens vergebens...:rolleyes: Deshalb habe ich beschlossen keine Zeit mit dem Film zu verschwenden, sondern lieber diesen Beitrag zu schreiben - ich würde den Film jedenfalls nicht allzu ernst nehmen...;)

Übrigens ist es auch kein Geheimnis das Hitler eigentlich davon träumte zusammen mit den Engländern gegen die Russen zu kämpfen und den Kommunismus mit Stumpf und Stiel auszurotten. Aus diesem Grund hat er mehrmals versucht einen Separatfrieden mit den Engländern zu schließen. Später, nach dem Kriegseintritt der USA, versuchte er mit allen Westmächten einen Separatfrieden zu schließen - immer mit dem Ziel den Vernichtungskrieg gegen die Russen fortzusetzen.
 
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end4win

Member of Honour
Also ich habe mir den Grossteil angeschaut.
Ein schönes Stück Wochenschaupropaganda in Farbe, wie es damals im Kino lief.
Auch wenn die genannten aussenpolitische Situation durchaus weitgehend korrekt
dargestellt wird, bis auf die Mutmassungen welche Ziele die einzelnen Staaten verfolgten,
Wird die innenpolitische Seite in Deutschland und die Umstände von Hitlers Machtergreifung
überhaupt nicht reflecktiert. Hier hat Hitler bestimmt nicht ein Verhalten an den Tag
gelegt, der ihn aussenpolitisch zum zuverlässlichen Partner gemacht hätte.
Auch die offenen Kriegsdrohungen von Hitler werden, wie Nebensächlichkeiten erwähnt
Mal ganz zu Schweigen von der wirtschaftlichen Situation, Deutschland war
praktisch Bankrott und der anscheinende wirtschaftliche Aufschwung war einer auf Pump,
und hätte wohl ohne den Krieg den finanziellen Zusammenbruch zur Folge gehabt.

Gruss
 
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benediktibk

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Das beruhigt mich, da die beiden Posts meinen bisherigen Wissenstand unterstützen. Habe ich doch nicht alles komplett falsch mitbekommen während meiner Schulbildung.

mfg benediktibk
 
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