Wer spricht denn von Revolutionen? Revolutionen sind Massenbewegungen. Wir (die wir uns für Bürgerrechte und Datenschutz einsetzen) sollten endlich mal begreifen, dass wir nicht die Mehrheit sind. Wir können deshalb nichts revolutionieren. Aber ich denke, dass Veränderungen trotzdem möglich sind. Wenn wir Veränderungen wollen, dürfen wir nicht darauf warten, dass sie gemacht werden. Machen wir sie doch selbst!
Wenn ich mir die Demos des AK Vorrat usw anschaue, muss ich sagen: Ja, das sind gute Aktionen. Aber sie verfehlen ihr Ziel. Sie sind zu passiv, zu brav. Wir riskieren dabei nichts. Und das ist mE der Grund, warum wir nicht ernst genommen werden, von den Medien nicht, von Mitbürgern ohne technisches Verständnis und vor allem nicht von Politikern. Ich bin nahe dran zu glauben, dass die bisherige Bewegung der Datenschützer und Bürgerrechtler zum Scheitern verurteilt ist: Weil niemand etwas riskieren will. Weil wir zwar von "mistrust authority" überzeugt sind, aber ja nix machen wollen, was möglicherweise verboten sein könnte. Dabei gibt es sehr viele Formen des aktiven Protests, die niemandem wehtun und einfach zu machen sind. Ich denke, dass es da in der Bewegung der Bürgerrechtler und Datenschützer dringend Nachholbedarf gibt.
Ich bin fest überzeugt, dass unser Ziel, den Überwachungsstaat abzuwenden, erreicht werden kann. Dafür ist keine Mehrheit nötig; die Politiker setzen sich ohnehin jeden Tag über Mehrheiten hinweg und kein Hahn kräht danach. Die Mehrheit scheißt auf uns - scheißen wir auf die Mehrheit!
Aber wir brauchen ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich lese hier im Thread immer wieder davon, dass der kleine Einzelne nix ausrichten könne. Kann er auch nicht. Aber wir sind nicht sooo wenige. Wir verstecken uns nur vor unseren Computern und wissen gar nichts von den andern. Wir sind Teil einer Bewegung, die international ist: Auch in anderen Ländern haben Politiker feuchte Träume von der Orwelliade, und es gibt Aktivisten, die die Umsetzung bekämpfen. Die engagierten Gruppen und Einzelpersonen müssen sich stärker vernetzen und aktiver vorgehen, dann kann auch eine Minderheit Erfolg haben: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir müssen aufhören, über die Passivität unserer Mitbürger rumzujammern und mal selbst unsere Ärsche hochkriegen. Seien wir doch Menschen, die was riskieren, die wirklich aktiv sind. Schaffen wir Alternativen; ein paar Ideen wurden ja schon gepostet, denken wir sie weiter! Zeigen wir den Politikern: Wir meinen es ernst, wir können auch anders und ihr könnt unsere Meinung auch nicht aus unseren Köpfen rausprügeln. Wer zu solchen Risiken und Nebenwirkungen nicht bereit ist, soll es halt lassen. Denn bei bloßer Überwachung = Beobachtung wird es nicht bleiben, das verspreche ich euch. Ich kenne diverse Erscheinungsformen staatlicher Repression aus meiner Partizipation in der Studentenbewegung und kann jeden gut verstehen, der sich ihr nicht ausgesetzt sehen will. Aber rumjammern soll er dann bitte nicht...