Kann Christian Wulff die Enthüllungen aussitzen?

Kann Wulff die Kreditaffäre einfach aussitzen?

  • Nein, er muss zurücktreten

    Abstimmungen: 17 50,0%
  • Nein, er muss sich zumindest erklären & entschuldigen

    Abstimmungen: 4 11,8%
  • Ja, denn andere sind auch nicht besser

    Abstimmungen: 6 17,6%
  • Ja, denn er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen

    Abstimmungen: 5 14,7%
  • Mir egal

    Abstimmungen: 2 5,9%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    34
#1
Ich fände es interessant zu sehen wie das HaBo über die Causa Wulff denkt und möchte daher hier die Frage stellen ob der Bundespräsident die Enthüllungen, wie er es derzeit probiert, einfach aussitzen kann?
Für die schlecht informierten hier noch einmal ein kurzer Überblick über die Enthüllungen über Christian Wulff: Der Stein wurde durch die BILD ins Rollen gebracht, die vor einigen Tagen enthüllte das Wulff als Ministerpräsident von Niedersachsen einen 500.000 Euro Privatkredit angenommen hatte und zwar angeblich von Frau Geerkens, der Ehefrau von Egon Geerkens, des "väterlichen Freundes" von Christian Wulff. Problematisch wurde die Enthüllung vor allem durch die Tatsache das Wulff bei einer offiziellen Befragung des niedersächsischen Landtags - die zustande kam, weil zuvor enthüllt worden war das Geerkens Wulffs komplette Familie bei einer Flugreise kostenlos in die Erste Klasse aufgewertet hatte - jede Geschäftsbeziehung zu Egon Geerkens abstritt. Den Kredit in Höhe von einer halben Million Euro verschwieg er dabei. Auf Druck der Kanzlerin räumte Wulff daraufhin Fehler ein und gab zu den Kredit hätte er eigentlich erwähnen müssen - doch seit dem ist die Angelegenheit für Wulff noch brisanter geworden: In einem Interview mit dem Spiegel gab Egon Geerkens mehr oder weniger offen zu, dass der Kredit in Wahrheit doch von ihm käme. Geerkens hätte persönlich die Konditionen mit Wulff ausgehandelt und er hätte sich auch selbst überlegt wie er verschleiern könnte das " so viel Geld von mir an Wulff fließt". Wulff, der mittlerweile nur noch seine Anwälte zu den Enthüllungen Stellung beziehen ließ, blieb hingegen bei seiner Darstellung. Auch wenn seine Anwälte mittlerweile eingeräumt haben, dass er den Kredit mit Egon Geerkens ausgehandelt hat. Es ging also plötzlich nicht mehr darum ob Wulff seinen Landtag spitzfindig Informationen vorenthielt, sondern ob er vorsätzlich gelogen hat. Auch Juristen & Verfassungsrechtler meldeten sich vermehrt zu Wort und erinnerten an das niedersächsiche Ministergesetz das Ministern und Regierungsangehörigen nicht nur die Annahme von Geschenken und Vergünstigungen im allgemeinen, sondern auch von vergünstigten Krediten im speziellen untersagte. Nach Meinung vieler Juristen hat Wulff gegen das Gesetz verstoßen. Eine Untersuchung über Verstöße gegen das Ministergesetz hat die schwarz-gelbe Koalition in Niedersachsen mit ihrer Mehrheit im Ältestenrat bereits nach 15 Minuten abgeschmettert. Und auch das ist noch nicht alles, unter Druck legten Wulffs Anwälte offen, dass dieser sich zwischen 2003 und 2010 in einem halben Dutzend Fällen von reichen Unternehmern in den Urlaub einladen liess. Darüberhinaus hat einer dieser Unternehmer, Carsten Maschmeyer, mehr als 40.000 Euro für eine Anzeigenkampagne für Wulffs Interviewbuch "Besser die Wahrheit" gezahlt - angeblich ohne das Wulff davon wusste...

Vor einigen Jahren, als Bundespräsident Rau mit der Düsseldorfer Flugaffäre in Verbindung gebracht wurde, fordert Wulff dessen Rücktritt. Wörtlich sagte er: "Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben" und "Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann." Bei Rau ging es darum das dieser sich auch Privatflüge von der WestLB "sponsern" ließ, bei Wulff geht es um:
- "gesponserte" Urlaube in einen halben Dutzend Fällen
- einen 500.000 Euro Privatkredit, der möglicherweise gegen das Ministergesetz verstoßen hat und über den Wulff den Landtag möglicherweise belogen hat
- eine "gesponserte" Anzeigenkampagne die möglicherweise gegen das Parteienfinanzierungsgesetz verstoßen hat

Und Christian Wulff, der einst körperlich darunter litt keinen unbefangenen Bundespräsidenten zu haben, der mit moralischer Autorität die Stimme erheben kann? Der schweigt, beziehungsweise der lässt seine Anwälte reden. Und das ist auch dringend notwendig, denn mittlerweile liegen zahlreiche Strafanzeigen gegen Christian Wulff vor. Den Bundespräsidenten scheint es nicht sonderlich zu stören, aber vielleicht stört ihn, der sich gern als tiefgläubiger Katholik generiert, dieser Kommentar von Kardinal Meisner:
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner legte Wulff am Dienstagabend indirekt den Rücktritt nahe. Im WDR sagte Meisner, wenn er selbst in einer vergleichbaren Lage wäre, "dann müsste ich meinen Hirtenstab abgeben, dann müsste ich resignieren". An Wulffs Stelle würde er nun erklären: "Ich bin ein armer Sünder, habe versagt."
Und was denkt das Habo?

Edit:
Wulff reagiert, laut einer Eilmeldung hat er seinen Pressesprecher gefeuert und eine Erklärung für 15:30 Uhr angekündigt: Olaf Glaeseker von Aufgaben entbunden - Bundespräsident Wulff entlässt seinen Sprecher - Politik - sueddeutsche.de

Und der Spiegel meldet neue Enthüllungen:
Als er Anfang 2010 einen Kredit für sein Haus bei der BW-Bank aufnahm, kam ihm das Geldinstitut sehr weit entgegen. Nach Informationen des SPIEGEL schloss Wulff mit der BW-Bank keinen normalen Immobilienkredit ab, sondern ein komplexes Finanzkonstrukt, um die 500.000 Euro aus dem Hause des Unternehmer-Ehepaars Geerkens zurückzahlen zu können.

Ein solches Konstrukt ist eher bei Unternehmen üblich - nicht aber bei der Finanzierung eines Eigenheims in Großburgwedel. So lagen zum Beispiel die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung von normalen Kunden.
Und auch weitere Verstrickungen mit Unternehmern:
Kritisch könnte für Wulff zudem seine enge Verbindung zu dem Party-Veranstalter Manfred Schmidt werden. Schmidt hatte den "Nord-Süd-Dialog" organisiert, eine Veranstaltungsreihe in den Jahren 2007 bis 2009.
[...]
Allein mit dem letzten "Nord-Süd-Dialog" im Dezember 2009 soll Schmidt mehrere hunderttausend Euro verdient haben, die von Unternehmen als Sponsoren für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt worden waren. Am Einwerben dieser Sponsorengelder soll die Staatskanzlei beteiligt gewesen sein, was Wulff allerdings bestreitet.

Schmidt wiederum hatte am 30. Juni 2010 - dem Tag, an dem Wulff zum Bundespräsidenten gewählt worden war - in Berlin auf eigene Kosten eine Party für Wulffs Freunde organisiert. Zu diesem Fest war Wulff am späteren Abend erschienen, um sich feiern zu lassen.
Quelle: Hauskauf-Affäre: Wulff*bekam Schnäppchenkredit der BW-Bank* - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
 
Zuletzt bearbeitet:

sTEk

New member
#2
Lustig snd ja mehrere Dinge:

Die BILD ist nicht unbedingt dafür bekannt, dem Hause Springer nicht besonders zugewandte Leute zu unterstützen. Daher würde ich gern wissen, was Herr Wulff getan...oder evtl. nicht getan hat.

Ob die ihm (noch) zuwinkenden und unterstützenden Weggefährten wohl auch noch so laut tönen, wenn er evtl. geht? Und wenn sie ihn für so unfehlbar und akkorat halten > gehen die dann auch gleich mit? Eigentlich müssen sie dies tun, denn scheinbar halten sie es ja sonst auch so wie er.

Es ist nicht weiter schwer, die möglichen Zukunftsszenarien zu sehen.


  1. Alles geht an ihm irgendwie vorbei und er debattiert mit Hilfe einiger "Parteifreunde" alles weg. (sehr wahrscheinlich)
  2. Es kommen noch ein paar Details zu Tage und er wird gegangen. (auch sehr wahrscheinlich)
  3. Er hat nen Arsch in der Hose und zieht einen Schlussstrich. (sehr unwahrscheinlich)


Zum Schluss aber noch eine Überlegung:
Wenn wir unsere Politiker den Spruch "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" anwenden lassen würden, dann würden wohl nicht einmal Kiesel rollen. *hüstel*
 
#3
sTEk hat gesagt.:
Zum Schluss aber noch eine Überlegung:
Wenn wir unsere Politiker den Spruch "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" anwenden lassen würden, dann würden wohl nicht einmal Kiesel rollen. *hüstel*
Das ist ja eine Überlegung die man immer wieder hört - auch in der Guttenberg-Affäre wurde immer damit argumentiert das "die doch alle Dreck am Stecken haben". Aber wohin führt das? Ganz davon abgesehen das z. B. von den Bundestagsabgeordneten die meisten vermutlich keine Plagiatoren sind oder sich regelmäßig von Wirtschaftsbossen in den Urlaub einladen lassen - was für ein Zeichen setzt man damit, wenn sogar überführte Politiker einfach weiter machen können wie zuvor?
Wie soll es besser werden, wenn jemand dessen Verfehlungen offenkundig geworden sind, dafür nicht bestraft wird und sei es nur mit dem Ende seiner politischen Laufbahn? Nur wenn Politikern klar ist das ihre politische Karriere vorbei ist, sobald sie überführt werden, haben sie einen Grund ihre Handlungen zu überdenken. Wenn man immer sagt Na und, die anderen sind auch nich besser, wird damit jeder Politiker bestraft, der rechtschaffen ist...:rolleyes:
 

end4win

Member of Honour
#4
Also wo ich eigentlich das grösste Problem sehe, ist eigentlich der respektlose Umgang
mit diesem repräsentativen Amt. War übrigens der Rücktrittsgrund von Köhler, nur hat
anscheinend weder die Presse noch die Politik verstanden was damals passiert ist.

Denn offensichtlich wird weder von der Politik vorab geklärt, ob der Kandidat entsprechend
integer ist, noch wird von Seiten der Presse vor der Schlagzeile dem Präsidenten Gelegenheit
gegeben Stellung zu beziehen oder Konsequenzen zu ziehen. Im Gegenteil, es wird scheibchenweise
immer noch eins draufgesetzt.

Hier wird nicht nur der Amtsinhaber demontiert, sondern das Amt an sich geschädigt und
ich finde das Bundespräsidentenamt sollte nicht für eine höhere Auflage oder politischen Wahlkampf
geopfert werden.

Allerdings ist ein Politiker, der seine Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung verloren hat,
als Bundespräsident unhaltbar. Er repräsentiert schliesslich nicht die Kaste der Politiker,
sondern Deutschland und dort gibt es Leute, die einen glaubwürdigen Repräsentanten
verdient haben.

Gruss
 
Zuletzt bearbeitet:
Gefällt mir: sTEk
#5
end4win hat gesagt.:
Also wo ich eigentlich das grösste Problem sehe, ist eigentlich der respektlose Umgang
mit diesem repräsentativen Amt.
Mir stellt sich hier die Frage wie man ein Amt respektieren kann, wenn man den Inhaber dieses Amtes nicht respektieren kann.

end4win hat gesagt.:
Hier wird nicht nur der Amtsinhaber demontiert, sondern das Amt an sich geschädigt und
ich finde das Bundespräsidentenamt sollte nicht für eine höhere Auflage oder politischen Wahlkampf geopfert werden.
Ja, das Amt wird beschädigt - aber nicht durch berechtigte Kritik an der Person Wulff, sondern durch die Taten und das Verhalten des Amtsinhabers höchstselbst. Und politischer Wahlkampf trifft das Geschehen nicht ganz, dass würde eigentlich bedeuten das die Opposition die Affäre mächtig für sich ausschlachtet und zum Angriff bläst - die Opposition verhält sich aber tatsächlich eher zurückhaltend. Die ersten Rücktrittsforderungen kamen von FDP Hinterbänklern (schon am Anfang der Affäre), mittlerweile hat die Angelegenheit sich mächtig zugespitzt, die Kritik wird schärfer, aber echte Rücktrittsforderungen kommen afaik nur von den Linken.
Hingegen hat die Union das Amt von Beginn an für partei-politische Spielchen missbraucht. Mit der Wahl Wulffs zum BP hat die Kanzlerin zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie hat einen Unions-Parteisoldaten als BP installiert und musste somit keinen unbequemen, kritischen Präsidenten befürchten und sie hat einen der letzten Partei internen Rivalen auf CDU-Vorsitz & Kanzlerkandidatur aufs Abstellgleis geschoben. Gauck war in vielerlei Hinsicht der bessere Kandidat: Er wa beliebter im Volk und bei den Parteien (außer den verbohrten Linken), er konnte auf ein prestigeträchtiges Lebenswerk zurückblicken und er war / ist Wulff an Ausstrahlung und, wie man von Leuten hört die beiden kennen, an Intellekt überlegen. Aber Gauck hat einen eigenen Kopf und wäre sicherlich ein unbequemer und laut hörbarer BP geworden - im Gegensatz zu Wulff der ein schwacher BP ist, der eine Rede zur Integration gehalten hat und ansonsten nur den Grüßaugust macht. Merkel hat mit der Durchsetzung ihres Wunschkandidaten Wulff also egoistisch gehandelt: Sie hat nicht den besten Mann für das Amt und den Staat nominiert, sie hat den Kandidaten gewählt der an besten für sie selbst ist...X(
Nicht umsonst brauchte schwarz-gelb, trotz deutlicher Mehrheit, drei Wahlgänge um Wulff zu inthronisieren - und ohne die schwachsinnigen Linken hätten sie es gar nicht geschafft.

end4win hat gesagt.:
Denn offensichtlich wird weder von der Politik vorab geklärt, ob der Kandidat entsprechend
integer ist, noch wird von Seiten der Presse vor der Schlagzeile dem Präsidenten Gelegenheit
gegeben Stellung zu beziehen oder Konsequenzen zu ziehen.
Es ist sehr wohl üblich bei der Presse vor Veröffentlichungen auch die Betroffenen zu befragen - nicht aus Fairplay, sondern weil es zur grundlegenden journalistischen Vorgehensweise gehört. Das erste was ein Journalist lernt ist, dass in einem Artikel die Antworten auf die 6-W-Fragen und Interviews mit allen Beteiligten gehören. Auch im Fall Wulffs wurde so vorgegangen, der Spiegel veröffentlichte jüngst die Anfrage der BILD im Wortlaut und kommentierte die Reaktion des BP sehr vielsagend:
Die Fragen wurden am Montag, 12. Dezember, durch den Sprecher des Bundespräsidenten Olaf Glaeseker beantwortet.
Kurz vor Redaktionsschluss wurden die Antworten jedoch zurückgezogen. Um 18.19 Uhr erfolgte der Anruf Wulffs auf dem Handy des 'Bild'-Chefredakteurs."
Ich denke das Amt des BP wurde schwer geschädigt, aber nicht durch Kritiker, sondern einzig und allein durch den völlig ungeeigneten Amtsinhaber. Und wenn man sich dann die Kommentare der internationalen Presse zu der Causa Wulff anschaut, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen das er auch das Ansehen der Regierung Merkel und das Ansehen Deutschlands geschädigt hat:
«Le Monde» (Frankreich): «Kann dieser Präsident in äußerster Bedrängnis im Amt bleiben?»
«Corriere della Sera» (Italien): «Jetzt befindet sich die Zukunft von Wulff in den Händen von Kanzlerin Merkel.»
«Neue Zürcher Zeitung» (Schweiz): «Ein Präsident, der die unfassbare Dummheit begeht, angesichts einer drohenden Blamage wie Rumpelstilzchen zu toben und seine Suada auch noch auf einer Mailbox zu hinterlassen, verströmt nicht die Würde, die das Amt erfordert. Und wenn er sich darüber beklagt, dass seine Auslassungen publik werden, klingt das schal.[...]»
«De Telegraaf» (Niederlande): »Wulff hat einen moralischen Kompass», urteilte die Pfarrerstochter aus der einstigen DDR bei seiner erfolgreichen Wahl. Doch Wulff hat sein Fingerspitzengefühl verloren. Selbst seine eigenen Parteifreunde lassen ihn im Stich.»
«Wiener Zeitung» (Österreich): Zumal er im Schatten der Rau-Affäre die Frage der Moral überstrapazierte. So soll er damals konstatiert haben, dass er physisch leide, weil Deutschland keinen unbefangenen Bundespräsidenten habe. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass der Moralapostel seine eigene Messlatte reißt. (…) Die Moral ist die Seele der Glaubwürdigkeit. Wer sie wie eine Monstranz vor sich herträgt, kann sie nicht mit Konjunktiven aufweichen, schon gar nicht der Bundespräsident. (…) Zurücktreten ist ein stiller, einsamer Akt. Aber er dient der Würde!»
«Mega» (Griechische Nachrichtensendung, laut bild.de): «Wie man sieht, hat nicht nur Griechenland Probleme in Sachen Korruption. Die Deutschen erzählen uns ständig, dass wir uns verändern müssen – dabei sitzt bei ihnen selbst der Präsident im Korruptions-Sumpf.»
Quelle: Internationale Pressestimmen: Wulff tobt wie "Rumpelstilzchen" - Politik - Aktuelle Politik-Nachrichten - Augsburger Allgemeine

Besonders vielsagend finde ich auch dieses Zitat aus der konservativen, österreichischen Tageszeitung "Die Presse":
Im Vergleich zu seinem Gegenkandidaten, dem ehemaligen DDR-Dissidenten Joachim Gauck, fehlte dem streberhaften CDU-Parteisoldaten von Anfang an das Format. Dieser Eindruck bestätigt sich nun. Wulff ist nicht ins Amt gewachsen, sondern darin weiter geschrumpft.
Quelle: Internationale Pressestimmen: "Wulffs Schicksal liegt in den Händen von Merkel" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

Man sollte sich immer vor Augen halten das hier internationale Journalisten vom deutschen Bundespräsidenten, dem höchsten Repräsentanten des deutschen Staates sprechen. Ja, ich denke das Amt des Bundespräsidenten wurde wirklich beschädigt...
 

xrayn

New member
#6
Diese Aussagen, dass man vor dem Amt des Bundespräsidenten Respekt habe, aber aufklären müsse, ist pure Heuchelei. Wäre es so gewesen, hätte man die Untersuchungen nicht in der Öffentlichkeit durchgeführt, sondern ein Sitzkreis aus Regierungs-/Oppositionsmitglieder, Juristen und Journalisten (in gleicher Anzahl vertreten) gebildet und Nachforschungen betrieben. Hätte sich herausgestellt, dass Wulff tatsächlich etwas verbotenes getan hat, hätte man ihm das inkl. Beweise vorgelegt und er wäre zurückgetreten, wenn nicht, hätte man dies auch veröffentlicht und Wulff sich entschuldigt.

Der Schaden für einen Politiker entsteht vor allem dadurch, dass man ihm irgendetwas vorwirft (egal ob wahr oder nicht) und anschließend die Art wie er damit umgeht ausschlachtet.

Die Motive sind klar: Den Journalisten geht es um die, mit den Schlagzeilen verbundene, Auflage. Der Opposition darum der Regierung zu schaden - man überlege sich mal was passiert wäre, hätte man Einstimmig (CDU/CSU, FDP, Grüne, SPD) Gauk zum BP gemacht und dieser hätte einen solchen Kredit aufgenommen.

Man sieht also schön, dass der Respekt vor dem Amt nie vorhanden war, sondern es wie immer um Geld & Macht geht.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
#7
1. Ist der Vorwurf gegen Wulff, gegen das Ministergesetz verstossen zu haben eine reine Auslegungssache. Es kann ihm imho schwerlich der "Bezug zum Amt" nachgewiesen werden. Auf gar keinen Fall abe rist der Bezug zum Amt offensichtlich gegeben.
Zudem ist Wulff mit dem Kreditgeber schon lange befreundet so dass rein geschäftliche Zweckverbindungen ebenso wenig offensichtlich sind.

2. Wurden Reisen bezahlt - auch von dem befreundeten Kreditgebern. Ja und? Auch hier ist der Bezug zum Kredit reine Sache der Auslegung (oder parteilicher Gesinnung)


Unterm Schnitt wuerde ich sagen das war nicht besonders schlau was er da getan hat - aber nur weil er eben in einer heiklen Position in der Öffentlichkeit steht.

Aber bisher wurde ihm in dieser "Affäre" kein eindeutiger Verstoss gegen das Ministergesetz vorgeworfen das für einen Verstoss den "Bezug zum Amt" verlangt.

Ein paar Threads weiter wird noch darüber gejammert das wir mittlerweile Leute verurteilen, deren Schuld noch gar nicht bewiesen ist. Im Fall Wulff ist seine Schuld ebensowenig eindeutig erwiesen und ich finde man sollte ihn nicht haengen bevor man ihm genau das nachgewiesen hat.

Spekulationen und "Anscheinsbeweise" sollten bei niemandem in diesem Staat für ein Urteil reichen.


Ich wuerde mit wünschen das die Staatsanwaltschaft anstaendig ermittelt und die Sachlage feststellt. Derweil könnte sich dieses Politikerpack zur Abwechselung mal wieder um ihre eigentliche Arbeit kümmern.
 

end4win

Member of Honour
#8
@xrayn
Würde ich jetzt nicht mehr unterschreiben.
Offensichtlich war Wulff über die Vorwürfe und den geplanten Artikel vorab informiert.
Wie lange wäre interresant zu Wissen, auf jedenfall hätte er die Möglichkeit gehabt
angemessen zu Handeln, denn diesen Privatkredit hätte er durchaus ohne grösseren Schaden
überstanden. Doch weder die Art und Weise, wie er den Artikel verhindern wollte
noch wie er dann den Kredit abgelöst hat und die Öffentlichkeit darüber informiert hat
kann man ihm meiner Meinung nach verzeihen.

Er ist definitiv nicht über einen Presseartikel gestürzt, sondern über sein Verhalten.
Dieses war schlichtweg skandalös und meiner Meinung nach dem Amt nicht angemessen.
Dass die Bildzeitung nicht gleich den Wortlaut seiner AB-hinterlassenschaft veröffentlicht
hat zeigt meiner Meinung nach schon ein gewisses Mass an Respekt vor dem Amt
und dass man ihm Gelegenheit geben wollte sich zu erklären. Es wäre allein seine
Aufgabe gewesen die rechtliche Seite zu klären und die Öffentlichkeit entsprechend zu informieren,
da braucht es meiner Meinung nach keinen Stuhlkreis wie im Kindergarten.

Gruss
 
#9
xrayn hat gesagt.:
Diese Aussagen, dass man vor dem Amt des Bundespräsidenten Respekt habe, aber aufklären müsse, ist pure Heuchelei. Wäre es so gewesen, hätte man die Untersuchungen nicht in der Öffentlichkeit durchgeführt, sondern ein Sitzkreis aus Regierungs-/Oppositionsmitglieder, Juristen und Journalisten (in gleicher Anzahl vertreten) gebildet und Nachforschungen betrieben. Hätte sich herausgestellt, dass Wulff tatsächlich etwas verbotenes getan hat, hätte man ihm das inkl. Beweise vorgelegt und er wäre zurückgetreten, wenn nicht, hätte man dies auch veröffentlicht und Wulff sich entschuldigt.
Ist das Dein ernst? Zum einen wurde der Stein durch journalistische Recherchen ins Rollen gebracht und Journalisten werden nun einmal nicht dafür bezahlt Informationen unter der Hand weiterzugeben, sondern sie zu veröffentlichen. Sollen Journalisten etwa nicht ihre Arbeit machen dürfen, nur weil die Person, von der sie Verfehlungen aufdecken, zufällig ein wichtiges Amt bekleidet?
Zum anderen - und das ist sehr viel wichtiger - Aufklärung entsteht nicht durch heimliche Mauscheleien in Hinterzimmern. Selbst nachdem viele Details der Kreditaffäre publik wurden, hat schwarz-gelb im Ältestenrat eine Untersuchung und damit eine mögliche Aufklärung verhindert, indem sie mit ihrer Mehrheit in Niedersachsen die entsprechende Sitzung nach nur fünfzehn Minuten beendeten. Wieviel Aufklärung und Transparenz könnten wir wohl ohne den Druck der Öffentlichkeit erwarten?

Und wenn Du schon von Heuchelei sprichst: Der Heuchler ist ja wohl eindeutig Christian Wulff: Als Ministerpräsident, der bis zum Hals im Filz steckte, fordert er den Rücktritt eines Bundespräsdenten ("Ich leide physisch darunter") weil dieser als Ministerpräsident ebenfalls Vergünstigungen annahm - wo war da der Respekt vor dem Amt? Und warum sieht Wulff, dessen Verfehlungen deutlich zahlreicher sind, bei sich selbst keinerlei Rücktrittsbedarf?
Und wie kann ein Mann, der gerade versucht hat mit Drohungen ("Krieg") und dubiosen Angeboten ("Können doch über alles reden") versucht hat die freie Presse zu zensieren, sich danach hinstellen und die Pressefreiheit als hohes Gut bezeichnen und betonen wie sehr er die Pressefreiheit schätzt? DAS ist Heuchelei...X(
 

end4win

Member of Honour
#11
Hat hier jemand, der an dieser Hetzjagd beteiligt war, nun den Mut sich hier öffentlich zu schämen?
Eine Hetzjagd kann man nur veranstalten, wenn jemand versucht zu fliehen und
sich nicht der Verantwortung stellt. :wink:
Aber wenn du willst schäme ich mich dafür, dass wir in Deutschland solche Politiker
in solchen Ämtern haben. :p

Gruss
 

odigo

Member of Honour
#12
Ich finds immer wieder lustig wieviel Energie in solch banale Sachen gesteckt wird statt sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern. Hier ist jedes weitere Wort ein Wort zu viel. Möge die Jagd weiter gehen, ein paar Politiker sind noch übrig. Da findet sich bestimmt noch der ein oder andere der als Kind einen Kaugummi geklaut hat.
 
#13
Chromatin hat gesagt.:
Hat hier jemand, der an dieser Hetzjagd beteiligt war, nun den Mut sich hier öffentlich zu schämen?
Zum Thema Hetzjagd hat end4win alles gesagt - und schämen kann man sich nur für diesen Möchtegern-Bundespräsidenten...X(

odigo hat gesagt.:
Ich finds immer wieder lustig wieviel Energie in solch banale Sachen gesteckt wird statt sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern.
Banal? Nehmen wir nur den letzten Akt dieses Dramas: Gestern behauptet der BP in seinem "Interview" er hätte die Veröffentlichung nur verschieben und nicht verhindern wollen. Die BILD bestreitet das und liefert, mit dem Hinweis auf den zeitlichen Ablauf der Ereignisse, gute Hinweise darauf das die Behauptung des BP falsch ist. Hier stehts also im Grunde Aussage gegen Aussage. Wenn die BILD Recht hat, hat der BP das Volk, dass er eigentlich vertreten & repräsentieren soll, dreist belogen. Die Veröffentlichung des Protokolls könnte Klarheit schaffen - Wulff verweigert seine Genehmigung und verhindert somit, dass aufgeklärt werden kann wer nun die Wahrheit sagt. Und das einen Tag nachdem er im Interview betont hat er würde ganz neue Maßstäbe in Sachen Aufklärung & Transparenz schaffen...:rolleyes:
Der Mann ist eine Schande für das Amt des Bundespräsidenten. Ein Bundespräsident der nur noch über seine Anwälte kommuniziert? Ein amtierender Bundespräsident, der Journalisten anruft und bedroht, um unliebsame Veröffentlichungen zu verhindern? Ein Bundespräsident der in einem öffentlichen Interview, indem er verlorenes Vertrauen zurückgewinnen will, offensichtlich die Unwahrheit sagt? Jede Minute die dieser Mann sich länger an seinen Posten klammert, schadet dem Amt, schadet der Regierung und schadet Deutschland. Allein die Tatsache das er das nicht einsieht und entsprechend handelt, zeigt wie ungeeignet er für dieses Amt ist!

Edit:
Laut der Tagesschau widerspricht auch die BW Bank Wulffs Darstellung darüber wie der Kredit zustande kam...8o Bleibt die Frage: Hat der Typ auch nur ein wahres Wort von sich gegeben?
 
Zuletzt bearbeitet:

odigo

Member of Honour
#14
@Taratonga: Es kommt doch wohl immer darauf an mit welchem Maß man misst ob etwas ein Drama oder eine Banalität ist. Seit noch nicht so langer Zeit ist jede Lüge, jede finanzielle Ungereimtheit oder was weiß ich gleich ein absolute Katastrophe. Glaubst du denn wirklich daß es Politiker früher anders gemacht haben? Namen wie Kohl oder Strauß müssen ja schon fast das leibhaftige Böse verkörpern in den Augen der heutigen Gesellschaft. Waren sie denn wirklich so schlecht? Der Unterschied zwischen heute und früher ist einfach nur daß es heute viel mehr Leute gibt die sich mit der "Aufklärung" solcher "Schandtaten" profilieren können und nicht zuletzt auch ihren Geldbeutel zu füllen. So ein Schlagzeile in Bildzeitung lässt sich (heute) sicherlich gut verkaufen. Das gleiche Phänomen kann man doch mit Umweltkatastrophen feststellen. Es sind nicht mehr geworden, es wird nur mehr darüber berichtigt.
 

end4win

Member of Honour
#15
@odigo
Es sind doch gar nicht die Vorwürfe, sondern die Reaktion darauf die man ihm vorwirft.
Mal abgesehen davon, dass man weder Kohl und schon gar nicht Strauss das Amt
des Bundespräsidenten, dies aus gutem Grund, angeboten hätte. Wäre deren Reaktion
ganz anders ausgefallen.

Ungefähr so: Des geht euch einen feuchten Kehrricht an von wem ich mir Geld leihe,
solange ich ausser dass ich es zurückzahle keine Zugeständnisse an den Kreditgeber gemacht habe
Und wen ich auf Reisen mitnehme und bei wem ich Urlaub mache noch viel weniger.
Also findet etwas wirklich strafrechtlich Relevantes oder haltet die Klappe.

Bei Strauss noch ein paar Kraftausdrücke einfügen und bei Kohl den Schlusssatz
der Kredit ist abgelöst und ich bin gerade dabei zu vergessen, dass es ihn je gab,
also erwarten sie keine weiteren Erklärungen.

Genau so eine Reaktion vielleicht etwas diplomatischer formuliert, hätte man sich
direkt nach seiner Rückkehr gewünscht und das Thema wäre vor Weihnachten vom Tisch gewesen.

Gruss
 
#16
@odigo:
odigo hat gesagt.:
Seit noch nicht so langer Zeit ist jede Lüge, jede finanzielle Ungereimtheit oder was weiß ich gleich ein absolute Katastrophe. Glaubst du denn wirklich daß es Politiker früher anders gemacht haben?
Nein. Lügen waren schon immer Lügen, finanzielle Ungereimheiten waren schon immer finanzielle Ungereimtheiten. Und Spitzenpolitiker die sich in Lügen oder in finanziellen Ungereimheiten verstricken, waren auch früher schon untragbar.

Namen wie Kohl oder Strauß müssen ja schon fast das leibhaftige Böse verkörpern in den Augen der heutigen Gesellschaft. Waren sie denn wirklich so schlecht?
Scheiße - ich hab schon immer gehofft das mir jemand diese Frage stellt. Waren die wirklich so schlecht? Kohl war 16 Jahre lang Kanzler und stand einer Regierung vor, die für den größten Parteispendenskandal Nachkriegsdeutschlands verantwortlich war und deren korruptes Verhalten bis heute als "System Kohl" bezeichnet wird.
Die politische Karriere von Franz Josef Strauß ist so voller Skandale und unglaublichen Affären, dass ich gar nicht erst versuche einen Überblick zu bieten.
Ja, die waren schlecht. Ja, sie sind mit ein Grund darum warum Politik in DE so gelaufen ist, denn sie sind beispielhaft für die korrupten Pfeifen, die nach der politischen Macht gegriffen haben.

odigo hat gesagt.:
Der Unterschied zwischen heute und früher ist einfach nur daß es heute viel mehr Leute gibt die sich mit der "Aufklärung" solcher "Schandtaten" profilieren können und nicht zuletzt auch ihren Geldbeutel zu füllen. So ein Schlagzeile in Bildzeitung lässt sich (heute) sicherlich gut verkaufen. Das gleiche Phänomen kann man doch mit Umweltkatastrophen feststellen. Es sind nicht mehr geworden, es wird nur mehr darüber berichtigt.
Das ist eine ziemlich zynische Betrachtungsweise, es gibt imho nicht mehr passive Konsumenten, sondern mehr Menschen die über Informationen nachdenken...;)
 

LX

Member of Honour
#17
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das ganze Thema mittlerweile nur noch ein Diekmann-Wulff-Schwanzvergleich ist.

Ersterer versucht sich in Muskelspielen um die Macht seines Schundblattes unter Beweis zu stellen - frei nach dem Motto wir machen Päpste und stürzen Bundespräsidenten. Und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich beschämend, dass sich FAS und SZ dafür auch noch instrumentalisieren lassen.

Wulff wiederum versucht, den starken Mann zu verkörpern und klammert sich aus falschem Pflichtbewusstsein an sein Amt, damit nicht innerhalb von zwei Jahren zwei Bundespräsidenten verschlissen werden.

Und dazwischen wird allerorts beklagt, dass das Amt beschädigt sei und das doch nicht sein könne. Damit wird aber verkannt, dass der Bundespräsident zwar offiziell Staatsoberhaupt ist, aber abgesehen von ein paar wärmenden Worten zu Weihnachten und gelegentlich mal einer Unterschrift keine nennenswerten Aufgaben hat, die das Amt als solches und die damit verbundenen 200.000 Euronen auf Lebenszeit legitimieren würden. Georg Diez hat das in seiner lesenswerten Kolumne auf SpOn ganz gut dargestellt, warum der Bundespräsident im Prinzip überflüssig ist - und dass das auch mit einer anderen Personalie nicht anders aussähe.

Denn letztlich: Wer hat sich denn schonmal von einem Bundespräsidenten repräsentiert gefühlt, den man nicht mal selbst wählen durfte? Und welche Namen werden fallen, wenn man im Ausland mal nach repräsentativen Deutschen fragt?
 

Chakky

Member of Honour
#20
Ich finds immer wieder lustig wieviel Energie in solch banale Sachen gesteckt wird statt sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern. Hier ist jedes weitere Wort ein Wort zu viel. Möge die Jagd weiter gehen, ein paar Politiker sind noch übrig. Da findet sich bestimmt noch der ein oder andere der als Kind einen Kaugummi geklaut hat.
So seh ich das auch.

Langsam aber sicher geht mir das Thema auf den Senkel, ich glaube das geht auch einen anderen großen Teil der Bevölkerung so und deswegen sind die Umfragewerte zurzeit so konstant wie das Sibirischewetter :rolleyes:

Vielleicht ist das auch ein großes Ablenkungsmanöver, sind in letzter Zeit irgendwelche Gesetze verabschiedet wurden?
 
Oben