Internet Projektgruppe Netzneutralität

Wie heise berichtet hat gerade die Projektgruppe Netzneutralität des Bundestages ihren Zwischenbericht vorgelegt - besonders einig scheint man sich aber nicht zu sein:
Der Vorsitzende der Projektgruppe Netzneutralität Peter Tauber (CDU) betonte die Einigkeit in der Frage, dass Netzneutralität ein hohes Gut sei. Es gebe "nur Meinungsunterschiede, wie diese zu gewährleisten sei."
Soweit sind sie sich also schon eimal einig, doch besonders viel scheint das nicht zu besagen, denn im selben Artikel heisst es:
Strittig blieb die Frage, was mit Netzneutralität genau gemeint ist. So herrschte keine Einigkeit, ob und wenn ja welche Diensteklassen möglich oder unmöglich sind.
Alle sind sich einig das Netzneutralität ein hohes Gut ist, leider weiß keiner so genau was Netzneutralität eigentlich ist...:rolleyes:
Sind Politiker nicht immer wieder unterhaltsam?

Quelle:
heise online - Internet-Enquete: Für Netzneutralität
 
Bis vor kurzem hätte ich auch uneingeschränkt für die Neutralität der Pakete plädiert. Geändert hat meine Meinung eine Vorlesung über Netzwerke. Es macht unter Umständen schon Sinn andere Pakete zu benachteiligen, um ein gewisses Maß an QoS für bestimmte Dienste zu gewährleisten zu können. Es geht mir dabei weniger um so Zeugs wie IPTV, aber jemanden, der im Internet surft, kann es egal sein, ob die eine Seite nach 5ms, die nächste nach 3 und eine andere nach 7ms lädt - einem Kontrollsystem für Echtzeitsysteme kann man einen solche Jitter aber eher weniger zumuten. Solange sich eine Benachteiligung nicht spürbar auf den Anwender auswirkt, ist eine Netznichtneutralität zumutbar. Zensur geht natürlich garnicht!
 
Prinzipiell würde ich Dir zustimmen, allerdings ist die Gefahr des Missbrauchs einfach enorm. Wie heißt es so schön? Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Zuerst sägt man mit den besten Absichten an der Netzneutralität und ehe man sich versieht hat der Traffic von Bezahldiensten oder Konzernen Vorfahrt, während für die weniger privilegierten User WWW plötzlich wieder für Weltweites Warten steht...:rolleyes:
 
Wer mal in einem Rechenzentrum gearbeitet hat, der weiss, dass es die Netzneutralität schon jetzt nicht mehr gibt. Es kommt nämlich durchaus darauf an welche Peers ein Server angebunden ist, ob er für Provider X oder Y mehr oder weniger gut erreichbar ist.

Weiterhin ist es nichts sonderlich neues, dass z.B. Youtube bei Telekom-Anschlüssen langsamer ist als bei anderen Providern. Das liegt daran, dass Cogent und Telekom ein Peering betreiben und die Telekom nicht bereit ist für zusätzlichen Traffic zu zahlen, weswegen die Pakete vom Telekom-Backbone unterpriorisiert werden. An Cogent hängt aber Youtube dran.

Netzneutralität gibt es also bereits seit Jahren nicht mehr und daher wundert es mich, dass jetzt erst eine Diskussion darum aufkommt.
 
@bitmuncher

Bisher hat dies der Markt selbst geregelt. Wen das zu sehr gestört hatte und konsequent genug war, der hat eben seinen Provider gewechselt.

Jetzt wirds einigen zu bunt und der Gesetzgeber will (irgendeine Art von) Neutzneutralitaet verpflichtend machen.

Die grossen Carrier kriegen das heulen bei dem Gedanken daran, das jeder der ne 50MBit Leitung das auch nutzt und sie keine Moeglichkeit haben zusaetzlich Kohle zu generieren.

Ich fände folgenden Gesetzestext voellig ausreichend:

"Die Neutralität aller Datenpakete in einem TCP Netzwerk ist zu gewährleisten"

Das kann man jetzt nun noch ein bischen verfeinern.

Kleinere Abstufungen muss man eben in Kauf nehmen, wie Du schon sagtst. Im uebrigen ist eine "deutsche Netzneutralitaet" nur bedingt sinnig, wenn ich ueber den grossen Teich oder in andere Backbones surfe, die das eben nicht so sehen.

Die bessere Alternative liegt jedenfalls im Markt.

Ich bin dafür das Provider sowas über Produkte regeln, zB stärkeres Preisgefälle bei den Bandbreiten. Eine "Grundversorung" von 1-2MBit für das tägliche Leben im Netz ist für mich und viele andere absolut ausreichend. Praktisch gibts das fast nur noch von den Mobilfunkanbietern. Zusätzlich sind Volumentarife denkbar -> Wer halt den ganzen Tag youtube glotzen will, soll eben 5 Euro mehr zahlen, womit wir bei einer Art Maut wären.

Das ermöglicht den Anbietern weiterhin den freien Markt und es ist trotzdem gesetzlich die Neutralität von Datenpaketen gewährt. Und der Benutzer kann sich frei entscheiden und ein Produkt seiner Wahl nehmen.



Bis vor kurzem hätte ich auch uneingeschränkt für die Neutralität der Pakete plädiert. Geändert hat meine Meinung eine Vorlesung über Netzwerke. Es macht unter Umständen schon Sinn andere Pakete zu benachteiligen, um ein gewisses Maß an QoS für bestimmte Dienste zu gewährleisten zu können. Es geht mir dabei weniger um so Zeugs wie IPTV, aber jemanden, der im Internet surft, kann es egal sein, ob die eine Seite nach 5ms, die nächste nach 3 und eine andere nach 7ms lädt - einem Kontrollsystem für Echtzeitsysteme kann man einen solche Jitter aber eher weniger zumuten. Solange sich eine Benachteiligung nicht spürbar auf den Anwender auswirkt, ist eine Netznichtneutralität zumutbar

Nennen wir das Kind doch beim Namen :) Die Carrier holten sich mit youtube/IPTV in HD und sonstigem Unterhaltungsmist den Teufel ins Haus.

Wieso soll mein Anliegen informative Webseiten anzusehen und zügig Mail zu versenden dem Wunsch nach hirnverbrannten Clips von irgendwelchen Atzen auf youtube nachstehen?
Mit welchem Recht soll ein HD Porn stream einem Anschluss in einer Schule nachstehen?
Und wieso soll ich in letzter Instanz genau diesen Youtube Mist mitbezahlen (was ich eh schon tue)?

Die Beispiele sind etwas krass, aber treffen genau den Kern.

Das Problem ist der massive Traffic durch die "neuen" Techniken im Netz. Und wenn die Carrier diese Dienstleistungen nicht in ihre Kalkulation kriegen (was ich stark bezweifle), dann muss der Preis eben steigen.
Einige Carrier versuchen attraktiv im Markt zu bleiben und Verfügbarkeitsprobleme (letzlich Kosten) von vorn herein durch die Aufhebung der Netzwerkneutralität Traffic zu shapen.

Am Ende faellt denen dann der umgekehrte Fall auf die Füsse: 50 Mbit gebucht aber nur 2 kommen durch - beim surfen auf youtube - wegen der Priorisierung.
 
ich denke ein teil des problems liegt auch in der super-breitband versorgung begraben die überall gefordert wird ...im privaten endnutzer-segment: 1Mbit leitung ... zu zeiten von 56k top, heute flop ... warum eigentlich? weil die technik weiter geht? oder vielmehr weil "omfg!-unbedingt-haben-will weil der esel die nächsten 80 kinofilme nicht schnell genug liefert" ?

klar geht die technik weiter, aber ... ist das alles?

bitte nicht falsch verstehen, schnellere netze sind toll, und wenn ich beispielsweise an aktuelle vertriebswege für software denke, oder allgemein RIAs, dann muss ich sagen, das wäre in netzen der 56k generation nicht denkbar gewesen, und hat im großen und ganzen auch fraglos seine berechtigung, aber ... quo vadis? wo soll das hinführen, wenn die entwicklung auf der einen seite ein naturgemäß rasantes tempo hat, auf der anderen seite aber die infrastruktur da nicht mal ansatzweise schritthalten kann, ohne mehrkosten zu verursachen, die ja nunmal irgendwer tragen muss ... die mehrkosten schlichtweg an alle endnutzer durch zu reichen, kanns nicht sein, da die kosten explodieren würden, und in kürze das ganze keiner mehr bezahlen könnte ... die gewinnmargen sind auch nicht groß genug, als dass belastungen dieser größe an vielen stellen nicht existenzbedrohend wären, also kann die entwicklung nicht ungebremst fotrgesetzt werden, wenn sich keine andere geldquelle findet ...

das ist meiner meinung nach normales marktverhalten ...


wenn die knappen ressourcen nun an den meistbietenden gehen, wird das dazu führen, dass bestimmte dienste bevorzugt werden (solche die genug kohle auf den tisch legen), und andere in entsprechendem maße benachteiligt werden ... auch kein hexenwerk ... angebot und nachfrage ...

die gefahr die ich sehe, ist dass für "den kleinen man(n)" nix übrig bleibt ... in wie fern da bereits handlungsbedarf besteht oder absehbar ist, kann ich schlecht beurteilen...

ich würde es jedenfalls für sinnvoll halten, das WENN reguliert wird, auch vorgaben der art erfolgen, dass z.B. einnahmen die durch die bevorzugungen/benachteiligungen entstehen, zu gewissen teilen, wenn nicht ganz, in den netzausbau gehen müssen ... allgemeiner: das durch die regulierung mittel bis langfristig eine verbreiterung der verfügbaren ressourcen voarngetrieben wird.

natürlich ist jede regulierung dieser art nur eine umverteilung, aber in gewisser weise sollte die allgemeine belastung (benachteiligung durch unterpriorisierten traffic) die durch diejenigen verursacht wird, die geld aufwenden um ihren diensten priorität verschaffen, auch anteilig beseitigt werden ... zumindest meine meinung ...


in einem satz: ich bin nicht sicher OB eine regulierung von priorisiertem traffic nötig ist, oder die generelle unbedingte netzneutralität nur vorteile bringen würde ...


hat jemand einblicke in die größenordnung wie weit das aktuell schon auswirkungen hat? (mal abgesehen von t-com/cogent ... hat jemand zahlen dazu?)
 
die gefahr die ich sehe, ist dass für "den kleinen man(n)" nix übrig bleibt ... in wie fern da bereits handlungsbedarf besteht oder absehbar ist, kann ich schlecht beurteilen...

Es ist jedenfalls nicht zu erwarten dass sich die grossen Carrier in einem plötzlichen Anfall von Nächstenliebe dazu durchringen, doch etwas mehr fuer die Umverteilung und einer wie auch immer definierten sozialen Gerechtigkeit zu tun.

Auch hier brauchen wir ein System, welches so gut es geht, eine Form von Gerechtigkeit bietet.

Die könnte heissen: Wer mehr Traffic will, soll mehr zahlen. Das Problem hier ist: Wo wird die Grenze gezogen?

Hier sehe ich ad-hoc auch keine praktikable Antwort.
 
Bezüglich der Infrastruktur wird allzu gern vergessen, dass das Telefonnetz nicht die einzige Möglichkeit zur Datenübertragung ist. Insofern halte ich es für notwendig, dass auch mal alternative Transportnetze weiter ausgebaut werden. Speziell sehe ich da in Großstädten das Kabelnetz und auf dem Land das Stromnetz. Im Prinzip wird die vorhandene Infrastruktur also ungleichmässig genutzt. Während im Kabelnetz noch riesige Kapazitäten zur Verfügung stehen, sind sie im Telefonnetz enorm knapp.
 
stromnetz ist so eine sache ... die anforderungen an ein netz zur datenübertragung, und die endgeräte-spezifikationen sind nicht zwangsweise mit der gleichen betrachtung auf energienetzen kompatibel, bzw. zur herstellung von kompatiblität sind kompromisse und umbauten nötig, die auch wieder jemand bezahlen muss ...

möglichkeiten gibts da sicherlich ... aber ich sehe da nicht viel was sich wirklich großflächig und kostengünstig anbieten würde ...
 
Kostengünstig wird es bekanntermaßen, wenn es möglichst umfassend eingesetzt wird.

Nicht unbedingt. Es gibt Bereiche wo es keine Skalierungseffekte gibt oder die zumindest nur minimal sind.

Aber letztlich spielt die Technologie bei der Frage der Netzneutralität kaum eine Rolle.

Und wie mein Kollege immer sagt: "Das muss eh alles durchn De-CIX" :)
 
Der DE-CIX handhabt zwar einen Grossteil des Traffics in .de, aber nicht alles. Auch in diesem Bereich gibt es durchaus Verbesserungsbedarf. Man könnte z.B. den Traffic durchaus auch auf andere CIX aufteilen.
 
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