[TdW 99] Rechtspopulismus - eine wachsende Gefahr?

Tarantoga

Moderator
Diesmal beschäftigt sich das TdW mit dem unschönen Thema Rechtspopulismus, der scheinbar gerade wieder Hochkonjunktur hat. Als ich in der fünften oder sechsten Klasse zum ersten Mal Politik als Unterrichtsfach hatte, war Rechtspopulismus im allgemeinen und der deutsche Faschismus im speziellen unser erstes Thema. Ich erinnere mich gut daran, dass wir ziemlich früh über Rahmenbedingungen sprachen in den radikales Gedankengut besonders gut gedeiht und wo Menschen eben auch für rechtspopulistische Parolen besonders empfänglich sind. Einer der wichtigsten Aspekte dabei war natürlich eine wirtschaftliche Notlage, denn Menschen die von Existenzangst geplagt werden, sind verunsichert und somit beeinflussbarer als Menschen die rundum zufrieden sind. Wer satt und zufrieden ist, der sieht schließlich keinen Grund etwas zu ändern. Doch wer fürchtet in die Armut abzurutschen oder wer bereits jeden Cent dreimal umdrehen muss, um wenigstens halbwegs über die Runden zu kommen, der hadert natürlich mit seinem Schicksal und ist schlichtweg unzufrieden. Fast immer betrifft diese Unzufriedenheit auch die amtierende Regierung, denn schon in guten Zeiten schimpfen Menschen gern auf die Unfähigkeit der eigenen Regierung, in schlechten Zeiten erwartet man aber Lösungen - greifen diese Lösungen nicht (oder zu langsam), sind sie schmerzhaft oder bleiben sie schlichtweg aus, dann verwandelt sich Unzufriedenheit schnell in Zorn.
Hier setzt der Populismus an (das gilt nämlich für jede Form des Populismus): Man nimmt reale Misstände ins Visier (z. B. hohe Arbeitslosigkeit), beschwört damit verbundene Ängste (z. B. die Angst vor sozialem Abstieg) und präsentiert in der Regel auch gleich einen Sündenbock. Beim Sündenbock unterscheiden sich dann auch die Arten des Populismus: Während "linke" Populisten gerne das Establishment (Bosse, Banken und / oder Politiker) beschuldigen, zielen "rechte" Populisten gerne auf Minderheiten (besonders beliebt sind ethnische oder religiöse Minderheiten). Diese Sündenböcke sind sehr wichtig für den Populismus, denn erstens eint nichts so schön wie ein gemeinsames Feindbild und außerdem sind Wut und Hass sehr starke Emotionen - mit einem schönen Feindbild und entsprechender Rhetorik kann man eine Gruppe Zuhörer in einen tobenden Mob verwandeln. Menschen die derart aufgestachelt sind, sind halt viel empfänglicher für schlichte Parolen - auch das ist wichtig für Populisten, denn diese wettern zwar lautstark gegen Misstände, haben aber auch keine Lösungen parat. Als eine Art Scheinlösung dient da das beschworene Feindbild und die heftigen Emotionen verhindern das die Menschen die Scheinargumente gründlich hinterfragen.
Nun haben wir in Europa leider wieder eine Zeit, in der der Boden für den Populismus besonders fruchtbar zu sein scheint. Aus der US-Immobilienkrise wurde die Bankenkrise, die Bankenkrise wurde zu Eurokrise und die Eurokrise scheint ein Schrecken ohne Ende zu sein. Vielen Ländern Europas geht es wirtschaftlich sehr schlecht, viele Länder leiden unter hoher Arbeitslosigkeit und gerade junge Menschen sind von der Arbeitslosigkeit besonders oft betroffen. Und schon sind die Populisten wieder zur Stelle, scheinen einfache Lösungen für komplexe Probleme anzubieten und wettern lautstark gegen ihre jeweiligen Feindbilder. Europas Dauerkrise hat gerade die Rechtspopulisten in vielen Ländern erstarken lassen und sowohl alte Vorurteile, als auch verstaubte Argumente haben Renaissance. Das beliebteste Feindbild sind dabei in der Regel Einwanderer - wobei es durchaus regionale Unterschiede gibt. In einigen osteuropöischen Staaten wie Ungarn oder Bulgarien dienen vor allem Sinti & Roma als Sündenbock, in südeuropäischen Ländern dienen vor allem Armutsflüchtlinge aus Afrika als Feindbild Nr.1. Einwanderer (also ethnische Minderheiten) sind ohnehin der Klassiker des Rechtspopulismus und mit Parolen gegen Einwanderer lassen sich mittlerweile wieder in praktisch jedem europäischen Land Punkte machen. In Frankreich zählt sich die Front National nach den Regionalwahlen zur drittstärksten Kraft, in den Niederlanden fischt Geert Wilders Vrijheids Partei nach Stimmen, Norwegen erholt sich immer noch vom Trauma das Breiviks entsetzlicher Amoklauf hinterlassen hat (den er selbst u. a. als Zeichen gegen "Überfremdung" sah) und in Griechenland terrorisiert die Goldene Morgenröte jeden der nicht in ihr Weltbild passt. Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen (vermutlich könnte man irgendwie jedes europäische Land einbeziehen), daher stellt das TdW diesmal die Frage: Rechtspopulismus - Eine wachsende Gefahr?
 
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benediktibk

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Eindeutig ein Problem, wenn ich mir zum Beispiel ansehe wen Österreich in das EU-Parlament schicken möchte (bzw. bereits dorthin geschickt hat): „Negerkonglomerat“: Mölzer-Sager auf Band - wien.ORF.at
Aber das ist in Österreich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: https://www.google.at/search?q=fpö+...TMdGshQeU8YGoDA&ved=0CC0QsAQ&biw=1366&bih=633 Und so etwas ist inzwischen auch drittstärkste Kraft im Land und immer noch auf der Überholspur.
So, das war mein Beitrag zur Lage in Österreich :).
Unter Umständen wäre eine mögliche Lösung sogar genau diese Parteien für eine Wahlperiode an die Macht zu lassen, dann sieht man wieviele Lösungen sie durchsetzen und wie gut diese wirken. Allerdings gewinnt die FPÖ eben immer noch an Stimmen dazu, obwohl sie eins zu eins die Rhetorik von Jörg Haider im Prinzip nur übernommen bzw. verschärft haben. Und dass der liebe Herr Haider nichts als den Bankrott dem Land Kärnten hinterlassen hat weiß inzwischen eigentlich auch jeder. Stört aber irgendwie keinen. Vielleicht also doch keine so gute Idee.

mfg benediktibk
 
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odigo

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Auch wenn es furchtbar unpopulär ist und ich wahrscheinlich in die rechte Ecke gedrängt werde, aber ein gewisses Problem mit Ausländern lässt sich nunmal nicht verleugnen. So gut ich Europapolitik und offene Grenzen auch finde, aber es hat auch seine Schattenseiten. Mich wundert es nicht, wenn in der Gesellschaft ein gewisser Ruck nach rechts stattfindet.
Ich gehöre zu den Menschen die sehr in ihrer Region verwurzelt sind und ich interessiere mich eher für Dinge die um mich herum geschehen als für die große Weltpolitik.
Wenn ich mir anschaue was bei uns in der Gegend das letzte halbe Jahr los war, dann muss man sich schon fragen ob da nicht was falsch läuft. Um nur ein paar Sachen aufzuzählen (lässt sich alles Belegen):
- Banküberfall: Täter osteuropäischer Dialekt
- Überfall Tankstelle: Beide Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- letzten Freitag: Überfall beim Norma: Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- In den letzen 4 Monaten verging keine Woche ohne Meldungen über Wohnungseinbrüche
- Zur Zeit sind wieder rumänische Bettelbanden bei uns in der Gegend unterwegs

Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass vor 10 Jahren die Lokalnachrichten genauso ausgeschaut haben.
Angesichts dessen (und noch einiger anderer Sachen) braucht es nicht mehr viel Populismus um den Otto-Normal-Bürger in die Hände von rechten Parteien zu treiben.
 

Chromatin

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Rechtspopulismus - Eine wachsende Gefahr?

Ich bin mir sicher, dass ein Rechtspopulismus keine Gefahr birgt.
Ich sehe eher die Gefahr darin, dass die Gründe, die einen (sog.) Rechtspopulismus Wind in die Segel bläst, von den etablierten Parteien vernachlässigt werden.

Der Rechtspopulismus ist gerechtfertigt, denn offenbar trifft er auf offene Ohren in der Bevölkerung.

Darüber muss man nachdenken und was man dagegen tun kann.
 

Sy0v

Stammuser
Es ist dasselbe wenn ich behauptet dass alle deutschen Pädophil sind. Es gibt genug deutsch die genauso Überfälle und dergleichen ausüben, nur werden diese nicht von den Medien so publiziert wie wenn es mal ein Ausländer macht. Es werden meist aus Verzweiflung Straftaten begangen. Dies liegt z.B. an der Arbeitslosigkeit, bei den Ausländischen Bürgern tritt diese häufiger auf, aufgrund mangelnden Sprachkenntnisse oder eben auch die fehlende Ausbildung. Dann kommt der Richtige Politiker und sagt noch dazu, dass die Ausländer schuld sind, warum wir so viele Arbeitslose haben. Deswegen glaub ich, kommt auch die Population der Rechtspolitik.
 

odigo

Member of Honour
Es gibt genug deutsch die genauso Überfälle und dergleichen ausüben, nur werden diese nicht von den Medien so publiziert wie wenn es mal ein Ausländer macht.
Ich spreche von den Sachen in meiner Gegend. Das hat nichts mit Medien zu tun und ist auch keine subjektive Wahrnehmung. Auch schlecht publizierte Überfälle von Deutschen hätte ich mitbekommen. Die gab es aber nunmal nicht und das ist Fakt.
 

Sy0v

Stammuser
Ich spreche von den Sachen in meiner Gegend. Das hat nichts mit Medien zu tun und ist auch keine subjektive Wahrnehmung. Auch schlecht publizierte Überfälle von Deutschen hätte ich mitbekommen. Die gab es aber nunmal nicht und das ist Fakt.

Die Ausnahme bestätigt die Regel ^^
 

benediktibk

Standardgruppe für nicht aktivierte User
Auch wenn es furchtbar unpopulär ist und ich wahrscheinlich in die rechte Ecke gedrängt werde, aber ein gewisses Problem mit Ausländern lässt sich nunmal nicht verleugnen. So gut ich Europapolitik und offene Grenzen auch finde, aber es hat auch seine Schattenseiten. Mich wundert es nicht, wenn in der Gesellschaft ein gewisser Ruck nach rechts stattfindet.
Ich gehöre zu den Menschen die sehr in ihrer Region verwurzelt sind und ich interessiere mich eher für Dinge die um mich herum geschehen als für die große Weltpolitik.
Wenn ich mir anschaue was bei uns in der Gegend das letzte halbe Jahr los war, dann muss man sich schon fragen ob da nicht was falsch läuft. Um nur ein paar Sachen aufzuzählen (lässt sich alles Belegen):
- Banküberfall: Täter osteuropäischer Dialekt
- Überfall Tankstelle: Beide Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- letzten Freitag: Überfall beim Norma: Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- In den letzen 4 Monaten verging keine Woche ohne Meldungen über Wohnungseinbrüche
- Zur Zeit sind wieder rumänische Bettelbanden bei uns in der Gegend unterwegs

Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass vor 10 Jahren die Lokalnachrichten genauso ausgeschaut haben.
Angesichts dessen (und noch einiger anderer Sachen) braucht es nicht mehr viel Populismus um den Otto-Normal-Bürger in die Hände von rechten Parteien zu treiben.

Warum verlassen Menschen ihre Heimat? In der Regel gibt es dafür handfeste Gründe, politische Verfolgung oder es gibt einfach nichts zum Essen/kein Dach über dem Kopf. Wenn diese Menschen dann hier ankommen landen sie nicht automatisch in einer besseren gesellschaftlichen Lage, sie finden sich in der Regel wieder in der sozialen Unterschicht wieder. Und in einer solchen Lage steigt das Risiko straffällig zu werden ganz automatisch an, unabhängig von Herkunft, Rasse oder Hautfarbe.
Bei uns in Österreich ist es sogar so intelligent gelöst, dass Asylwerber keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen dürfen. Wäre sicher kein Problem, wenn ein Asylverfahren ein paar Wochen dauert, aber das kann durchaus einige Jahre dauern. Damit haben wir dann Menschen, die zwar was zum Essen und ein Dach über dem Kopf bekommen, aber jahrelang nichts tun dürfen. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn die auf dumme Ideen kommen.

mfg benediktibk
 

odigo

Member of Honour
Warum verlassen Menschen ihre Heimat? In der Regel gibt es dafür handfeste Gründe, politische Verfolgung oder es gibt einfach nichts zum Essen/kein Dach über dem Kopf. Wenn diese Menschen dann hier ankommen landen sie nicht automatisch in einer besseren gesellschaftlichen Lage, sie finden sich in der Regel wieder in der sozialen Unterschicht wieder. Und in einer solchen Lage steigt das Risiko straffällig zu werden ganz automatisch an, unabhängig von Herkunft, Rasse oder Hautfarbe.
"Der lebt in einer sozialen Unterschicht, da sind Straftaten ganz normal". Ja, wenn das so ist, dann muss man das wohl so hinnehmen.
Meinst nicht, dass das ein bißchen zu einfach ist?
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Bei uns in Österreich ist es sogar so intelligent gelöst, dass Asylwerber keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen dürfen.

Das ist in Deutschland ähnlich. Hier braucht jemand, der als Asylant hier ist, eine Genehmigung von der Arge um einem Job nachgehen zu können. In vielen Fällen kapieren die die dahintersteckende Bürokratie auch gar nicht. Whatever - hier tut sich aber auch was.

Es werden meist aus Verzweiflung Straftaten begangen.
Um welche Art von Verzweiflung handelt es sich denn bei sexuellen Übergriffen und Gewalttaten, oder sich gegenseitig Schuhe, Jacken oder Handy zu stehlen oder dem in Provinzen schon fast üblichen Dorffest-Prügel Tourismus wo man einfach nur andere Leute zusammenhaut?

Mundraub und Beschaffungskriminalitaet kann ich nachvollziehen. Und auch wenn jemand, der in reellen Nöten ist sich durch Raub Geld besorgt, kann ich das nachvollziehen. Und ich wäre wirklich dafür die Umstände zu beseitigen, die Menschen in solche Maßnahmen zwingt.
 

benediktibk

Standardgruppe für nicht aktivierte User
Um welche Art von Verzweiflung handelt es sich denn bei sexuellen Übergriffen und Gewalttaten, oder sich gegenseitig Schuhe, Jacken oder Handy zu stehlen oder dem in Provinzen schon fast üblichen Dorffest-Prügel Tourismus wo man einfach nur andere Leute zusammenhaut?
Es wandern sich auch überproportional viele Menschen aus, welche bereits in ihrem Herkunftsland straffällig geworden sind. Ist schließlich ebenso ein guter Grund zu migrieren. Nur ist es leider zum einen schwierig genau diese bereits in der Vergangenheit Kriminellen von den restlichen zu unterscheiden. Und zum anderen schieben wir unsere einheimischen Kriminellen auch nicht ab, sondern trennen sie von der Gesellschaft, inklusive Verpflegung und medizinischer Versorgung. Wird wohl einen guten Grund haben, dass sich moderne Gesellschaften immer weniger mit der Todesstrafe anfreunden können.

mfg benediktibk
 

Tarantoga

Moderator
odigo hat gesagt.:
Auch wenn es furchtbar unpopulär ist und ich wahrscheinlich in die rechte Ecke gedrängt werde, aber ein gewisses Problem mit Ausländern lässt sich nunmal nicht verleugnen.
Warum rechte Ecke? Du äußerst Deine Meinung und begründest Sie mit Argumenten. Wie langweilig (und sinnlos) wären Diskussionen, wenn alle einer Meinung wären?

odigo hat gesagt.:
Wenn ich mir anschaue was bei uns in der Gegend das letzte halbe Jahr los war, dann muss man sich schon fragen ob da nicht was falsch läuft. Um nur ein paar Sachen aufzuzählen (lässt sich alles Belegen):
- Banküberfall: Täter osteuropäischer Dialekt
- Überfall Tankstelle: Beide Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- letzten Freitag: Überfall beim Norma: Täter südländischer Typ, gebrochenes Deutsch
- In den letzen 4 Monaten verging keine Woche ohne Meldungen über Wohnungseinbrüche
- Zur Zeit sind wieder rumänische Bettelbanden bei uns in der Gegend unterwegs
Ja, es ist eine unbestreitbare Tatsache das es unter Einwanderern und durchreisenden Ausländern Straftäter gibt. Soweit sind wir uns völlig einig. Fragwürdig wird es, zumindest meiner Meinung nach, erst wenn man daraus die Schlussfolgerung zieht, dass es ganz allgemein ein Problem mit Ausländern gibt.

Da Du Deine Argumente direkt aus Deinem Alltag und Deiner Umgebung beziehst, möchte ich diesem Beispiel folgen: Als Berufspendler fahre ich fünf Tage die Woche mit der S-Bahn. Die Servicekräfte die den Bahnsteig am Hauptbahnhof wo ich ein- und aussteige sauberhalten, sind ausnahmslos Einwanderer - dem Aussehen nach würde ich sagen sie sind alle türkischer Abstammung. Auch der Prüfdienst (also die Kontrolleure) und der Sicherheitsdienst in der S-Bahn setzt sich größtenteils aus Einwanderern zusammen. Als ich z. B. heute Mittag kontrolliert wurde, waren die Kontrolleure zu dritt, ich schätze einer war ein Deutscher und die beiden anderen türkischer Abstammung - wobei das völlig akzentfreie Deutsch desjenigen der mich kontrolliert hat, ein klares Indiz dafür war, dass der Mann in Deutschland geboren oder zumindest aufgewachsen ist.
Vor einigen Monaten hatte ich nach einem Autounfall einen kurzen Krankenhausaufenthalt und da konnte ich mich selbst davon überzeugen, wie es auch oft in den Medien thematisiert wird, das die überwältigende Mehrheit der Krankenschwestern osteuropäischer Abstammung waren. Auf meiner Station würde ich sagen das gut 80% der Schwestern einen osteuropäischen Akzent hatten. Auch bei den Ärzten war der Anteil von Menschen mit "Migrationshintergrund" hoch - hier würde ich sagen das Verhältnis "Deutsche" und "Ausländer" war etwa fifty-fifty. Ich habe "Deutsche" und "Ausländer" in Anführungszeichen gesetzt, da z. B. mein behandelnder Arzt dem Namen nach türkischer Abstammung war - aber auch hier entlarvte ihn seine akzentfreies Deutsch als jemanden der hier aufgewachsen ist. Es ist natürlich nur eine Vermutung, aber ich denke er war ein Einwandererkind der zweiten oder dritten Generation und ist hier geboren, aufgewachsen, zur Schule & zur Uni gegangen. Daher die Anführungszeichen, denn es fällt mir schwer so jemanden nicht als Deutschen zu betrachten, nur weil die Wurzeln seiner Familie in einem anderen Land liegen und er vielleicht zweisprachig aufgewachsen ist.
Und last but not least: Wenn ich zu Fuss in die City gehe, komme ich durch eine Straße in der es viele Cafes, Restaurants, Boutiqen, Arztpraxen und vor allem (da das Amts- & das Landgericht nah sind) viele Anwaltskanzleien & Notare gibt. Wenn man sich die Namen der Ärzte, Notare und Rechtsanwälte durchliest, dann stößt man auch auf viele Namen die auf eine türkische oder arabische Herkunft schließen lassen. Die Restaurants wiederum werden von Italienern, Griechen und Chinesen betrieben. Was ich damit sagen will ist: Ich sehe jeden Tag Menschen mit "Migrationshintergrund" und sie tun einfach das was alle anderen auch machen: Sie arbeiten und versuchen irgendwie durchs Leben zu kommen. Ich schätze keiner von den hier genannten, egal ob er jetzt eine Hilfskraft aus dem Niedriglohnsekter oder ein Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei ist, geht nebenbei auf Raubzüge oder prügelt arme Schweine in U-Bahn Stationen zu Tode... Von daher denke ich nicht das wir ein Problem mit Ausländern haben, wir haben ein Problem mit Straftätern - unter denen es eben auch Ausländer und Einwanderer gibt.
Ich lehne mich jetzt einfach mal weit aus dem Fenster (da ich zu dieser späten Stunde keine Lust habe das zu verifizieren) und behaupte: Egal welche Einwanderergruppe man auch betrachtet, die Straftäter werden immer eine Minderheit sein - das Gros der Menschen wird entweder einer ehrlichen Arbeit nachgehen oder auf der Suche nach ehrlicher Arbeit sein.

Chromatin hat gesagt.:
Ich bin mir sicher, dass ein Rechtspopulismus keine Gefahr birgt.
Ich sehe eher die Gefahr darin, dass die Gründe, die einen (sog.) Rechtspopulismus Wind in die Segel bläst, von den etablierten Parteien vernachlässigt werden.
Ich halte Rechtspopulismus (bzw. Populismus im allgemeinen) immer für eine Gefahr. Im Eröffnungspost sagte ich das der Populismus bei real existierenden Missständen ansetzt und ich vermute solche tatsächlichen Probleme meinst Du, wenn Du von den Gründen sprichst. Doch das ist ja nur Mittel zum Zweck, Populismus dient immer einem klar definierten Ziel - in der Regel der Erlangung der Regierungsgewalt. Wenn Populisten sich auf real existierende Missstände (wie z. B. kriminelle Einwanderer) stürzen, dann versuchen sie die Wahrnehmung zu manipulieren - sie wollen die große Masse der Einwanderer vergessen machen, die jeden Tag hart dafür arbeiten das die gut geölte Maschine die wir Gesellschaft nennen funktioniert und wollen nur die kriminellen oder einfach nur gewalttätigen Elemente in den Fokus rücken, die es nun einmal leider auch gibt. Doch solange nicht alle Straftäter Ausländer oder alle Ausländer Straftäter sind, darf man getrost jeden ignorieren, der seine Argumentation mit "die" einleitet und versucht den Eindruck zu erwecken, dass es generell ein Problem mit Ausländern gibt...;)
 

odigo

Member of Honour
Ja, es ist eine unbestreitbare Tatsache das es unter Einwanderern und durchreisenden Ausländern Straftäter gibt. Soweit sind wir uns völlig einig. Fragwürdig wird es, zumindest meiner Meinung nach, erst wenn man daraus die Schlussfolgerung zieht, dass es ganz allgemein ein Problem mit Ausländern gibt.

So hab ich das eigentlich gar nicht gemeint. Ich will keine Gruppierungen unter Generalverdacht stellen, weil das Schlicht und ergreifend falsch wäre. Auch ein "Ausweisen und keinen mehr rein lassen" wäre mit Sicherheit nicht die Lösung des Problems bzw. würde ganz andere Probleme schaffen. Ich kann allerdings nicht sagen was denn die Lösung wäre. Härtere Strafen? Effektivere Strafverfolgung? Bessere Integration? Grenzkontrollen? ... Keine Ahnung.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
@Tara

Ja, es ist eine unbestreitbare Tatsache das es unter Einwanderern und durchreisenden Ausländern Straftäter gibt. Soweit sind wir uns völlig einig. Fragwürdig wird es, zumindest meiner Meinung nach, erst wenn man daraus die Schlussfolgerung zieht, dass es ganz allgemein ein Problem mit Ausländern gibt.

Davon wurde hier auch nicht mal im Ansatz geredet. Ich glaube nicht dass irgend jemand ein Problem mit den Ausländern hat, die hier ihrer Tätigkeit nachgehen. Ob es der Akademiker ist - oder der Strassenkehrer.

Es ist müßig immer die gleiche Nummer herunterzulaiern: In jeder solchen Diskussion bekennt sich ein jeder zu seiner Freundschaft zu irgendeinem Türken/Griechen/Araber/whatsoever den man kennt und der super integriert ist usw/usf. Und ich bin ja auch bei Dir dass die meisten Ausländer für niemanden ein Problem darstellen - ob sie integriert sind oder nicht (soweit ich das sehe, ist man sich noch nicht mal sicher was das überhaupt bedeutet).

Wenn man aber die Tatsache ignoriert, dass es aber eben doch auch Auslaender der eher ungeilen Art gibt und die für andere Menschen ein Problem darstellen, so ist das ein Fehler der Mitte und dem ganzen linken Lager.

Rechtspopulismus funktioniert, weil er - SUBJEKTIV - begründet und berechtigt ist. Wer also die Probleme - die es ja wohl zweifelsohne (auch) gibt, ignoriert, treibt diejenigen, die für solche Strömungen anfällig sind, genau in die Rechten Lager. Schauen wir nach Frankreich - das ist mittlerweile mehr als Protest und ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Ignoranz der Mitte.

In einem demokratischen Land muss man eben mit allem möglichen rechnen - also vielleicht auch mit einem leichten Rechtsruck, der die Mitte mal ein bisschen aufwirbelt. Und ich glaube es funktioniert langfristig nicht, dass man die Leute, die dort wirklich ein Problem sehen, mit der Kuschelrhetorik vom netten Gastarbeiter einwickelt, ohne auch die Probleme, die tatsächlich existieren zumindest öffentlich wahrzunehmen.

EDIT:
Ich halte Rechtspopulismus (bzw. Populismus im allgemeinen) immer für eine Gefahr.
Nur mal btw. - Worauf war denn der Piraten-Hype begründet, wenn nicht auf einem Populismus, der das ausspricht, was die Bürger (angeblich) denken? Von nüchterner politischer Message war jedenfalls kaum was zu spueren ;)
 

Tarantoga

Moderator
odigo hat gesagt.:
So hab ich das eigentlich gar nicht gemeint. Ich will keine Gruppierungen unter Generalverdacht stellen, weil das Schlicht und ergreifend falsch wäre.
So hatte ich Dich auch nicht verstanden und ich wollte Dir das auch nicht unterstellen (sorry falls es trotzdem so rübergekommen sein sollte) - mir ging es um Rechtspopulismus (ist ja auch das Thema des Threads).
Der Rechtspopulismus generalisiert nämlich durchaus und versucht, mal mehr und mal weniger offen, ganz allgemein Ressentiments gegen Ausländer (oder sonstige Feindbilder) zu wecken.

Chromatin hat gesagt.:
Davon wurde hier auch nicht mal im Ansatz geredet.
Siehe Antwort oben...;)

Chromatin hat gesagt.:
Wenn man aber die Tatsache ignoriert, dass es aber eben doch auch Auslaender der eher ungeilen Art gibt und die für andere Menschen ein Problem darstellen, so ist das ein Fehler der Mitte und dem ganzen linken Lager.
Straftäter sollte man niemals ignorieren und davon reden wir doch eigentlich. "Ausländer der eher ungeilen Art" sind Menschen die in der einen oder anderen Form kriminell geworden sind, oder? Wenn ein Einheimischer (Populismus ist ja nicht auf DE beschränkt) eine Bank überfällt, ist er einfach ein Bankräuber. Wenn ein Ausländer (oder jemand dessen Eltern oder Großeltern Ausländer waren) eine Bank überfällt, ist er ein krimineller Ausländer und viele Menschen nicken dann weise und sagen typisch - auch das ist ein Erfolg des Rechtspopulismus. Und Menschen die bei kriminellen Ausländern gerne von typisch reden, sind für gewöhnlich die ersten, die bei Gewalttaten von Rechtsradikalen gegen Ausländer jegliches politisches Motiv verneinen und darauf bestehen da müsse man genau differenzieren. Ja, man muss differenzieren - aber nicht nur da wo es einem gerade in den Kram passt.
Und die Aussage das der Fehler ganz in der Mitte und im linken Lager liegt (woraus folgt das allein das rechte Lager richtig liegt), ist schon eine ziemlich seltsame Sichtweise.
Für mich persönlich sind Rechtspopulisten nichts anderes als die Hassprediger der westlichen Gesellschaften - und genau wie ihre islamistischen Pendants produzieren sie Radikale, die auch vor mörderischer Gewalt nicht zurückschrecken. Beispiele dafür gibt es auch in Deutschland zuhauf - man denke nur an Brandanschläge auf Asylantenheime, das Oktoberfestattentat oder die Mordserie des NSU.

Populismus radikalisiert, Radikale töten...X(
 

ikkebins

Stammuser
Vielleicht sollte man generell nicht von Ausländergewalt sprechen, sondern von muslimischer Gewalt. Schließlich reißen deren Gewaltakte die Statistik der "Ausländerkriminalität" nach oben, was den rechtschaffenden Rest nur die Suppe versalzen kann.

Wenn ein Ausländer (oder jemand dessen Eltern oder Großeltern Ausländer waren) eine Bank überfällt, ist er ein krimineller Ausländer und viele Menschen nicken dann weise und sagen typisch - auch das ist ein Erfolg des Rechtspopulismus.

Zum Beispiel machen Muslime 8 % der Bevölkerung in Berlin aus [1]. Dazu diese Statistik der Intensivtäter [2]:

Herkunft_Intensivt%C3%A4ter.png


Darf man bei solch einer Statistik von "typisch" sprechen? Wenn ja, ist es dann der Erfolg von Rechtspopulisten, einen Sachverhalt so darzustellen, wie er nunmal ist?

[1] Türken in Berlin
[2] Ausländerkriminalität
 

Sy0v

Stammuser
Ohne jetzt irgendwelche Statistiken aus dem Hut zaubern zu können, kann man durchaus festhalten, dass überproportional hoher aller Vergewaltigungen, hier in Deutschland, von Christen begangen werden. Man könnte also durchaus sagen, dass es typisch für einen Christen ist seinen Nachwuchs zu vergewaltigen. Aber das ist auch kein Wunder, betrachtet man die Geschichte des Christentums, so findet man immer wieder Beweise, dass Vergewaltigung ein fester Bestandteil dieser Religion ist. Ich möchte nicht so weit gehen und Ausbildungslager für Islamisten mit katholischen Ämtern zu vergleichen (wobei da durchaus parallelen sind) - nichtsdestotrotz denke ich, dass es nicht zu viel verlangt ist, wenn zentrales Register mit DNA-Proben von allen Christen erstellt wird, sodass man im Ernstfall schnell und effizient aufklären kann. Straftäter dieser Religion gehören selbstverständlich des Landes verwiesen.

Wenn in einem Land eine Gruppe (z.B. Christentum) denn höchsten Anteil hat, dann wir natürlich auch der Anteil der Straftaten der Gruppe sehr hoch sein.

Zweitens, gehört die Vergewaltigung sicher nicht zur Religion. Nur weil es ein paar schwarze Schafe gibt, muss nicht gleich das ganze Christentum in Frage gestellt werden.

Drittens, warum soll von allen Christen DNA Proben genommen werden und nicht gleich für die ganze Bevölkerung. Gleichberechtigung für alle.

Viertens auch die schwarzen Schafe gehören zum Land und können nicht einfach verwiesen werden vom Land nur weil sie sich nicht ans Gesetzt halten oder soll ein Staat gegründet werden wo alle Straftäter leben und ein einreise Verbot für die Staatsangehörigen.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Ohne jetzt irgendwelche Statistiken aus dem Hut zaubern zu können, kann man durchaus festhalten, dass überproportional hoher aller Vergewaltigungen, hier in Deutschland, von Christen begangen werden.
Netter Versuch.(psst. heute ist schon der 2. April).

@Sy0v..schmeckt der Fisch?


Straftäter sollte man niemals ignorieren und davon reden wir doch eigentlich. "Ausländer der eher ungeilen Art" sind Menschen die in der einen oder anderen Form kriminell geworden sind, oder?
Nicht zwingend. Auch Leute die in Gruppen am Bremer Hauptbahnhof vor anderer Leute Füsse rotzen, finde ich extrem ungeil. Bei mir persönlich fängt Ungeilheit da schon an.


Und die Aussage das der Fehler ganz in der Mitte und im linken Lager liegt (woraus folgt das allein das rechte Lager richtig liegt), ist schon eine ziemlich seltsame Sichtweise.
Da Du meinen Satz hier völlig aus dem Kontext gerissen hast und deine Interpretation falsch ist - hier nochmal:

Wenn man aber die Tatsache ignoriert, dass es aber eben doch auch Auslaender der eher ungeilen Art gibt und die für andere Menschen ein Problem darstellen, so ist das ein Fehler der Mitte und dem ganzen linken Lager.

Ich beziehe mich sehr eindeutig auf das "ignorieren". Es gibt diese Art von Ausländern und es gibt sie auch in der "Wahrnehmung" nicht selten(was aber aber auch sicher teilweise demographisch begründet sein kann und es nicht ueberall so ist). Und es gibt Menschen die sich daran "stören" und auch hier ist das nicht ausschliesslich unberechtigt, wobei ein Teil davon rein subjektiver Natur ist und (eigentlich) völlig unbegründet.

Um diese Sachverhalte geht es mir. Wenn solchen Menschen, die sich "gestört" fühlen mit Ignoranz oder "verkappter Nazi" begegnet wird - so wird sich mancher von denen dahin wenden, wo man für das eigene Anliegen ein offenes Ohr findet. Das ein völlig normales und verständliches Ding.

Für mich persönlich sind Rechtspopulisten nichts anderes als die Hassprediger der westlichen Gesellschaften - und genau wie ihre islamistischen Pendants produzieren sie Radikale, die auch vor mörderischer Gewalt nicht zurückschrecken.
Da stimme ich dir auch bedingt zu. Aber stellst Du Dir nicht die Frage warum solche Leute denn überhaupt eine Lobby finden? Das ist doch der Punkt.

Ich bin wahrlich kein Freund irgendwelcher Rechten Strömungen aber ich bin ein ganz entschiedener Gegner davon, Anliegen und Ansichten - Objektiv begründet oder nicht - einer politischen Korrektheit zu opfern, die schon so klinisch ist, dass andere Standpunkte prinzipiell nicht diskutiert werden dürfen.
 

Sy0v

Stammuser
@Sy0v..schmeckt der Fisch?

Soll das eine Anspielung auf die Fastenzeit sein?
Was hat das mit dieser Diskussion zu tun oder fehlen dir passende Gegenargumente?

Wenn man mal die Welt betrachtet, dann sieht man auch, dass die Missbräuche hauptsächlich in Deutschland staatfinden und nicht von Christen aus aller Welt regelmäßig als Ritual durchgeführt werden. Somit könnte man auch behaupten das es die Deutschen sind und nicht die Christen. Man kann alles soweit runterbrechen bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist und dann mit dem Finger auf diese Gruppe, Religion, Staatsangehörigkeit, etc. zeigen.
 

Chromatin

Moderator
Mitarbeiter
Soll das eine Anspielung auf die Fastenzeit sein?

Nein. Nur darauf dass Du ihm gerade auf den Leim gegangen bist weil seine Aussage offensichtlich falsch ist und du einem Populisten auf den Leim gegangen bist, wie man an deiner weiteren Aussage sehen kann:

Wenn man mal die Welt betrachtet, dann sieht man auch, dass die Missbräuche hauptsächlich in Deutschland staatfinden und nicht von Christen aus aller Welt regelmäßig als Ritual durchgeführt werden. Somit könnte man auch behaupten das es die Deutschen sind und nicht die Christen.

Und wie willst Du diesen Stuss belegen?

Missbrauch Deutschland vs. Indien. Da bin ich mal gespannt.
 
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